Archive für 5.10.2009
Cosma Shiva Hagen, schönste Botschafterin im Land
5.10.2009 von Joaquin Marquez-Schmidt.
Hamburg - Nach dem Ende der diesjährigen Hamburger Zukunftswochen spricht Joaquin Marquez-Schmidt mit der Baumwollpatin und Schauspielerin Cosma Shiva Hagen über Fairtrade, ihr ehrenamtliches Engagement und die beendete Zusammenarbeit mit dem Otto-Versand.
Foto: Cosma Shiva Hagen im Gespräch. (Karsten Woelk, Fotocredit)
Frau Hagen, die Hamburger Zukunftswochen 2009 sind am gestrigen Sonntag zu Ende gegangen. Dabei haben Sie im Rahmen der Fairen Woche Fairtrade unterstützt. Wie kam es dazu?
Ich war die letzten acht Jahre viel für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Afrika unterwegs. Und vor zwei Jahren wurde ich von Fairtrade gefragt, ob ich Baumwollbotschafterin für Afrika werden möchte. Das passte eben thematisch gut zusammen. Und als ich meine Bar aufgemacht habe, war die erste Ausstellung über unsere Reise in Afrika. Wir hatten eine Fairtrade Modenschau, eine afrikanische Band und zeigten Fotos aus Burkina Faso. Außerdem verkaufen wir hier auch Fairtrade Produkte.
Neben Baumwollpatin für Fairtrade, wurden Sie von Lesern der Illustrierten Bunte auch zur schönsten Frau Deutschlands gewählt. Wie kommen Sie mit diesen doch sehr unterschiedlichen Titel zu Recht?
Den einen habe ich mir ausgesucht, den anderen nicht. Ich glaube auch, mit diesem “Die schönste Frau”, da werden Sympathiepunkte vergeben, und dass das sehr viel damit zusammen hängt, wie präsent man gerade ist. Das ist alles mehr oder weniger Zufall. Da darf man sich nicht so dran aufhängen.
Sie haben sich schon einige Male über Oberflächlichkeiten des Starrummels in der Filmbranche beklagt…
Beklagt nicht. Das wird immer gleich so hoch gepusht. Natürlich bin ich auch eine Frau, die gerne Designer-Klamotten anzieht. Aber es wird dem einfach in der Medienlandschaft ein zu hoher Stellenwert gegeben, wobei man wirklich über andere Sachen sprechen sollte. Im Grunde genommen ist es schön, dass sich alle chic machen, aber dieses “Was tragen sie heute Abend?”, da denke ich manchmal, habt ihr euch mal die Frage auf der Zunge zergehen lassen. Das regt mich auf, weil ich dann denke, die jungen Leute sehen das und glauben, dass es das Wichtigste ist, während auf der Welt so viel los ist. Das heißt nicht, dass ich total gegen Designer und Mode bin. Im Gegenteil, ich find es super, bloß man muss gucken welchen Stellenwert das bekommt.
Nun, in der Filmbranche sind Äußerlichkeiten doch sehr gewichtig.
Auch, aber wozu sind wir in der Öffentlichkeit, wenn wir nicht auch über andere Sachen sprechen können, außer über “Haben sie gerade Schuhe von Galliano an?”, das nervt mich! Viel zu viele lassen sich davon beeinflussen und denken, sie müssen unbedingt dieses Spiel mitspielen, um dazu zu gehören.
Kommen wir zurück zu Ihrer Rolle als Botschafterin für die gute Sache. Sie reisen gerne und viel, um wie sie sagen, selbst zu erleben was sich abseits unserer Welt abspielt. Haben sie dafür noch Zeit?
Aber ja, ich war vor kurzem in Burkina Faso, das war die letzte größere Reise. Und demnächst bin ich für das Kosmetikunternehmen Annemarie Börlind unterwegs. Die starten gerade ein neues karitatives Projekt in Mali und ich bin jetzt neue Botschafterin für Börlind. Das sind immer so Sachen, da brauch’ ich selbst nicht viel auf Reisen gehen und kann trotzdem viel von der Welt sehen. Und wenn ich mal Urlaub mache, fahre ich nach Hause nach Ibiza, da bin ich viel zu selten.
Sie werden also von verschiedenen Unternehmen zur Botschafterin erkoren? Oder suchen sie Ihre Projekte selber aus?
Ich schaue mir das immer erst mal an, ob es passt oder nicht, und sage dann entweder ja oder nein.
Haben Sie nicht das Gefühl, dass Sie etwas verschwenderisch mit ihren Titeln als Botschafterin umgehen - und dass jeder gerne Cosma Shiva Hagen als Zugpferd einspannen möchte?
Nein, weil für mich immer ein Zusammenhang da sein muss und der Schwerpunkt auf Afrika liegt. Und solange die Sachen zusammenpassen, ist das okay.
Passte denn Ihr Engagement für den Otto-Konzern dazu?
Nein, da habe ich auch gesagt, ich würde gerne nur die Reihe Cotton made in Africa vorstellen, die Öko-Linie von Otto. Das Problem war, Cotton made in Africa ist nicht Fairtrade, das ist nicht dasselbe. Für mich war es dann aber so, dass ich mir dachte, ich habe dann trotzdem eine Plattform, wo man über Fairtrade sprechen kann und wollte danach versuchen, Otto zur Herstellung einer Fairtrade-Linie zu bewegen. Ich denke auch immer, es ist besser sich ein bisschen einzumischen und zu gucken was man machen kann, als direkt nein zu sagen.
Haben Sie Otto dahin gehend beeinflussen können?
Ja, aber die Zusammenarbeit ist ja nun beendet. Otto ist schon seit Jahren sehr umweltbewusst, aber ich weiß nicht wie das überprüft wird. Bei Cotton made in Africa haben die mir das so erklärt, dass sie da sehr gute Überprüfungsmöglichkeiten
haben. Ich selbst kann es nicht überprüfen und bei Fairtrade gibt es kein Drumherum.
Das heißt, Sie verlassen sich ganz auf die Aussagen von Otto?
Nein, ich recherchiere auch, aber es ist nicht immer alles schwarz-weiß. Manchmal möchte ich den Leuten nicht immer nur was Schlechtes unterstellen. Und das Problem ist, ich brauche auch irgendwann Geld, um Sachen voran zu treiben. Ich mach so viele karitative Sachen, das kostet schon viel Zeit.
Gibt es bei all den Projekten noch Zeit für Film und Fernsehen?
Ja, ich habe gerade für meinen Lieblingsregisseur Lars Becker eine weitere Folge Nachtschicht abgedreht, das lief jetzt am 1. Oktober beim Hamburger Filmfest. Dann habe ich zwei Filme synchronisiert, Schatz im Silbersee und Is no good, ein französischer Film. Jetzt dreh’ ich Alarm für Cobra 11 und Ende des Jahres probe ich für ein Theaterstück in Berlin – im Schlosspark Theater, dem neuen Theater von Dieter Hallervorden. Am 17. Oktober bin ich noch in der ZDF-Krimi-Reihe Lutter zu sehen.
Kontakt zum Autor: hier.
Geschrieben in Vermischtes (HH) | Drucken | Keine Kommentare »
Enteignung, ein Geschenk
5.10.2009 von Detlef Struckhof.
Symbolfoto: Die HRE hat kein Geld mehr zu verteilen. (Tom Köhler)
Zur Enteigung der HRE-Aktionäre am heutigen Montag, ein Kommentar von Detlef Struckhof:
Die letzten Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) haben ihre Anteile an den Bund verloren. Sie sind heute zwangsenteignet worden. 1,30 Euro zahlt die Bundesrepublik Deutschland für jede Aktie. Die Aktionäre protestieren, wollen sich wehren. Sie hatten vielfach 30 Euro und mehr bezahlt. Das bedeutet für sie einen fast Totalverlust. Ist das gerecht?
Ja. Es ist deshalb gerecht, weil ein Firmeninhaber immer mit einem Totalverlust rechnen muss. Aktionäre sind nichts anderes als Firmeninhaber. Wenn ihre Firma schlecht wirtschaftet, tragen die Aktionäre als Inhaber den Verlust. Das ist Grundwissen der neunten Klasse im Fach Wirtschaftslehre.
Jetzt schimpfen die Firmeninhaber auf den Staat. Sie vergessen, dass das von ihnen gewählte Kontrollgremium, der Aufsichtsrat, versagt hat. Sie vergessen, dass sie als Aktionäre besser gestellt sind, als der selbstständige Bäckermeister an der Straßenecke. Die Aktionäre haften maximal mit ihrer Einlage, ihrer Investition, der Bäckermeister mit seinem gesamten Vermögen für den Rest seines Lebens.
Dass die HRE-Aktionäre überhaupt noch Geld bekommen, sollten sie als Geschenk nehmen. Denn wäre die HRE bankrott gegangen, wären die Papieranteilscheine null Cent wert gewesen. Ein weiterer Trost für die Aktionäre: In den vergangenen Jahren haben sie satte Dividenden auf die Risikogeschäfte der HRE kassiert. Diese eingerechnet, machen den Wertverfall erst recht verschmerzbar. Es gibt keinen Grund zum Jammern.
Kontakt zum Autor: hier.
Geschrieben in Kommentare Redaktion (D) | Drucken | Keine Kommentare »