Zukunftswochen: Würstchen im Solarkocher
Hamburg - Während der Hamburger Zukunftswochen 2009 gibt es bis zum 4. Oktober auf verschiedenen Veranstaltungen Informationen über umweltfreundliches Verhalten im Alltag. Rund 30 der über 100 Angebote richten sich auch an Kinder. Was tut Hamburg abseits der Zukunftswochen für Kinder, die Nachhaltigkeitsgestalter von morgen? Frauke Frackenstein im Gespräch mit Regina Marek, Gestaltungsreferentin für Umwelterziehung in Hamburg:
Welche Projekte zum Thema Nachhaltigkeit gibt es an Hamburger Schulen?
Seit 15 Jahren gibt es die Ausschreibung „Umweltschule in Europa – Internationale Agendaschule“. Anfangs wurden acht Schulen ausgezeichnet, in diesem Jahr sind es 35. Besonders wichtig ist vielen das Thema Wasser und Wasser sparen. Am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium gibt es zum Beispiel Trinkwasserbrunnen für die Schüler. Andere haben die Durchlaufmenge der Wasserhähne geprüft und richtig eingestellt. Viele haben sich mit Klimawandel und Klimaschutz beschäftigt: kurz und kräftig lüften, die Heizung einstellen, zu Fuß zur Schule gehen. 22 Schulen werden im Rahmen des neuen Projekts „Klimaschutz an Schulen“ gesucht, um einen Klimaschutzplan mit Kohlendioxid-Einsparungen zu erstellen und an ihrer Schule umzusetzen. Bis 2012 sollen 200 allgemeinbildende Schulen einen solchen Plan erstellt und umgesetzt haben.
Und die weiteren Themen der Zukunftswochen, wie fairer Handel, bewusstes Genießen, nachhaltiges Wirtschaften, Zukunftsgestaltung der Stadt?
All diese Themen sind verbindlich vorgesehen. „Fair & Öko“ ist ein Unterrichtsthema. Und in der Pause gibt’s Öko- und fair gehandelte Produkte. Oder Bio-Milch, aus „fifty/fifty“-Geldern finanziert. „fifty/fifty“ bedeutet: Wenn Schulen in den Bereichen Abfall, Energie, Wasser Einsparungen erzielen, gibt’s 50 Prozent davon auf das Selbstbewirtschaftungskonto der Schule. Damit können sie neue Projekte starten – vielleicht eine Solarstromanlage auf dem Dach. Wichtig ist bei all dem das „nachhaltige Lernen“: möglichst viele Sinne ansprechen, den Lehrstoff sinnlich mit Experimenten erfahren, Fragestellungen selbstständig bearbeiten, die Ergebnisse präsentieren – das kommt zu 90 Prozent im Kopf an.
Sind Kinder am Unterricht zu nachhaltigen Themen interessiert?
Ja. Wenn’s dazu Experimente gibt oder Exkursionen, die viele Sinne ansprechen.
Welche Hamburger Schulen haben sich dabei besonders hervorgetan?
Die Umweltschulen, die wir auszeichnen, sind über ganz Hamburg verteilt. Vorbildlich sind das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und die Schule Lokstedter Damm, beide seit 15 Jahren Umweltschule. Aber es gibt auch Schulen, die jetzt zum ersten Mal prämiert wurden. Und es werden immer mehr.
Werden die Eltern miteinbezogen, damit nachhaltiges Verhalten auch in der Familie gelebt wird?
Am Zentrum für Schulbiologie und Umwelterziehung in Klein Flottbek gibt es Wochenend- und Geburtstags-Programme für Familien, die sehr gut angenommen werden. Da werden zum Beispiel Solarkocher gebaut. Das Wasser zu erhitzen, um Würstchen darin zu erwärmen, dauert zwei Stunden – aber dann haben die Kinder einen eigenen Solarkocher. Oder es werden Teiche untersucht – was lebt denn da drin? Oder Kresse und Pfefferminze von der Kräuterspirale gesammelt – das bleibt im Kopf! Kinder sind viel nachhaltiger als Erwachsene. Die kommen gern zu Fuß zur Schule. Und wenn sie hören, dass dem Gorilla der Lebensraum durch Abholzung geraubt wird, macht sie das betroffen. Dann wollen sie etwas dafür tun, unsere Umwelt zu erhalten – vielleicht ein Bachufer bepflanzen. In der Oberstufe kommen Partnerschaften mit anderen Ländern gut an. Zum Beispiel Hilfe beim Bau einer Solarstromanlage in einer Patenschule in Gambia. Wir sind auf einem guten Weg, denke ich.
Kontakt zur Autorin: hier.
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