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Heinzelmann versus Katholizismus

Hamburg-Harburg: Mit ohrenbetäubendem Lärm arbeiten zwei Staubsauger gegeneinander. In dem großen Raum kann sich der Schall frei entfalten. Sie können nicht anders, sie sind aneinander gefesselt. Ihre Rüssel sind miteinander verbunden. Neben ihnen liegt ihre eigentliche Aufgabe: Ein Häufchen Dreck, allerdings wohlgeschichtet und in Signalrot. Die beiden scheren sich gar darum und arbeiten unermüdlich gegeneinander an. Unbändig drängt sich der Loriot`sche Heinzelmann-Vertreter auf, der mit seinem Saugblaser die Hausfrau auf den technisch neuesten Stand bringen will.

Staubsauger im Kampf (Foto: Tom Köhler, Hamburg) Staubsauger im Kampf *1 (Foto: Tom Köhler)

Wa sich anhört, wie aus einem Panoptikum, ist Teil der am 28.02.2010 eröffneten Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof. Künstlerförderung der besonderen Art findet im ehemaligen Wartesaal über den Gleisen 3/4 ihren Platz. Der Verein, als sehr rege bekannt, hat wieder einen Magneten für Freunde der zeitgenössischen Werke im Süden Hamburgs geschaffen.

Kunst-Schmutz (Foto: Tom Köhler, Hamburg) Kunst-Schmutz *1 (Foto: Tom Köhler)

Das katholische Cusanuswerk lud 36 junge Künstler aus alle Teilen des Landes ein, sich mit ihren Werken für ein Stipendium zu bewerben. Sie treten mit ihrer Kunst bis zum 20. März auf - und gegeneinander an. Sie kuratieren die Ausstellung selbst und wissen, das nur wenige von Ihnen in den Genuss der Förderung kommen. Das Cusanuswerk selbst wurde von seinem Leiter, Prof. Wohlgemuth, vorgestellt. Es ist eines der 11 Begabtenförderungswerke der Bundesrepublik. Begabung, Leistung, Engagement - das fordert das Werk, um zu fördern. Namensgeber ist ein Gelehrter des späten Mittelalters, der sich unversell bildete und mit Leidenschaft Kirche und Gesellschaft gestaltete.

Besucher vor Kunstwerk (Foto: Tom Köhler, Hamburg) Besucher vor Kunstwerk *2 (Foto: Tom Köhler)

Doch sind nicht nur lärmende Installationen zu sehen, sondern auch filigrane oder raumgreifende Werke der jungen Künstler. Bilder verschiedener Stile haben ebenfalls ihren Platz. Wer sich einen Eindruck von jungen zeitgenössischen Künstlern verschaffen möchte, sei auf die Schau verwiesen.

*1 Ohne Titel; Romina Abate, Kassel

*2 Carry me home little bear; Thomas Taube

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Link zur Ausstellung: hier

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In welcher Gesellschaft möchten Sie leben?

Ein Kommentar von Tom T. Köhler

Schlagzeilen heute: +++ Mit 1,54 Promille Alkohol im Blut wurde Margot Käßmann von der Polizei in Hannover gestoppt +++ Der CDU-Landesvorsitzende (NRW) will von den Angebotsbriefen seiner Partei an potenzielle Sponsoren für den Parteitag nichts gewusst haben +++ Rohe Leber, massenhaft Alkohol und bizarre Aufnahmeriten: Der Verteidigungsausschuss muss sich nun mit den Exzessen bei der Bundeswehr beschäftigen +++ Obdachlosenhilfe mit Maserati +++ Lüsterne Katholiken +++

Wie fragte doch eine besorgte Stimme: Und in welcher Gesellschaft möchten Sie leben?
Eine sehr aktuelle, persönliche Frage.

Glaubwürdigkeit von Institutionen, Verbänden und Berufsständen wird allerorten in Frage gestellt. Steuerzahler und Leistungsempfänger werden drangsaliert, ausgequetscht von einer Kaste habgieriger, verlogener und unmoralischer “Leute”. Den Begriff “Mensch” zu verwenden, fällt zunehmend schwer.

Wundern wir uns noch über Wählermüdigkeit, Radikalisierung, Schwarzarbeit, Rückzug ins Private?  Wundern wir uns noch über die Lächerlichkeit der Sonntagsreden und staatstragenden (!) Gesichter?

Alternativen: Glaubwürdigkeit im Tun eines jeden Einzelnen. Ständige Kontrolle  selbstherrlicher Politiker. Ehrbares Handeln und Mitmenschlichkeit jeden Tag und an jedem Ort. Aufdecken von Machenschaften - das Internet ist unser Freund, sagen wir es weiter! Damit wir morgens, halb zehn in Deutschland, mit einem Lächeln in den Spiegel schauen können.

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Medienpreis des Reservistenverbandes ausgeschrieben

Bonn – Unter dem Motto „Demokratie muss wehrhaft sein“ schreibt der Reservistenverband seinen diesjährigen Medienpreis „Goldener Igel“ aus. Bereits zum achten Mal wählt eine Fachjury Beiträge aus Print, Hörfunk und Fernsehen rund um das Themengebiet Bundeswehr oder Reservisten aus, die neben sorgfältiger Deutung von Fakten rund ums Thema auch in Sprache, Stil und Allgemeinverständlichkeit preiswürdig sind.

Der Reservistenverband lobt Preise in Höhe von insgesamt 6.000 Euro aus. Bewerben können sich die Journalisten selbst oder ein Beitrag kann als Empfehlung eingereicht werden. Die Beiträge müssen zwischen September 2008 und dem 30. Juli 2010 in einem Medium veröffentlicht worden sein. Einsendeschluss ist der 31. Juli dieses Jahres.

Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) – kurz Reservistenverband – hat zurzeit mehr als 123.000 Mitglieder. Er betreut im Auftrag der Bundeswehr alle Reservisten Deutschlands. Der Verband versteht sich als Mittler verteidigungs- und sicherheitspolitischer Themen in der Gesellschaft. Er feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Der Medienpreis wird im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten im Herbst in Berlin verliehen.

Weitere Infos zum Medienpreis: Ausschreibung Goldener Igel 2010 als PDF

Kontakt zum Autor: hier

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Europäischer Preis für junge Journalisten 2010

Brüssel – Die Generaldirektion Erweiterung der Europäischen Kommission lobt bereits zum dritten Mal den Europäischen Preis für junge Journalisten aus. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 28. Februar 2010. In den Kategorien Print, Online und Hörfunk können die Nachwuchsjournalisten Beiträge zum Thema EU-Erweiterung oder zum Thema Zukunftsvision für Europa einreichen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen zwischen 17 bis 35 Jahren alt sein und aus einem EU-Mitgliedstaat, einem Kandidaten- bzw.  potenziellem Kandidatenland oder Island stammen. Die 36 nationalen Gewinner werden jeweils von einer offiziellen Jury des entsprechenden Teilnehmerlandes gewählt. Unter diesen Gewinnern wird eine europäische Jury anschließend die drei besten Beiträge in folgenden Kategorien auswählen: „Originellster Beitrag“, „Beste Recherche“ und „Bester journalistischer Stil“.

Die Gewinner dieser drei Ehrenpreise werden jeweils mit einer Kulturreise in eine europäische Hauptstadt ihrer Wahl belohnt. Darüber hinaus gewinnen alle 36 nationalen Preisträgerinnen und Preisträger im Mai 2010 eine Reise nach Istanbul, eine der europäischen Kulturhauptstädte 2010. Den Abschluss dieser Reise bildet eine Konferenz über die europäische Kultur und Identität sowie die EU-Erweiterung mit namhaften Experten. Nähere Informationen über die Teilnahme am Wettbewerb erhalten Sie hier

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Deutschland feiert den 100. Geburtstag der STVO

Hamburg: - Wenn das Kraftfahrzeug bei Straßenbenutzung den Einfädelungsstreifen oder das Straßenbegleitgrün zum Liegenbleiben widerrechtlich benutzt, ist das ein Fall für die Polizei - oder für die Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Sie regelt seit dem 03.02.1910 das ordnungsgemäße Benutzen der Fahrbahn. Heute ist sie besser bekannt als STVO.

Jeder Fahrschüler paukt seit 100 Jahren das Regelwerk, ohne dessen Beachtung die derzeit 55 Millionen Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen nicht so einträchtig von A nach B fahren könnten. Das Kraftfahrtbundesamt (kba.de) berichtet von einer hohen Quote der “Durchfaller”. Jeder Vierte versagt in Theorie und / oder Praxis einer Fahrprüfung bundesweit. Hand auf´s Herz: Könnten Sie heute noch problemlos gängige Regeln herbeten? Sicher nicht. Der Durchschnittsstraßenbenutzer fährt mit jahrelanger Praxis - und nach Gefühl. Die STVO ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.

 Raserei im Straßenverkehr Raserei im Strassenverkehr. Foto: Tom T. Köhler

Des Deutschen liebstes Kind, der Personenkraftwagen, macht immerhin einen Anteil von 83 Prozent aller Kraftfahrzeuge aus. Die Kraftfahrzeugführer derselben sollten also ein wenig innehalten und dem Regelwerk, welches sie jeden Tag begleitet, die Ehre erweisen. Und vor allem sollten sie die Grundregeln beherzigen. Sie wissen doch: §1 Abs.1 Satz1 und §1 Abs.2 Satz 1 STVO. Kennen Sie nicht? Hier die Übersetzung: Entspannen Sie sich und lassen Sie den Raseteufel rasen. Es ist sein Baum. Sie kommen hoffentlich gesund und munter an ihr Ziel!

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Deutschland im Visier von Al Kaida

Thema des Abends. Fotograf: Tom Köhler Foto: Themenplakat (Tom T. Köhler)

Hamburg-Mitte - Die Körber-Stiftung lud am 21. Januar zu einem Gespräch mit Guido Steinberg. Er war als Mitarbeiter im Bundeskanzleramt für Fragen der Terrorabwehr zuständig. In der Edition Körber-Stiftung erschien sein Essay „Im Visier von Al Kaida“. Die Resonanz auf die Veranstaltung war sehr groß, die Stuhlreihen im Auditorium bis auf den letzten Platz besetzt.

 Harte Thesen Steinbergs

Die Thesen von Steinberg: „Trotz aller Bemühungen gibt es seit 2001 keine wirksame Schwächung von Al Kaida.“ und „38 deutsche Behörden sind mit der Terrorabwehr beschäftigt, doch sie greifen nicht hart genug durch.“ Laut den Nachrichtendiensten sind aus Deutschland etwa 180 Männer in Sprachkursen und Ausbildungslagern, um ihr teroristisches Handwerk zu erlernen. Seit 2005 beziehungsweise 2006 steigen die Zahlen der Jugendlichen, die sich diesen Organisationen anschließen. Der Krieg im Irak führte zu hohem Rekrutierungspotenzial. Steinberg: „Es sind junge deutsche Türken, Kurden und Afghanen. Die Schulungen und Camps sind hoch mobil, um den Nachforschungen diverser Geheimdienste aus aller Welt zu entgehen“. Finanziert werde die Ausbildung, die Beschaffung von Ausrüstungen und Waffen durch Spenden. Eines stellte Steinberg klar: „Schlechte Integration führt nicht zur Radikalisierung.“ Die Zirkel in Moscheen, die aktiven Gruppen in den islamischen Milieus sind die Sammelbecken für zukünftige Terroristen. Doch gebe es, so Steinberg, kein Profil von Extremisten, so wie noch 2001 bei der sogenannten Hamburger Zelle um Mohamed Atta.

Terrorabwehr und Kompetenzgerangel

Deutschland ist mit seiner Unterstützung Amerikas und Israels sowie durch seinen Einsatz in Afghanistan auf die Liste der Ziele von Terroristen gesetzt worden. Doch: „Deutschland antwortet darauf nicht mit der entsprechenden Politik und Härte“, so Steinberg. Dabei gebe es seit 2004 ein gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin. In diesem werden die Ergebnisse der Aufklärung von relevanten Personengruppen ausgewertet. Die aktuelle Lage wird dort permanent überwacht. Nachteil der Ansammlung unzähliger Behörden und Geheimdienste: Kompetenzgerangel und eine schon sprichwörtliche Antipathie zwischen den Resorts. Sicher rührt die hohe Zahl der beteiligten Beamten aus dem Prinzip des Föderalismus in Deutschland. Die jeweiligen Landesbehörden (Landeskriminal- und Verfassungsschutzämter) entsenden ihre Vertreter neben den Bundesbehörden in das GTAZ.

Roger de Weck im Gespräch mit Guido Steinberg. Fotograf: Tom Köhler Foto: Roger de Weck im Gespräch mit Guido Steinberg (Tom Köhler)

Informanten imEinsatz

Es gibt eine Tendenz der Stärkung der Polizei, die Aufgaben zur Terrorabwehr übernimmt. Das führe zum Verlust der Daseinsberechtigung anderer Behörden. Steinberg sprach in diesem Zusammenhang die Auflösung des Verfassungsschutzes an. Die Anzahl der Informanten der Polizei in der Szene sei hoch, etwas geringer beim Verfassungsschutz und sehr gering beim Bundesnachrichtendienst. Diesen kritisierte Steinberg ob seiner dürftigen Informantenszene in Afghanistan. Da seien andere Geheimdienste deutlich aktiver. Die Koordination der Behörden müsse deshalb umgehend verbessert werden. Als Negativbeispiel nannte Steinberg die mißglückte Befreiung der Geiseln auf dem Schiff Hansa Stavanger.

Keine Alternativen zu härterem Durchgreifen

Steinberg nannte seine Forderung: „Das ist ein politisches Problem, welches langfristig angegangen werden muss.“ Das Ziel müsse es sein, die Terroristen von den Sympathisanten zu isolieren. Auch gebe es keine Alternative zu den deutschen Soldaten in Afghanistan. „Einen Abzugstermin kann auch ich nicht nennen und die Strategie zur Bekämpfung von Aufständen, wie sie von den USA vorgelegt und ungesetzt wird, muss von den Deutschen politisch und mit Härte unterstützt werden. Durch den Abend führte Roger de Weck, Herausgeber des Essays „Im Visier von Al Kaida“.

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Bürgerliche Integration und gesellschaftlicher Ausschluss

Hamburg-Mitte - Ist die bürgerliche Gesellschaft der Maßstab aller Dinge? Können oder müssen sich Gruppen, die diesen Gesellschaftsentwurf ablehnen, sich in diesen Gesellschaftsentwurf integrieren? Ist Bürgerlichkeit die Antwort auf gesellschaftliche Verwerfungen? Die gesellschaftlichen Veränderungen des Bildungssystems, der Stadtentwicklung oder die Gestaltung kultureller Räume sind, so die Theorie, stets Projekte einer bürgerlichen Gesellschaft. Um all diese Dinge ging es am 18. Januar im voll besetzten Saal des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS). Zwei Soziologen gaben  Auskunft: Prof. Heinz Bude, der Gastgeber des Abends, Leiter eines HIS-Arbeitsbereiches und Prof. Joachim Fischer, Soziologe an der Uni Erlangen-Nürnberg.

 Grenzen in der Gesellschaft

Sie ist vorherrschend und, so Bude, es gibt derzeit kaum eine Alternative. Doch sieht er in der bürgerlichen Gesellschaft selbst Grenzen. Dahinter findet man die Ausgeschlossenen, Geduldeten, Irregulären. Die Konflikte zwischen den regulären und geduldeten Gruppen, so seine provokante Aussage, werden durch die europäischen Wohlfahrtsstaaten mit billiger Unterhaltung und schlechtem Essen unterdrückt.

Wissenschaftlicher Exkurs

Fischer beleuchtete in einem Exkurs zur Gesellschaftstheorie den wissenschaftlichen Apparat, die Definitionen und vor allem die teilweise Unfähigkeit der Soziologie, auf gesellschaftliche Ereignisse eine Antwort zu finden. Er bekräftigte die Dominanz und das Fehlen von Alternativen zur bürgerlichen Gesellschaft.

Freundliche Ermahnung

Doch diese, so Bude, sei eine kontingente, also vergängliche Gesellschaft. Der Diskurs zwischen den ausgewiesenen Experten der soziologischen Gesellschaftstheorie glitt leider all zu oft in ein Zwiegespräch ab. Die Zuhörer nutzten in der anschließenden offenen Diskussion die Gelegenheit, intensiver nachzufragen.

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Fotostrecke: Hamburg in Abendfarben

Hamburg – Die Fotostrecke zeigt Hamburg und Umgebung im Morgen- und Abendlicht.

Die acht Fotos der Fotostrecke stammen aus dem Jahr 2009 von Tom Köhler. Sie können bei ihm käuflich erworben werden.

Kontakt zum Fotografen: hier.

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Computer für Bedürftige

Am morgigen Sonnabend findet der Internationale Tag des Ehrenamts statt. Die Vereinten Nationen begehen ihn seit 1986 immer am 5. Dezember. Aus Anlass dieses Tages stellt der Autor eine Initiative aus Rahlstedt vor – die „Hamburger Computer Spende“. Sie gibt komplette Computersysteme kostenlos an Bedürftige weiter. Damit sollen diese Menschen auf dem Stand der Zeit bleiben und sich besser Arbeit suchen können.

Horst Matzen in seiner PC-Werkstatt des Vereins Hamburger Computer Spende. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Horst Matzen in seiner Büro-Werkstatt in der heimischen Wohnung. (Thomas Köhler)

Hamburg-Rahlstedt – Es ist ein regnerischer Abend, „bestes Hamburger Schmuddelwetter“, nennen das die Hanseaten von der Elbe. Ein Hochhaus in Rahlstedt steht etwas verloren zwischen mehreren Viergeschossern. Ein junger Mann betritt das Haus, fährt im Fahrstuhl nach oben. Er trägt eine Tasche bei sich, sucht eine Tür, die Wohnungstür der Familie Matzen. Er findet sie schnell, denn sie ist eingerahmt von Computergehäusen mit der Aufschrift Schrott, und ein bemaltes Waschbrett verkündet, wer hier wohnt.

Horst Matzen, der Hausherr öffnet, begrüßt den Mann. Sie beschauen sich gemeinsam den Inhalt der mitgebrachten Tasche: Ein Notebook, diverse Computerprogramme, Kabel, Computermaus, Bedienungsanleitung – schöne Bereicherung für die Sammlung von Horst Matzen. Er betreibt die „Hamburger Computer Spende“, vormals „Hamburger Computer Tafel“. Der gemeinnützige Verein versorgt Menschen, die es sich nicht leisten können, mit einer kompletten Computeranlage, inklusive Drucker und Lautsprechern, zum Nulltarif. Die Geräte stammen aus Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Horst Matzen (57) repariert die Geräte, rüstet sie auf, macht sie WindowsXP-fähig und gibt sie auf Antrag an Bedürftige ab. Seine Ehefrau Angelika (52) verwaltet die Anträge, managt den Papierkram.

Trotz eigener Bedürftigkeit Hilfe für andere Menschen

Der junge Spender wird nach der Übergabe der Geräte mit freundlichen Worten verabschiedet, das Notebook und die anderen Mitbringsel werden von Matzens erst einmal im Flur abgestellt – auf einer Galerie von Computern. Überall in der Wohnung wartet Technik darauf, instand gesetzt zu werden. Trotz der Platznot in ihrer Wohnung haben sich die Matzens ihr sonniges Gemüt erhalten. Sie sind gastfreundlich, bitten Besucher in die Stube. Sie erzählen ihre Geschichte, ihre Geschichte von Hartz-IV. Denn sie leben selbst von dieser staatlichen Transferleistung, dem Schreckgespenst des Bürgertums. „Vor zwei Jahren haben wir uns entschlossen, das zu machen. Wir nehmen gebrauchte PCs aus der Bevölkerung an, machen sie XP-fähig.“ Die Bemühungen der Familie führten zu einem eingetragenen Verein, der betreibt die „Hamburger Computer Spende“. Horst Matzen: „Unsere Arbeit hat sich inzwischen überall herumgesprochen. Inzwischen haben wir 120 Menschen auf unserer Warteliste“. Sogar in der guten Stube stehen neben dem Fernseher Computer. Das Paradies für Technik-Freaks, wird zum Platzproblem. „Die Spendenbereitschaft der Hamburger ist enorm. 90 Geräte müssen noch nachgeschaut werden. Jeden Tag werden es mehr. Eine Hamburger Firma hat uns auf einen Schlag 80 PCs zur Verfügung gestellt und versprochen, dass immer wieder welche nachkommen“.

Computerstapel in der Wohnung von Horst Matzen. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Die Computer stapeln sich in der kleinen Wohnung. (Thomas Köhler)

Entsorgung ein Problem

Inzwischen hat der Verein bei einem befreundeten Handwerker einen Kellerraum angemietet, um die vielen Geräte überhaupt unterzubringen. Horst Matzen ist umtriebig, hat sich an eine große Wohnungsgesellschaft gewandt und um Unterstützung gebeten. Denn es sind nicht nur die Räumlichkeiten für die Lagerung, sondern auch für die Schulung nötig. Der Verein bietet seinen Mitgliedern Kurse an, die dazu dienen, sich in der für sie gewöhnungsbedürftigen Materie Computer und Internet besser zurechtzufinden. „Die Bedürftigen müssen nicht Mitglied des Vereines sein, wir Verlangen nur den Nachweis der Bedürftigkeit – also den Hartz-IV-Bescheid zum Beispiel“, so Matzen. „Wer möchte, kann gern für zwei Euro im Monat Mitglied werden. Dann besteht auch die Möglichkeit, unter Anleitung seinen PC selbst zu reparieren“. Der Platzmangel, so Familie Matzen, rührt auch aus einem anderen Grund. Durch die große Anzahl an auseinandergenommenen Geräten ist ihm eine private Entsorgung in Recyclinghöfen problematisch.

Ausweitung nach Kiel geplant

Zwischen den aufgetürmten Gehäusen spazieren Kater und Katze. Das Büro, das auch Werkstatt ist, ist vollgestopft mit Technik und Ordnern. Zwei Arbeitsplätze mit Computern und Regale mit ungezählten ausgebauten Komponenten. Ein mehrtüriger Schrank bewahrt die kostbaren Ersatzteile in Kisten und Schachteln auf. Horst Matzen kann sich genau genommen nicht richtig rühren. Es ist ein Wunder, auf welch geringer Fläche dort gearbeitet wird. Die Matzens wollen diese Art der Hilfe für Bedürftige auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen. Eine Kieler Vertretung ist schon in Planung. Tochter und Schwiegersohn sollen die dortigen Bedürftigen der Stadt und Umgebung mit den aufgerüsteten und reparierten Geräten versorgen.

Wissen selbst angeeignet

Matzen ist in Sachen Computerreparatur ein Quereinsteiger, eigentlich ist er gelernter Sanitärinstallateur von Beruf. Sein erster PC gab prompt nach Ablauf der Garantie den Geist auf. Eine Woche, so Matzen, habe er nach der Ursache gesucht – und sie gefunden. Das war der Anfang seiner Leidenschaft für Bits und Bytes. Damals, in den 1980er Jahren, besaß er noch einen C 64, der erste Mode-PC für daheim. „Wenn ich heute wieder so einen bekäme, wäre ich sehr froh“, sagt er mit etwas Wehmut. Sein heutiges Wissen hat er sich über die Jahre selbst angeeignet – ist „firm bei Hard- und Software“, sagt er. Und all seine Arbeit werde entschädigt, wenn er und seine Frau in die leuchtenden Augen der Empfänger der Computer schauen können. Doch die Wartelisten seien inzwischen lang. Ein Viertel Jahr Wartezeit müssten die Interessenten aufbringen. Deshalb könnte Matzen noch jemanden gebrauchen, der sich um die peripheren Aufgaben kümmert. Doch es gibt bisher niemanden, der sich intensiv für andere einbringen möchte.

Karen F. aus Norderstedt an ihrem PC, den sie von Horst Matzen bekommen hat. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Karen F. hat einen neuwertigen PC von Horst Matzen erhalten. (Thomas Köhler)

Dank Internet mehr Chancen bei der Arbeitssuche

Eine der Beschenkten ist Karen F. aus Norderstedt. In einem kleinen Zimmer ihrer Wohnung steht die Anlage des Vereins aus Rahlstedt. „Ich sah den Aushang beim Amt“, so die Hartz-IV-Empfängerin, „und hab’ da angerufen. Ich konnte gar nicht glauben, dass es die Computer kostenlos gibt.“. Sie trinkt einen Kaffee und freut sich, dass es Menschen wie die Matzens mit ihrem Verein gibt. Ihre Kinder sind fast alle aus dem Haus, nur der Jüngste ist noch bei ihr. Das hat Konsequenzen. Sie muss sich nun eine kleinere Wohnung suchen und Arbeit suchen. „Wo kann man da besser gucken, als im Internet?“, sagt sie. „Deshalb hab’ ich mich so gefreut, als Herr Matzen schon drei Wochen nach meiner Anfrage anrief.“ Dann musste sie eine Transportgelegenheit organisieren, um die Geräte nach Hause zu bringen. Nun steht eine moderne Anlage bei Familie F. – dank der Bemühungen der rührigen Familie Matzen, die trotz eigener Not für andere Menschen da ist – ehrenamtlich.

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Busch-Ausstellung eröffnet

Busch-Illustration, Fotograf: Thomas Köhler, Hamburg Foto: Illustration von Wilhelm M. Busch (Thomas Köhler)

Hamburg-Bergedorf – Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Wilhelm Martin Busch ist gestern im Bergedorfer Schloss von Museumsleiter Dr. Olaf Matthes eröffnet worden. Noch bis zum 28. Februar können in der Schau die Werke des Hamburger Illustrators, Zeichners und Lehrers, der 1987 verstarb, besichtigt werden. Die Ausstellung ist eine umfangreiche Schau aus verschiedenen Schaffensperioden Buschs. Skizzen, farbige Szenen aus dem Leben sowie Porträts von bekannten Personen, wie dem Clown Charles Rivel, spannen einen großen Bogen. Die Retrospektive ist Höhepunkt einer Ausstellungsreise seiner zahllosen Zeichnungen im nord- und mitteldeutschen Raum.

Vor der Eröffnung am Donnerstagabend sorgte die Entdeckung einer aufmerksamen Kunstkennerin für Heiterkeit. Sie wies darauf hin, dass ein Bild aus dem Zyklus Stierkampf in der Ausstellung verkehrt herum hing. Die Schwerelosigkeit des Bildes lies allerdings durchaus diese Interpretation zu. Die Aussteller behoben den Fehler umgehend.

Stierkampf von Wilhelm M. Busch verkehrt herum, Fotograf: Thomas Köhler   Stierkampf von Wilhelm M. Busch richtig herum, Fotograf: Thomas Köhler Stierkampf von Wilhelm M. Busch, links: verkehrt, rechts: richtig. (Thomas Köhler)

Busch war sorgender Lehrmeister

Gudrun Hildebrandt, Textilrestauratorin am Museum für Hamburgische Geschichte, ließ die Anwesenden in einer kurzen Rückschau an ihren Erlebnissen mit dem Künstler teilhaben. Als Studentin lernte sie Busch Anfang der 1970er Jahre kennen, lobte den Menschen Wilhelm M. Busch. Doch nicht nur zu seinen Schülern, auch zu seinen Modellen habe er ein inniges Verhältnis gepflegt. „Haste auch warm genug?“, zitierte Hildebrandt den stark berlinernden Busch, der sich um ein damals anwesendes Aktmodell sorgte. Busch sei immer auch der fordernde Lehrer gewesen, der seine Studenten zu genauem Hinsehen anhielt. Er monierte den Erfinder des Radiergummis. Der, so Hildebrandt, gehöre erschossen, seien starke Worte Buschs gewesen, der sich ansonsten liebevoll und geduldig bemühte, aus seinen Schülern präzise Beobachter zu machen.

Clownzeichnung von Wilhelm M. Busch, Fotograf: Thomas Köhler  Foto: Clownzeichnung von Wilhelm M. Busch (Thomas Köhler)

Menschen haben in Buschs Zeichnungen die Hauptrolle

Professor Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen aus Kassel berichtete von seinem Freund: „Busch kam aus einer Epoche in der die bildende Kunst allen Ansprüchen genügen musste. Menschen hatten in seinen Zeichnungen und Skizzen immer die Hauptrolle inne. Busch unterstellte der menschlichen Natur nie etwas Schlechtes.“ Der Zeichner habe trotz seiner fortschreitenden Gebrechlichkeit bis ins hohe Alter alle Aufträge bereitwillig angenommen, erledigte sie stets mit höchster Aufmerksamkeit. Er erfüllte, so Küster, „die noble Aufgabe der Illustration stets gewissenhaft“. Dabei habe Busch in seinem viel zu kleinen Arbeitszimmer über der Elbe am Süllberg in Hamburg-Blankenese rauchend an seinen Zeichnungen und Skizzen gearbeitet.

Ermöglicht hat diese Ausstellung maßgeblich das Wilhelm-M-Busch-Archiv, ansässig in Hamburg-Wandsbek. Dessen Leiterin Ursula Müller stellte eine Auswahl aus mittlerweile über 40.000 Zeichnungen und Skizzen zur Verfügung. Geöffnet ist die Retrospektive außer montags und freitags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

Zum Internetauftritt des Wilhelm-M-Busch-Archivs: hier.

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