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Stephen King, Vollstrecker einer Tradition

Dieser Eintrag stammt von Jens Möller Am 17.9.2009 @ 15:15 In Feuilleton | Keine Kommentare

Bestseller-Autor Daniel Kehlmann und der Essayist Joachim Kalka widmen sich der Literatur des Schreckens. Ein Besuch beim neuen Literaturfestival Harbourfront.

Hamburg - Die Glocke des Michels schlägt; laut und deutlich ins Dunkle dieser Nacht hinein. Zum Glockenschlag um 20 Uhr herrscht Ruhe im Pressehaus - bei Gruner+Jahr an diesem Dienstagabend, 8. September 2009. Nach einer kurzen Eröffnungsrede, die einleitend das Thema der heutigen Veranstaltung vorstellt, nämlich „Stephen King und andere“, betreten die beiden Protagonisten Daniel Kehlmann und Joachim Kalka die Bühne. Angst als Thema, das wohlige Schauer beim Lesen von Horrorgeschichten auslöst. Daniel Kehlmann wirft entsprechend anfangs sofort die Frage auf, „wieso wir Lust haben an der Angst?“.

Genuss Horror

Um diese Frage und deren Beantwortung dreht sich das folgende Gespräch zwischen den beiden Schriftstellern, gewürzt mit Beispielen aus der vorher sorgsam ausgewählten Literatur. So folgt die Linie der Literaturzitate Blackwood, Lovecraft oder auch der Gebrüdern Grimm, um am Ende des Abends bei Stephen King zu landen. „Was treibt uns zum Genuss von Horror?“, nimmt Joachim Kalka die Eingangsfrage von Daniel Kehlmann wieder auf. Die Beiden einigen sich, dass nur die Distanz zum Unheimlichen als rettender Faktor diesen Genuss ermöglicht. Der Leser nimmt eine Dosis Entsetzen auf, kann sich aber gewiss sein, dass er im Gegensatz zu Personen eines Buchgeschehens am Ende überleben wird. Seine langweilige Welt wird aufgebrochen, wird belebt durch den Horror.

Dunkelheit manifestiert Angst und Schrecken

Der bildhafte Ausdruck des Horrors tritt indes in vielen möglichen Gestalten auf. Beispielhaft wirft Joachim Kalka die unbeantwortete Frage auf, „warum Tote und Gespenster uns zumeist Böses im Horror wollen? Warum ihr Handeln auf ein Erschlagen oder Verstümmeln ausgelegt ist?“. Neben Geistern existieren aber auch realitätsnähere Beispiele, die Horror ausdrücken können, wie exemplarisch genannt: alte Häuser. Oder einfach Erfahrungen von Angst und Schrecken, die schon als Kind gemacht wurden. Die manifestieren sich, wie Daniel Kehlmann anhand der Literaturbeispiele sagt, „besonders in der Dämonisierung der unentdeckten Natur“, wobei der Faktor des Unentdeckten heute auf Dunkelheit übertragbar wäre, die oftmals eine ähnliche Wirkung hat.

Warten auf den nächsten Schreck

Stephen King gilt den beiden Autoren als Bewahrer des Horrors, als „Vollstrecker einer Tradition“, so Kalka. King steht mit seinem Spektrum an Veröffentlichungen heute bereits als Chiffre für die Literatur des Horrors. Diese stelle er, so Daniel Kehlmann, mit großer Lust und Freude dar. Und seine Bekanntheit auf dem Gebiet der Horrorliteratur erzeugt selbst in den Momenten Spannung, in denen das Geschehen einer kingschen Handlung gar keine Spannung erzeugt. Man wartet förmlich auf den Moment, in dem etwas passiert, in dem wieder erschreckt wird. Besonders dann, wenn King in seinen Geschichten nicht jedes Geheimnis aufklärt, bleibe er unvergleichlich, wie die Redner bemerken.
Das Beide kein Geheimnis aus ihrer Begeisterung für das Thema Horror in der Literatur machen, wurde an diesem Abend deutlich, so deutlich, dass man den Wunsch nach einer Portion Entsetzen verspürt, Überlebensgarantie eingeschlossen.

Kontkat zum Autor: [1] hier.


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