Bürgerliche Integration und gesellschaftlicher Ausschluss
Hamburg-Mitte - Ist die bürgerliche Gesellschaft der Maßstab aller Dinge? Können oder müssen sich Gruppen, die diesen Gesellschaftsentwurf ablehnen, sich in diesen Gesellschaftsentwurf integrieren? Ist Bürgerlichkeit die Antwort auf gesellschaftliche Verwerfungen? Die gesellschaftlichen Veränderungen des Bildungssystems, der Stadtentwicklung oder die Gestaltung kultureller Räume sind, so die Theorie, stets Projekte einer bürgerlichen Gesellschaft. Um all diese Dinge ging es am 18. Januar im voll besetzten Saal des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS). Zwei Soziologen gaben Auskunft: Prof. Heinz Bude, der Gastgeber des Abends, Leiter eines HIS-Arbeitsbereiches und Prof. Joachim Fischer, Soziologe an der Uni Erlangen-Nürnberg.
Grenzen in der Gesellschaft
Sie ist vorherrschend und, so Bude, es gibt derzeit kaum eine Alternative. Doch sieht er in der bürgerlichen Gesellschaft selbst Grenzen. Dahinter findet man die Ausgeschlossenen, Geduldeten, Irregulären. Die Konflikte zwischen den regulären und geduldeten Gruppen, so seine provokante Aussage, werden durch die europäischen Wohlfahrtsstaaten mit billiger Unterhaltung und schlechtem Essen unterdrückt.
Wissenschaftlicher Exkurs
Fischer beleuchtete in einem Exkurs zur Gesellschaftstheorie den wissenschaftlichen Apparat, die Definitionen und vor allem die teilweise Unfähigkeit der Soziologie, auf gesellschaftliche Ereignisse eine Antwort zu finden. Er bekräftigte die Dominanz und das Fehlen von Alternativen zur bürgerlichen Gesellschaft.
Freundliche Ermahnung
Doch diese, so Bude, sei eine kontingente, also vergängliche Gesellschaft. Der Diskurs zwischen den ausgewiesenen Experten der soziologischen Gesellschaftstheorie glitt leider all zu oft in ein Zwiegespräch ab. Die Zuhörer nutzten in der anschließenden offenen Diskussion die Gelegenheit, intensiver nachzufragen.
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