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Blogger Stefan Niggemeier über die Zukunft der Öffentlichkeit
Dieser Eintrag stammt von Tom T. Köhler Am 7.5.2010 @ 18:50 In Kultur (HH) | Keine Kommentare
Hamburg-Altona - Die Zukunft der Öffentlichkeit, so lautete das Thema am 06.05.2010. Die Printmedien werden sterben und Blogger sind die Journalisten der Zukunft. Eine derart zugespitzte Diskussion gab es lange nicht mehr in Deutschland.
Fragen zur Zeit
Die zahlreichen Zuhörer begrüßten den Journalisten freundlich und erwarteten Antworten auf die Fragen der Zeit. Niggemeier (40), leger bekleidet und das Podium als Kanzel nutzend, äußerte zu Beginn Unmut über seine Vortragstätigkeit. Sie sei nicht sein natürlicher Lebensraum, der befinde sich am Schreibtisch vor dem Computer. Was für eine Spezies sind Blogger? Kann ein Blogger Journalist sein? Kann ein Journalist Blogger sein? Wie viele Irrtümer gibt es über das Internet? Fragen über Fragen. Die Agentur GLCONS in Hamburg lud ein, um diese Fragen zu beantworten.
[1] S. Niggemeier (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Digitale Leserbriefe
Leserbriefe in Sütterlin an den ehemaligen Redakteur der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sind heute eher die Ausnahme. Rasant steigende Nutzerzahlen auf seinem bildblog.de und der eigenen Internetseite dagegen die Regel. Ist das die Zukunft des schreibenden Journalisten? Kann dieser durch Nutzerzahlen ausreichend Werbung auf die Seite ziehen, die ihm ein auskömmliches Leben ermöglicht? Nach eigenem Bekunden geht es auch bei Blogger Niggemeier nicht. Was also ist los in Internetdeutschland? Wieso sind ganze Berufsgruppen am barmen, wieso sanieren sich große Verlage via Qualitätsverzicht? Eines nach dem Anderen.
Was ist das Netz?
Das Netz, so der Journalist, bedingt die Anwesenheit des Anderen. Kommentare, Feedback, Auseinandersetzung sind die Antworten auf Tätigkeiten im WWW. Reaktionen, die unmittelbar und unzensiert erfolgen. Niggemeier zitiert den Blogger LOBO: “Diktatur des Kommentariats”. Das Netz ermöglicht nicht nur eine Einbeziehung vieler Interessenten, sondern auch die Kontrolle durch Tausende Augen. “Der Leser ist klüger, als ich!” Eine schmerzende Erkenntnis für selbstverliebte, elitäre Journalisten. Sie stellen fest, dass es eine große Zahl von Aktiven und Interessierten zu manchen Themen qualifizierter Auskunft geben können. Dies funktioniert, weil diese Leser vor Ort, beruflich oder gesellschaftlich qualifiziert, Fachleute für diese Themen sind. Aus Lesern werden Erzeuger von Content, neudeutsches Wort für Inhalt oder Gehalt in Medien.
[2] S. Niggemeier (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Zeitung oder Computer
Den Zeitungen laufen die Leser weg. Sie gehen vom Papier zum Computer, holen sich Informationen, wann und wo sie gebraucht werden. Kostenlos. Die Versuche, dem durch Bezahlschranken Einhalt zu gebieten, sind nach Niggemeier sehr unbeholfene. Es sind geradezu horrende Kosten für einen einzigen Artikel, den man zum einmaligen Lesen freigeschaltet bekommt. Verschärfend sei, dass die Qualität der Online-Erzeugnisse der Medienhäuser stetig sinke. Der Blogger vermutet, dass das Internet als Labor genutzt wird. „Kosten und Qualität werden gedrückt - mal schauen, was wir dem Leser so zumuten können.“ Heerscharen von Praktikanten, die Meldungen aus Agenturen netztauglich machen, können nicht die Zukunft von Medien und Lesern sein.
Qualität und Journalismus
Die Vertreter eines einst geschätzten Berufsstandes habe die Chance, wieder ihrer Profession gerecht zu werden. Sie sollen verlässliche Informationen liefern, Spreu vom Weizen trennen, dem Leser Mehrwert bieten. Mehr Service für den Leser, als endlose Klick-Strecken. Letztere, wie der Name vermuten lässt, dienen nur der Manipulation von Nutzerzahlen. Sauber recherchierte und vor allem verlinkte Quellen sowie Korrekturen als Selbstverständlichkeit sollen das Ziel sein. Korrigiert sollen nicht nur die vermehrt auftretenden Schreibfehler, sondern auch falsche Meldungen. Diese werden ohne zu prüfen übernommen und fröhlich weiter getragen.
[3] S. Niggemeier (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Was bloggt da?
Die regen Nachfragen des Publikums bewiesen: Es ist noch nichts so, wie es sein soll. Und was ist das nun noch mal mit dem Blog und den Bloggern? Die persönlichen Empfehlungen und das Vertrauen der User / Leser sind das Kapital, von dem Blogger leben. Einerseits sehen sie den digitalen Schreiberling als seriöse Quelle, andererseits liefern sie ihm auch ungezählte Informationen. Diesen Strom an helfenden Links, Texten und Hinweisen nutzt Blogger Niggemeier selbst in seinem bildblog.de ausgiebig. Journalisten sollen sich auf Neue Medien einlassen. Warum nicht mal einen Blick auf Twitter werfen, selbst dort schreiben - wenn auch nur 140 Zeichen lang. Das zwingt zum Destillat - kommt auf den Punkt.
Nachtrag
Auf dem ominösen Twitter sagt ein Blogger namens FR31H31T: “Wenn die Verlage sterben, dann gibt es keine Journalisten mehr. Und wenn die Zoos sterben, dann gibt es keine Löwen mehr. Kein Kommentar.
Kontakt zum Autor: [4] hier
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