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Deutschland feiert den 100. Geburtstag der STVO

Hamburg: - Wenn das Kraftfahrzeug bei Straßenbenutzung den Einfädelungsstreifen oder das Straßenbegleitgrün zum Liegenbleiben widerrechtlich benutzt, ist das ein Fall für die Polizei - oder für die Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Sie regelt seit dem 03.02.1910 das ordnungsgemäße Benutzen der Fahrbahn. Heute ist sie besser bekannt als STVO.

Jeder Fahrschüler paukt seit 100 Jahren das Regelwerk, ohne dessen Beachtung die derzeit 55 Millionen Fahrzeuge auf bundesdeutschen Straßen nicht so einträchtig von A nach B fahren könnten. Das Kraftfahrtbundesamt (kba.de) berichtet von einer hohen Quote der “Durchfaller”. Jeder Vierte versagt in Theorie und / oder Praxis einer Fahrprüfung bundesweit. Hand auf´s Herz: Könnten Sie heute noch problemlos gängige Regeln herbeten? Sicher nicht. Der Durchschnittsstraßenbenutzer fährt mit jahrelanger Praxis - und nach Gefühl. Die STVO ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.

 Raserei im Straßenverkehr Raserei im Strassenverkehr. Foto: Tom Köhler

Des Deutschen liebstes Kind, der Personenkraftwagen, macht immerhin einen Anteil von 83 Prozent aller Kraftfahrzeuge aus. Die Kraftfahrzeugführer derselben sollten also ein wenig innehalten und dem Regelwerk, welches sie jeden Tag begleitet, die Ehre erweisen. Und vor allem sollten sie die Grundregeln beherzigen. Sie wissen doch: §1 Abs.1 Satz1 und §1 Abs.2 Satz 1 STVO. Kennen Sie nicht? Hier die Übersetzung: Entspannen Sie sich und lassen Sie den Raseteufel rasen. Es ist sein Baum. Sie kommen hoffentlich gesund und munter an ihr Ziel!

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Deutschland im Visier von Al Kaida

Thema des Abends. Fotograf: Tom Köhler Foto: Themenplakat (Tom Köhler)

Hamburg-Mitte - Die Körber-Stiftung lud am 21. Januar zu einem Gespräch mit Guido Steinberg. Er war als Mitarbeiter im Bundeskanzleramt für Fragen der Terrorabwehr zuständig. In der Edition Körber-Stiftung erschien sein Essay „Im Visier von Al Kaida“. Die Resonanz auf die Veranstaltung war sehr groß, die Stuhlreihen im Auditorium bis auf den letzten Platz besetzt.

 Harte Thesen Steinbergs

Die Thesen von Steinberg: „Trotz aller Bemühungen gibt es seit 2001 keine wirksame Schwächung von Al Kaida.“ und „38 deutsche Behörden sind mit der Terrorabwehr beschäftigt, doch sie greifen nicht hart genug durch.“ Laut den Nachrichtendiensten sind aus Deutschland etwa 180 Männer in Sprachkursen und Ausbildungslagern, um ihr teroristisches Handwerk zu erlernen. Seit 2005 beziehungsweise 2006 steigen die Zahlen der Jugendlichen, die sich diesen Organisationen anschließen. Der Krieg im Irak führte zu hohem Rekrutierungspotenzial. Steinberg: „Es sind junge deutsche Türken, Kurden und Afghanen. Die Schulungen und Camps sind hoch mobil, um den Nachforschungen diverser Geheimdienste aus aller Welt zu entgehen“. Finanziert werde die Ausbildung, die Beschaffung von Ausrüstungen und Waffen durch Spenden. Eines stellte Steinberg klar: „Schlechte Integration führt nicht zur Radikalisierung.“ Die Zirkel in Moscheen, die aktiven Gruppen in den islamischen Milieus sind die Sammelbecken für zukünftige Terroristen. Doch gebe es, so Steinberg, kein Profil von Extremisten, so wie noch 2001 bei der sogenannten Hamburger Zelle um Mohamed Atta.

Terrorabwehr und Kompetenzgerangel

Deutschland ist mit seiner Unterstützung Amerikas und Israels sowie durch seinen Einsatz in Afghanistan auf die Liste der Ziele von Terroristen gesetzt worden. Doch: „Deutschland antwortet darauf nicht mit der entsprechenden Politik und Härte“, so Steinberg. Dabei gebe es seit 2004 ein gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin. In diesem werden die Ergebnisse der Aufklärung von relevanten Personengruppen ausgewertet. Die aktuelle Lage wird dort permanent überwacht. Nachteil der Ansammlung unzähliger Behörden und Geheimdienste: Kompetenzgerangel und eine schon sprichwörtliche Antipathie zwischen den Resorts. Sicher rührt die hohe Zahl der beteiligten Beamten aus dem Prinzip des Föderalismus in Deutschland. Die jeweiligen Landesbehörden (Landeskriminal- und Verfassungsschutzämter) entsenden ihre Vertreter neben den Bundesbehörden in das GTAZ.

Roger de Weck im Gespräch mit Guido Steinberg. Fotograf: Tom Köhler Foto: Roger de Weck im Gespräch mit Guido Steinberg (Tom Köhler)

Informanten imEinsatz

Es gibt eine Tendenz der Stärkung der Polizei, die Aufgaben zur Terrorabwehr übernimmt. Das führe zum Verlust der Daseinsberechtigung anderer Behörden. Steinberg sprach in diesem Zusammenhang die Auflösung des Verfassungsschutzes an. Die Anzahl der Informanten der Polizei in der Szene sei hoch, etwas geringer beim Verfassungsschutz und sehr gering beim Bundesnachrichtendienst. Diesen kritisierte Steinberg ob seiner dürftigen Informantenszene in Afghanistan. Da seien andere Geheimdienste deutlich aktiver. Die Koordination der Behörden müsse deshalb umgehend verbessert werden. Als Negativbeispiel nannte Steinberg die mißglückte Befreiung der Geiseln auf dem Schiff Hansa Stavanger.

Keine Alternativen zu härterem Durchgreifen

Steinberg nannte seine Forderung: „Das ist ein politisches Problem, welches langfristig angegangen werden muss.“ Das Ziel müsse es sein, die Terroristen von den Sympathisanten zu isolieren. Auch gebe es keine Alternative zu den deutschen Soldaten in Afghanistan. „Einen Abzugstermin kann auch ich nicht nennen und die Strategie zur Bekämpfung von Aufständen, wie sie von den USA vorgelegt und ungesetzt wird, muss von den Deutschen politisch und mit Härte unterstützt werden. Durch den Abend führte Roger de Weck, Herausgeber des Essays „Im Visier von Al Kaida“. 

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Bürgerliche Integration und gesellschaftlicher Ausschluss

Hamburg-Mitte - Ist die bürgerliche Gesellschaft der Maßstab aller Dinge? Können oder müssen sich Gruppen, die diesen Gesellschaftsentwurf ablehnen, sich in diesen Gesellschaftsentwurf integrieren? Ist Bürgerlichkeit die Antwort auf gesellschaftliche Verwerfungen? Die gesellschaftlichen Veränderungen des Bildungssystems, der Stadtentwicklung oder die Gestaltung kultureller Räume sind, so die Theorie, stets Projekte einer bürgerlichen Gesellschaft. Um all diese Dinge ging es am 18. Januar im voll besetzten Saal des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS). Zwei Soziologen gaben  Auskunft: Prof. Heinz Bude, der Gastgeber des Abends, Leiter eines HIS-Arbeitsbereiches und Prof. Joachim Fischer, Soziologe an der Uni Erlangen-Nürnberg.

 Grenzen in der Gesellschaft

Sie ist vorherrschend und, so Bude, es gibt derzeit kaum eine Alternative. Doch sieht er in der bürgerlichen Gesellschaft selbst Grenzen. Dahinter findet man die Ausgeschlossenen, Geduldeten, Irregulären. Die Konflikte zwischen den regulären und geduldeten Gruppen, so seine provokante Aussage, werden durch die europäischen Wohlfahrtsstaaten mit billiger Unterhaltung und schlechtem Essen unterdrückt.

Wissenschaftlicher Exkurs

Fischer beleuchtete in einem Exkurs zur Gesellschaftstheorie den wissenschaftlichen Apparat, die Definitionen und vor allem die teilweise Unfähigkeit der Soziologie, auf gesellschaftliche Ereignisse eine Antwort zu finden. Er bekräftigte die Dominanz und das Fehlen von Alternativen zur bürgerlichen Gesellschaft.

Freundliche Ermahnung

Doch diese, so Bude, sei eine kontingente, also vergängliche Gesellschaft. Der Diskurs zwischen den ausgewiesenen Experten der soziologischen Gesellschaftstheorie glitt leider all zu oft in ein Zwiegespräch ab. Die Zuhörer nutzten in der anschließenden offenen Diskussion die Gelegenheit, intensiver nachzufragen.

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Fotostrecke: Hamburg in Abendfarben

Hamburg – Die Fotostrecke zeigt Hamburg und Umgebung im Morgen- und Abendlicht.

Die acht Fotos der Fotostrecke stammen aus dem Jahr 2009 von Tom Köhler. Sie können bei ihm käuflich erworben werden.

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Computer für Bedürftige

Am morgigen Sonnabend findet der Internationale Tag des Ehrenamts statt. Die Vereinten Nationen begehen ihn seit 1986 immer am 5. Dezember. Aus Anlass dieses Tages stellt der Autor eine Initiative aus Rahlstedt vor – die „Hamburger Computer Spende“. Sie gibt komplette Computersysteme kostenlos an Bedürftige weiter. Damit sollen diese Menschen auf dem Stand der Zeit bleiben und sich besser Arbeit suchen können.

Horst Matzen in seiner PC-Werkstatt des Vereins Hamburger Computer Spende. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Horst Matzen in seiner Büro-Werkstatt in der heimischen Wohnung. (Thomas Köhler)

Hamburg-Rahlstedt – Es ist ein regnerischer Abend, „bestes Hamburger Schmuddelwetter“, nennen das die Hanseaten von der Elbe. Ein Hochhaus in Rahlstedt steht etwas verloren zwischen mehreren Viergeschossern. Ein junger Mann betritt das Haus, fährt im Fahrstuhl nach oben. Er trägt eine Tasche bei sich, sucht eine Tür, die Wohnungstür der Familie Matzen. Er findet sie schnell, denn sie ist eingerahmt von Computergehäusen mit der Aufschrift Schrott, und ein bemaltes Waschbrett verkündet, wer hier wohnt.

Horst Matzen, der Hausherr öffnet, begrüßt den Mann. Sie beschauen sich gemeinsam den Inhalt der mitgebrachten Tasche: Ein Notebook, diverse Computerprogramme, Kabel, Computermaus, Bedienungsanleitung – schöne Bereicherung für die Sammlung von Horst Matzen. Er betreibt die „Hamburger Computer Spende“, vormals „Hamburger Computer Tafel“. Der gemeinnützige Verein versorgt Menschen, die es sich nicht leisten können, mit einer kompletten Computeranlage, inklusive Drucker und Lautsprechern, zum Nulltarif. Die Geräte stammen aus Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Horst Matzen (57) repariert die Geräte, rüstet sie auf, macht sie WindowsXP-fähig und gibt sie auf Antrag an Bedürftige ab. Seine Ehefrau Angelika (52) verwaltet die Anträge, managt den Papierkram.

Trotz eigener Bedürftigkeit Hilfe für andere Menschen

Der junge Spender wird nach der Übergabe der Geräte mit freundlichen Worten verabschiedet, das Notebook und die anderen Mitbringsel werden von Matzens erst einmal im Flur abgestellt – auf einer Galerie von Computern. Überall in der Wohnung wartet Technik darauf, instand gesetzt zu werden. Trotz der Platznot in ihrer Wohnung haben sich die Matzens ihr sonniges Gemüt erhalten. Sie sind gastfreundlich, bitten Besucher in die Stube. Sie erzählen ihre Geschichte, ihre Geschichte von Hartz-IV. Denn sie leben selbst von dieser staatlichen Transferleistung, dem Schreckgespenst des Bürgertums. „Vor zwei Jahren haben wir uns entschlossen, das zu machen. Wir nehmen gebrauchte PCs aus der Bevölkerung an, machen sie XP-fähig.“ Die Bemühungen der Familie führten zu einem eingetragenen Verein, der betreibt die „Hamburger Computer Spende“. Horst Matzen: „Unsere Arbeit hat sich inzwischen überall herumgesprochen. Inzwischen haben wir 120 Menschen auf unserer Warteliste“. Sogar in der guten Stube stehen neben dem Fernseher Computer. Das Paradies für Technik-Freaks, wird zum Platzproblem. „Die Spendenbereitschaft der Hamburger ist enorm. 90 Geräte müssen noch nachgeschaut werden. Jeden Tag werden es mehr. Eine Hamburger Firma hat uns auf einen Schlag 80 PCs zur Verfügung gestellt und versprochen, dass immer wieder welche nachkommen“.

Computerstapel in der Wohnung von Horst Matzen. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Die Computer stapeln sich in der kleinen Wohnung. (Thomas Köhler)

Entsorgung ein Problem

Inzwischen hat der Verein bei einem befreundeten Handwerker einen Kellerraum angemietet, um die vielen Geräte überhaupt unterzubringen. Horst Matzen ist umtriebig, hat sich an eine große Wohnungsgesellschaft gewandt und um Unterstützung gebeten. Denn es sind nicht nur die Räumlichkeiten für die Lagerung, sondern auch für die Schulung nötig. Der Verein bietet seinen Mitgliedern Kurse an, die dazu dienen, sich in der für sie gewöhnungsbedürftigen Materie Computer und Internet besser zurechtzufinden. „Die Bedürftigen müssen nicht Mitglied des Vereines sein, wir Verlangen nur den Nachweis der Bedürftigkeit – also den Hartz-IV-Bescheid zum Beispiel“, so Matzen. „Wer möchte, kann gern für zwei Euro im Monat Mitglied werden. Dann besteht auch die Möglichkeit, unter Anleitung seinen PC selbst zu reparieren“. Der Platzmangel, so Familie Matzen, rührt auch aus einem anderen Grund. Durch die große Anzahl an auseinandergenommenen Geräten ist ihm eine private Entsorgung in Recyclinghöfen problematisch.

Ausweitung nach Kiel geplant

Zwischen den aufgetürmten Gehäusen spazieren Kater und Katze. Das Büro, das auch Werkstatt ist, ist vollgestopft mit Technik und Ordnern. Zwei Arbeitsplätze mit Computern und Regale mit ungezählten ausgebauten Komponenten. Ein mehrtüriger Schrank bewahrt die kostbaren Ersatzteile in Kisten und Schachteln auf. Horst Matzen kann sich genau genommen nicht richtig rühren. Es ist ein Wunder, auf welch geringer Fläche dort gearbeitet wird. Die Matzens wollen diese Art der Hilfe für Bedürftige auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen. Eine Kieler Vertretung ist schon in Planung. Tochter und Schwiegersohn sollen die dortigen Bedürftigen der Stadt und Umgebung mit den aufgerüsteten und reparierten Geräten versorgen.

Wissen selbst angeeignet

Matzen ist in Sachen Computerreparatur ein Quereinsteiger, eigentlich ist er gelernter Sanitärinstallateur von Beruf. Sein erster PC gab prompt nach Ablauf der Garantie den Geist auf. Eine Woche, so Matzen, habe er nach der Ursache gesucht – und sie gefunden. Das war der Anfang seiner Leidenschaft für Bits und Bytes. Damals, in den 1980er Jahren, besaß er noch einen C 64, der erste Mode-PC für daheim. „Wenn ich heute wieder so einen bekäme, wäre ich sehr froh“, sagt er mit etwas Wehmut. Sein heutiges Wissen hat er sich über die Jahre selbst angeeignet – ist „firm bei Hard- und Software“, sagt er. Und all seine Arbeit werde entschädigt, wenn er und seine Frau in die leuchtenden Augen der Empfänger der Computer schauen können. Doch die Wartelisten seien inzwischen lang. Ein Viertel Jahr Wartezeit müssten die Interessenten aufbringen. Deshalb könnte Matzen noch jemanden gebrauchen, der sich um die peripheren Aufgaben kümmert. Doch es gibt bisher niemanden, der sich intensiv für andere einbringen möchte.

Karen F. aus Norderstedt an ihrem PC, den sie von Horst Matzen bekommen hat. Fotograf: Thomas Köhler Foto: Karen F. hat einen neuwertigen PC von Horst Matzen erhalten. (Thomas Köhler)

Dank Internet mehr Chancen bei der Arbeitssuche

Eine der Beschenkten ist Karen F. aus Norderstedt. In einem kleinen Zimmer ihrer Wohnung steht die Anlage des Vereins aus Rahlstedt. „Ich sah den Aushang beim Amt“, so die Hartz-IV-Empfängerin, „und hab’ da angerufen. Ich konnte gar nicht glauben, dass es die Computer kostenlos gibt.“. Sie trinkt einen Kaffee und freut sich, dass es Menschen wie die Matzens mit ihrem Verein gibt. Ihre Kinder sind fast alle aus dem Haus, nur der Jüngste ist noch bei ihr. Das hat Konsequenzen. Sie muss sich nun eine kleinere Wohnung suchen und Arbeit suchen. „Wo kann man da besser gucken, als im Internet?“, sagt sie. „Deshalb hab’ ich mich so gefreut, als Herr Matzen schon drei Wochen nach meiner Anfrage anrief.“ Dann musste sie eine Transportgelegenheit organisieren, um die Geräte nach Hause zu bringen. Nun steht eine moderne Anlage bei Familie F. – dank der Bemühungen der rührigen Familie Matzen, die trotz eigener Not für andere Menschen da ist – ehrenamtlich.

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Busch-Ausstellung eröffnet

Busch-Illustration, Fotograf: Thomas Köhler, Hamburg Foto: Illustration von Wilhelm M. Busch (Thomas Köhler)

Hamburg-Bergedorf – Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag von Wilhelm Martin Busch ist gestern im Bergedorfer Schloss von Museumsleiter Dr. Olaf Matthes eröffnet worden. Noch bis zum 28. Februar können in der Schau die Werke des Hamburger Illustrators, Zeichners und Lehrers, der 1987 verstarb, besichtigt werden. Die Ausstellung ist eine umfangreiche Schau aus verschiedenen Schaffensperioden Buschs. Skizzen, farbige Szenen aus dem Leben sowie Porträts von bekannten Personen, wie dem Clown Charles Rivel, spannen einen großen Bogen. Die Retrospektive ist Höhepunkt einer Ausstellungsreise seiner zahllosen Zeichnungen im nord- und mitteldeutschen Raum.

Vor der Eröffnung am Donnerstagabend sorgte die Entdeckung einer aufmerksamen Kunstkennerin für Heiterkeit. Sie wies darauf hin, dass ein Bild aus dem Zyklus Stierkampf in der Ausstellung verkehrt herum hing. Die Schwerelosigkeit des Bildes lies allerdings durchaus diese Interpretation zu. Die Aussteller behoben den Fehler umgehend.

Stierkampf von Wilhelm M. Busch verkehrt herum, Fotograf: Thomas Köhler   Stierkampf von Wilhelm M. Busch richtig herum, Fotograf: Thomas Köhler Stierkampf von Wilhelm M. Busch, links: verkehrt, rechts: richtig. (Thomas Köhler)

Busch war sorgender Lehrmeister

Gudrun Hildebrandt, Textilrestauratorin am Museum für Hamburgische Geschichte, ließ die Anwesenden in einer kurzen Rückschau an ihren Erlebnissen mit dem Künstler teilhaben. Als Studentin lernte sie Busch Anfang der 1970er Jahre kennen, lobte den Menschen Wilhelm M. Busch. Doch nicht nur zu seinen Schülern, auch zu seinen Modellen habe er ein inniges Verhältnis gepflegt. „Haste auch warm genug?“, zitierte Hildebrandt den stark berlinernden Busch, der sich um ein damals anwesendes Aktmodell sorgte. Busch sei immer auch der fordernde Lehrer gewesen, der seine Studenten zu genauem Hinsehen anhielt. Er monierte den Erfinder des Radiergummis. Der, so Hildebrandt, gehöre erschossen, seien starke Worte Buschs gewesen, der sich ansonsten liebevoll und geduldig bemühte, aus seinen Schülern präzise Beobachter zu machen.

Clownzeichnung von Wilhelm M. Busch, Fotograf: Thomas Köhler  Foto: Clownzeichnung von Wilhelm M. Busch (Thomas Köhler)

Menschen haben in Buschs Zeichnungen die Hauptrolle

Professor Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen aus Kassel berichtete von seinem Freund: „Busch kam aus einer Epoche in der die bildende Kunst allen Ansprüchen genügen musste. Menschen hatten in seinen Zeichnungen und Skizzen immer die Hauptrolle inne. Busch unterstellte der menschlichen Natur nie etwas Schlechtes.“ Der Zeichner habe trotz seiner fortschreitenden Gebrechlichkeit bis ins hohe Alter alle Aufträge bereitwillig angenommen, erledigte sie stets mit höchster Aufmerksamkeit. Er erfüllte, so Küster, „die noble Aufgabe der Illustration stets gewissenhaft“. Dabei habe Busch in seinem viel zu kleinen Arbeitszimmer über der Elbe am Süllberg in Hamburg-Blankenese rauchend an seinen Zeichnungen und Skizzen gearbeitet.

Ermöglicht hat diese Ausstellung maßgeblich das Wilhelm-M-Busch-Archiv, ansässig in Hamburg-Wandsbek. Dessen Leiterin Ursula Müller stellte eine Auswahl aus mittlerweile über 40.000 Zeichnungen und Skizzen zur Verfügung. Geöffnet ist die Retrospektive außer montags und freitags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

Zum Internetauftritt des Wilhelm-M-Busch-Archivs: hier.

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Fotos: Schwedisches Königspaar besuchte Hamburg

Hamburg – Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Schwedischen Handelskammer in Deutschland besuchte das schwedische Königspaar die Hansestadt. Zum Gala-Dinner im Hamburger Grand Elysee Hotel empfing der erste Mann der Stadt, Ole von Beust, König Carl-Gustav und Königin Silvia.

Die drei Fotos der Fotostrecke stammen von Marcus Schmidt. Sie können bei ihm käuflich erworben werden.

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Die eigene Geschichte erkunden

Dieter Thiele zeigt in der Barmbeker Geschichtswerkstatt Kraniche, Arbeiterkämpfe und das Überleben von jüdischen Mitbürgern des Stadtteils.

Dieter Thiele am Schreibtisch. Fotografin: Frauke Franckenstein Foto: Dieter Thiele zeigt ein SPD-Wahlplakat von 1946. (Frauke Franckenstein)

Hamburg-Barmbek – Manchmal sind es kleine Dinge wie ein Metallkästchen, die ein Schlaglicht auf Dieter Thieles Arbeit werfen. Ein Kästchen, das das Unausgesprochene in einer Familie im Hamburger Stadtteil Barmbek symbolisiert. Dieter Thiele sitzt am Tisch der Geschichtswerkstatt Barmbek, Ecke Wiesendamm/Hufnerstraße. Das Mobiliar ist alt und spartanisch, aber das spielt keine Rolle hier. Viel wichtiger sind die Bücher und Schriftstücke, die Fotos und Bildtafeln. Und, im Nebenzimmer der ehemaligen Konditorei, die Handwerkszeuge, die zur anschaulichen Darstellung von Barmbeker Alltagsexistenzen führen: Tonbandgeräte, Fotokameras, Computer.

Erinnerungen einer Jüdin in einem Kästchen

“Die Geschichte mit dem Kästchen hat mich sehr berührt”, erinnert sich Dieter Thiele. Darin hatte eine alte Barmbeker Jüdin die paar Dinge aufbewahrt, die von ihrer Familie übrig geblieben waren. Ihre Angehörigen waren während des Dritten Reichs fast alle umgebracht worden. “Sie hat das Kästchen in Anwesenheit ihrer Kinder nie geöffnet”, sagt der 74-Jährige. “Und wenn sie außer Haus war, sind die Kinder an das Kästchen gegangen. Aber sie haben niemals miteinander darüber gesprochen.” Das Unsagbare wollte die über 80-Jährige dann aber doch noch mitteilen, Außenstehenden, den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt. “Kurz vor ihrem Tod hat sie uns einbestellt, um zu Protokoll zu geben, was sie in der NS-Zeit erlitten hat”, erzählt Thiele, “ihre Kinder haben aus der Transskription dieses Interviews Dinge erfahren, die ihre Mutter ihnen nie erzählt hat.”

Nicht mal eine halbe Planstelle

Mosaiksteine von Barmbeker Schicksalen. Über den „Skurrilen Garten“ zum Beispiel hat die Geschichtswerkstatt 1997 eine Broschüre gemacht. Und über dessen Gestalter Herrn F. Am ehemaligen Wendebecken der Schiffbauversuchsanstalt hatte er mit überbordender Fantasie, Humor und Schaufensterdekorationsstücken seine Parzelle zu einem Kunstwerk gemacht, das die Mitarbeiter der Barmbeker Werkstatt an die Dschungelbilder von Henri Rousseau erinnerte.

Dieter Thiele und Werkstattkollege Harry, Fotograf und Gestalter, bereiten Barmbeker Geschichte als Angestellte des Trägervereins Heimatmuseum und Geschichtswerkstatt Barmbek “mit jeweils nicht mal ’ner halbe Stelle auf”, so Thiele. Ihnen zur Seite stehen Kollegen wie Christian und Petra mit Zwei-Jahres-Verträgen beim Hamburger Trägerverein Arbeit und Lernen. Petra zum Beispiel transskribiert Interviews – zehn Finger blind. Ansonsten ein Vollzeitjob für den 74-jährigen Dieter Thiele. Er hat auffällig dunkle Schatten unter den Augen. Da er keine Familie hat, ist die Geschichtswerkstatt “ein bisschen wie mein Kind geworden”. Er arbeitet Geschichts-Spaziergänge aus, führt sie zum Teil selbst, bereitet Ausstellungen vor und berät Bürger, die etwas über die Geschichte ihres Hauses oder über größere Zusammenhänge wissen wollen. Die Geschichtswerkstatt hat über die Jahre ein umfangreiches Text- und Bildarchiv aufgebaut – ein Spezialarchiv für Barmbek. “Hier findet man gesammelt, was man sich sonst erst aus allen möglichen Archiven zusammensuchen muss – oder eben gar nicht findet, weil’s aus Privatquellen stammt”, so Thiele.

Videofilm über Niedergang einer Fabrik produziert

Ans Aufhören denkt Dieter Thiele trotz seines Alters nicht: “Menschen dazu zu bewegen, die eigene Geschichte zu erkunden, erscheint mir nach wie vor erstrebenswert.” Ideal sei, dass es mit einer Rückschau auf den Arbeitskampf der Hamburger Metaller um den Untergang der Barmbeker Werkzeugmaschinenfabrik Heidenreich & Harbeck gelungen ist zu zeigen, wie sie 1976 vom Gildemeister-Konzern aus Bielefeld heruntergewirtschaftet wurde. “Wir haben einen alten Film, der darüber gedreht worden war, zur Erinnerung noch mal gezeigt – und zur Aufführung sind erstaunlich viele alte Metaller aus ganz Hamburg gekommen. Die haben daraufhin einen Arbeitskreis gebildet, um ihre Sicht der Vorgänge festzuhalten.” Mit finanzieller Beihilfe der Kulturbehörde entstand daraus ein großer Videofilm: Gewinner waren wir nicht – aber wir haben gekämpft!

Als Berliner in Barmbek heimisch geworden

Auf Umwegen hat sich der gebürtige Berliner Thiele – der noch immer berlinert, obwohl er in Hamburg bereits Abitur gemacht hat – seiner Berufung genähert. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte verließ er seinen unrsprünglich eingeschlagenen Weg ins Lehramt und Universitätskarriere und “geriet  auf ganz niedriger Ebene in die Politik”. Streitbar war er. Beim Winterhuder Veranstaltungszentrum Goldbekhaus, das er mit aufgebaut hatte, schied er deshalb aus; ebenso aus der SPD, als unter Kanzler Helmut Schmidt der Nachrüstungsbeschluss gefasst wurde. “Heute sehe ich manches vielleicht anders”, kommentiert er, “aber damals war es für mich ein Grund, auszutreten.”

Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme half Dieter Thiele beim Aufbau des Barmbeker Museums der Arbeit, und als die Bürgerbewegungen der späten 1970er und frühen 80er Jahre sich in Hamburg der “Geschichte von unten” annahmen und die ersten Geschichtswerkstätten in den Stadtteilen eröffneten, zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Geschichtswerkstatt Barmbek. “In Hamburg hatten wir das Glück”, erinnert sich Thiele, “dass Kultursenator von Münch sich persönlich für unsere Arbeit interessierte und als Zweiter Bürgermeister 1990 die Einrichtung eines eigenen Haushaltstitels für die Geschichtswerkstätten durchsetzte – einzigartig in Deutschland.” Im Laufe der Zeit wurden allerdings die Haushaltsmittel in der Hansestadt knapp, und die Gunst der Regierenden wechselte. Heute muss die Geschichtswerkstatt mit der Hälfte des früheren Etats auskommen. Das bedeutet sorgfältige Planung und vollen Einsatz, um ein qualitatives Programmangebot aufrechtzuerhalten.

Dieter Thiele am Schreibtisch. Fotografin: Frauke Franckenstein Foto: Dieter Thiele an seinem Schreibtisch. (Frauke Franckenstein)

Kanalfahrten und Spaziergänge bringen Publikum

Zum Renner haben sich die Kanalfahrten entwickelt, bei denen jeweils drei Mitarbeiter 26 Fahrgästen auf dem kleinen Schiff “Aue” das heutige Barmbek vom Wasser aus zeigen und frühere Zustände mit Hilfe von Bildtafeln verdeutlichen. “Das Interesse daran ist trotz des hohen Preises von 18 Euro so groß, dass wir glatt doppelt so viele veranstalten könnten – trotzdem setzen wir bei jeder Fahrt mindestens 100 Euro zu.” Regen Zulauf haben auch die literarischen Spaziergänge, die den bundesweit bekannten Lebensgeschichten gebürtiger Barmbeker folgen: “Auf den Spuren der Bertinis” nach dem Roman von Ralph Giordano und “Neger, Neger, Schornsteinfeger” nach der Autobiografie des Deutsch-Liberianers Hans-Jürgen Massaquoi.

Bei den übrigen Touren ist das Interesse der Besucher schwankend, obendrein vom Wetter abhängig. Dieter Thiele ist bei jedem Wetter gründlich vorbereitet zur Stelle. Und erlebt gelegentlich, wie neulich zur Tour “Kunst im Barmbeker Stadtraum”, dass sich nur eine einzige ältere Dame einfindet. Immerhin: Der Rundgang “Barmbek basch – vom Leben des Proletariats” erfreut sich mittlerweile steigender Beliebtheit. “Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass Proletariat wieder ein Thema ist, auch wenn es heute Prekariat genannt wird.“

Ihr Publikum erreicht die Barmbeker Geschichtswerkstatt über ihr Programmheft, Ankündigungen im regionalen Wochenanzeigenblatt und, ganz zeitgemäß, übers Internet. Den meisten Menschen im Stadtteil, glaubt Dieter Thiele, ist die Geschichtswerkstatt allerdings durch den sogenannten Geschichtspfad bekannt geworden: Bildtafeln im Straßenbild machen Passanten auf Orte mit Bedeutung aufmerksam. Zum Beispiel auf die schönen Kranich-Skulpturen des Bildhauers Hans-Martin Ruwoldt in der Genossenschaftssiedlung an der Hufnerstraße. “Es muss erwähnt werden, dass vom historischen Barmbek wenig übrig geblieben ist. In einem einzigen nächtlichen Luftangriff vom 29. auf den 30. Juli 1943 wurde vor allem der Süden so stark verwüstet, dass dort schwer vor Augen zu führen ist, wie’s mal aussah”, so Thiele.

Menschen helfen kontinuierlich beim Ausbau der Geschichtswerkstatt

Gelegentlich kommen auch Bürger mit historischen Funden von Dachböden und aus Kellern zum Wiesendamm. Dieter Thiele präsentiert zwei hölzerne handbemalte Schilder aus dem ersten Hamburger Wahlkampf 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg. Olga Brandt-Knack, einstmals Ballettmeisterin der Hamburger Staatsoper, die seinerzeit darauf für die SPD kandidierte, hatte er noch persönlich kennengelernt, “deswegen fand ich die Schilder besonders interessant”.

Immer wieder sind es die Menschen, die Barmbeks Geschichte anschaulich machen. Über Heinz D., der öfters in der Geschichtswerkstatt auftauchte und die Mitarbeiter mit Zaubertricks verblüffte, hat Dieter Thiele ein anrührendes kleines Buch geschrieben: “Ich fand sein Leben außergewöhnlich. Nach einer Kindheit jenseits aller Normen des proletarischen und kleinbürgerlichen Milieus wurde er wegen seines auffälligen Verhaltens während der NS-Zeit als sogenannter Gemeinschaftsschädling eingestuft. Nur durch Zufall gelang es ihm, aus einem Bewährungsbataillon in Nordafrika zu desertieren. Aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft brachte er dann sein lebenslanges Interesse an Kultur, Film, Theater, Kabarett und eben am Zaubern mit. Heinzi – den mochte ich gern.”

Kulturbehörde fordert Rechenschaft

Dieter Thiele hat nun keine Zeit fürs Interview mehr, muss sich anderen Aufgaben zuwenden. Die Kulturbehörde lässt zum Beispiel derzeit auch die Arbeit der Hamburger Geschichtswerkstätten evaluieren, um sie zeitgemäß aufzustellen, wie es dort heißt. Da gilt es standardisierte Fragebögen auszufüllen, “auch wenn sie mit der lebendigen Wirklichkeit nicht immer was zu tun haben”.

Wenn dann, neben der Lektüre von Fachliteratur, noch etwas Zeit bleibt, liest Dieter Thiele zu Hause Bücher. Zum Beispiel Marie Luise Kaschnitz’ Beschreibung eines Dorfes, “mit all der Melancholie und Trauer über die zerstörerischen Veränderungen”. Oder Dacia Marainis Bagheria – Eine Kindheit auf Sizilien. “Die schildert mit Bitterkeit und Wut, was in den Nachkriegsjahrzehnten durch die hemmungslose, mafiagelenkte Bebauung aus ihrer Heimat geworden ist.” Ein ganz anderes Sizilienbild als bei dem Barmbeker Ralph Giordano, für den Sizilien durch seinen Großvater zur ideellen Heimat geworden sei.

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Fotostrecke: Hamburger Herbst

Fotos von: Claus Gieseler, Nina Groth, Eva Jakubowski, Thomas Köhler, Joaquin Marquez-Schmidt und Detlef Struckhof

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„Internetnutzer wollen auch künftig nicht bezahlen“

Yahoo-Chef Terry von Bibra will gemeinsam mit Medienkonzernen neue Erlösmodelle entwickeln. Er regt strategische Partnerschaften an. Damit sollen sich journalistische Beiträge auch für Medienkonzerne rechnen, denn Internetnutzer werden nur für exklusive Inhalte zahlen, glaubt von Bibra.

Terry von Bibra, Yahoo-Chef Deutschland. Foto: Yahoo! Deutschland Foto: Terry von Bibra, Yahoo-Chef Deutschland. (Yahoo! Deutschland)

München – Bezahlkonzepte für Inhalte im Internet werden scheitern. Das glaubt Terry von Bibra, Geschäftsführer von Yahoo Deutschland. Er sagt: „Die Nutzer sind es gewohnt, dass sie im Web zu jeder Zeit ein riesiges Angebot an Top-Inhalten vorfinden.“ Verschiedenste Untersuchungen belegten, dass Internetnutzer nicht oder nur kaum bereit sind, für Inhalte im Netz zu bezahlen. Eine Ausnahme sehe er nur für Nischenthemen oder Spezialinhalte, die exklusiv im Internet verfügbar sind. Hier könne er sich vorstellen, dass Nutzer dafür bezahlen.

Online-Nutzer sollen für Berichte zahlen

Zuletzt hatte sich am Montag der Vorsitzende des bayrischen Zeitungsverleger-Verbandes (VBZV), Andreas Scherer, für Bezahlinhalte – Paid Content genannt – im Internet eingesetzt. Er will durchsetzen, dass künftig nur noch die Zeitungsabonnenten kostenfrei im Internet auf Zeitungsartikel zugreifen können. „Es ist nur fair und richtig, Online-User an unseren Aufwendungen zu beteiligen“, sagte Scherer, der auch Geschäftsführer der Augsburger Allgemeinen Zeitung ist.

Verschmelzung von traditionellen Medien und Internet unausweichlich

Yahoo prophezeit der Verlagsbrache, sie stehe vor weiteren Umbrüchen. Von Bibra plädiert für strategische Partnerschaften zwischen Medienkonzernen und Internetanbietern. Er sagt: „Eine noch intensivere Verschmelzung der traditionellen Medien mit dem Internet wird unausweichlich sein.“ In einer Pressemitteilung bietet er den Medienkonzernen an, „gemeinsam neue Erlösmodelle zu entwickeln“.

Verlagshäuser wollen Gemeinschaftsaktion für Paid Content

Die deutschen Verleger sind seit Jahren bemüht, ihre Internetauftritte profitabel zu gestalten. Bisher gelingt das nur wenigen Anbietern. Meist führten die kostenlosen Beiträge im Internet in der Vergangenheit zu einem verstärkten Rückgang bei den Abonnements. Die rückläufigen Anzeigenmärkte und die stagnierenden Verkaufszahlen erschweren den Verlagen immer häufiger positive Bilanzen zu präsentieren. Deshalb wollen immer mehr Verlagshäuser die Einführung von Bezahlkonzepten durchsetzen – möglichst in einer Gemeinschaftsaktion aller Medienkonzerne.

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