Enteignung, ein Geschenk
Symbolfoto: Die HRE hat kein Geld mehr zu verteilen. (Tom Köhler)
Zur Enteigung der HRE-Aktionäre am heutigen Montag, ein Kommentar von Detlef Struckhof:
Die letzten Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) haben ihre Anteile an den Bund verloren. Sie sind heute zwangsenteignet worden. 1,30 Euro zahlt die Bundesrepublik Deutschland für jede Aktie. Die Aktionäre protestieren, wollen sich wehren. Sie hatten vielfach 30 Euro und mehr bezahlt. Das bedeutet für sie einen fast Totalverlust. Ist das gerecht?
Ja. Es ist deshalb gerecht, weil ein Firmeninhaber immer mit einem Totalverlust rechnen muss. Aktionäre sind nichts anderes als Firmeninhaber. Wenn ihre Firma schlecht wirtschaftet, tragen die Aktionäre als Inhaber den Verlust. Das ist Grundwissen der neunten Klasse im Fach Wirtschaftslehre.
Jetzt schimpfen die Firmeninhaber auf den Staat. Sie vergessen, dass das von ihnen gewählte Kontrollgremium, der Aufsichtsrat, versagt hat. Sie vergessen, dass sie als Aktionäre besser gestellt sind, als der selbstständige Bäckermeister an der Straßenecke. Die Aktionäre haften maximal mit ihrer Einlage, ihrer Investition, der Bäckermeister mit seinem gesamten Vermögen für den Rest seines Lebens.
Dass die HRE-Aktionäre überhaupt noch Geld bekommen, sollten sie als Geschenk nehmen. Denn wäre die HRE bankrott gegangen, wären die Papieranteilscheine null Cent wert gewesen. Ein weiterer Trost für die Aktionäre: In den vergangenen Jahren haben sie satte Dividenden auf die Risikogeschäfte der HRE kassiert. Diese eingerechnet, machen den Wertverfall erst recht verschmerzbar. Es gibt keinen Grund zum Jammern.
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