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Kunst im Bunker

Dieser Eintrag stammt von Tom T. Köhler Am 26.10.2009 @ 14:17 In Feuilleton | Keine Kommentare

Der Kunstverein Harburger Bahnhof zeigt eine Installation von Julia Bünnagel unter dem Motto: All Thoose Tomorrows. Die Kölnerin präsentiert ihr Kunstwerk im Vorraum  des Zivilschutzbunkers Harburg. Eine Begehung mit Eindrücken von Tom T. Köhler.

[1] Eingang zum Bunker Harburg, S-Bahn-Station Harburg-Rathaus; Foto: Thomas Köhler Foto: Eingang zum Bunker in der S-Bahn-Station Harburg-Rathaus. (Tom T. Köhler)

Hamburg-Harburg Was macht einen Raum zu einem Raum? Vier Wände, Boden, Decke, Innenleben. Was macht ein Raum in einem Raum? Ein solches Innenleben irritiert nicht nur den Betrachter soll dazu dienen, unser Leben zu reflektieren.

Goldene Blöcke, dem Vernehmen nach geformt wie Wohnblöcke von Trabantenstädte, stehen dicht an dicht im Vorkeller des Harburger Schutzbunkers. Umgeben sind sie von hässlichen metallenen Wänden. Es wirkt, als sei eine Stadt eingesperrt nicht nur in einem Keller, sondern in diesem Keller nochmals in Verhauen, abschließbar.

[2] Kunstinstallation im Harburger Bunker; Foto: Thomas Köhler Foto: Blick in die Installation von Julia Bünnagel im Vorkeller des Bunkers. (Tom T. Köhler)

Der Kontrast wirkt. Stahlbeton bietet Schutz im Katastrophenfall, ist zweckmäßig. Es graut dem Betrachter grün-grau entgegen.  An der recht üppigen Treppe, die in einer ernsten Situation 5.000 Menschen in die neuzeitlichen Katakomben geleitet, geht der Blick tief unter den Harburger Shopping-Bezirk. Die Treppe hat den Vorteil, dass sich der verwunderte Mensch festhält am Geländer und sich gleichsam einen Überblick verschafft aus sicherer Entfernung. Denn die bedrückende Enge zwischen den goldenen übermannshohen Klötzen lässt sich erahnen. Im Raum ergreift sie den Besucher. Vor Augen haben wir das goldene Gefängnis in dem wir leben.

Kleinklein, Cocooning genannt, verstecken wir uns im Wohlstandsbüdchen, dritter Stock rechts, Tiefgaragenplatz, Fahrstuhl inklusive. Wir sind froh, wenn wir unsere Höhle erreicht haben, hinter uns die Tür schließen können. Innen ist es warm und sicher. Draußen dagegen laut, dreckig, unsicher, kalt.

[3] Kunstinstallation im Harburger Bunker; Foto: Thomas Köhler Foto: Kunst im Bau. Mit Goldfolie eingepackte Regale im Vorkeller. (Tom T. Köhler)

Dieser Cocooning-Wohlfühleffekt tritt auch in den Gängen des goldenen Labyrinths  von Julia Bünnagel zutage. Lehnen wir uns an eine Wand dieser Edelmonster, entpuppt sich, dank Styropor unter der glänzenden Folie, die Wand als wärmender Ort. Unsere eigen Wärme wird zurückgeworfen. Wir heizen uns – heizen uns auf mit Konsum, Flachbild, Megapixeln, Tausenden von Megabits per Sekunde. Doch die Ernüchterung ist stets warnend vor Augen.

Grüngrau hockt das harte Höhlentier wartend im Halbdunkel. Geduldig. Wenn es etwas genügend hat, so ist es Zeit. Bald muss der Betrachter wieder raus aus seinem Büdchen, ist der Realität ausgeliefert. Kaum hat er den unwirtlichen Ort verlassen, umbraust ihn S-Bahn-Gegrummel,  zieht ihm Unterstadtdunst in die Nase. Der Griff zum Jackenkragen. Schlag ihn hoch, Mensch. Das Höhlentier lacht hinter ihm her. Sehr sicher und zufrieden klingt sein Lachen aus der Tür des Bunkers.

[4] Julia Bünnagel, Köln. Foto mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin: Kunstverein Harburger Bahnhof e.V. Foto: Julia Bünnagel, Köln. (Kunstverein Harburger Bahnhof)

Ausstellung läuft noch

Die Ausstellung ist bis einschließlich 1. November 2009 zu besichtigen. Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

[5] Internetauftritt des Kulturvereins Harburger Bahnhof

Kontakt zum Autor: [6] hier.


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[5] Internetauftritt des Kulturvereins Harburger Bahnhof: http://www.kvhbf.de
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