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Deutschland hat den Superstar
Dieser Eintrag stammt von H. D. von der Strauchburg Am 30.5.2010 @ 08:44 In Glossen | Keine Kommentare
Strauchburg staunt. Ansichten eines Durchreisenden. Diesmal zum Sieg von Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest in Oslo.
An dieser Stelle finden Sie in unregelmäßigen Abständen die Beiträge des Durchreisenden Heiko D. von der Strauchburg. Er glossiert einige seiner Erlebnisse aus ganz Deutschland. Lassen Sie sich von seiner Sicht der Dinge zum Nachdenken oder Diskutieren inspirieren.
Hamburg – Sonntags stehe ich gerne früh auf. Deshalb legte ich mich gestern gegen 20 Uhr schlafen - in meiner Zweitwohnung. Am Nachmittag sprach ich noch mit meiner Nachbarin von gegenüber. Sie wolle mit ihrem Vierjährigen zur Reeperbahn gehen.
Der fängt ja früh an, denke ich. Sie sagt: “Lena Meyer-Landrut singt in Oslo. Für Deutschland. Am Spielbudenplatz ist Eurovision-Song-Contest-Party. Wie jedes Jahr.” Der Kleine steht neben seiner Mutter und sagt deutlich: “Lena Meyer-Landrut.” und singt irgendwas, was wie “Love, Love, Love”, klingt. Ein süßer Fan, denke ich. Die Melodie kommt mir aber auch bekannt vor. Muss ich schon im Radio gehört haben. Irgendwie ein Ohrwurm. Beim Einkauf sehe ich die Bild-Zeitung. “Sing, Lena sing!”, titelt das Blatt. Was ein Hype, denke ich. Sieht aber nett, frisch und fröhlich aus, das Mädchen.
Nachts halb eins in Deutschland. Ja, nachts! Ich wache auf. Von den Hup-Konzerten auf den Straßen. “Hat die WM früher begonnen?”, frage ich mich laut. Ich guck aus dem Fenster. Deutschlandfahnen. Jubelnde Menschen aller Altersgruppen. “A Star is born”, ruft einer. Ich winke. Ach ja, Klitschko hat geboxt heute Nacht, erinnere ich mich. Ich rufe: “Vitali!”, den Vornamen des Boxers. Der Mann schüttelt den Kopf. Jetzt sehe ich seine polnische Flagge in der Hand - die Nationalfarben des Herausforderers. Ich fürchte schlimmes - für Klitschko.
Er ruft mir zu: “Lena! Twelve Points!”
Jetzt bin ich wach - bei Sinnen. Freude. Schadenfreude? Dass, was Dieter Bohlen nicht geschafft hat, in sieben langatmigen Skandal-Staffeln und was die langweiligen und peinlichen Experimente der deutschen Eurovision-Macher in 28 Jahren nicht schafften, ist Stefan Raab gelungen: Frau zu finden. 19 Jahre jung. Aus Hannover. Wie die Scorpions. Singt jedoch wie Björk, Joe Cocker und Anne Clark - zumindest sehe und höre ich alle drei in der quirligen Abiturientin. Ich denke: Was ein Hype!
Ich freue mich plötzlich. Deutschland hat den Superstar! Ich lege mich schlafen. Nachmittags fahre ich nach Hannover zur Empfangsparty, nehme ich mir vor. Ich freue mich immer noch - bin jetzt Fan. Auch ich bin Lena.
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