Erst Lena - nun Horst!
Eine euphorische Welle und Lena-Fieber schüttelte ganz Deutschland in den letzten Tagen. Für manchen unerträglich, der Rummel um eine sympathische junge Frau, die bei der Ausbildung ihrer Stimme noch Einiges zu tun hat. Es sei ihr gegönnt und ganz Deutschland hatte nach langer Zeit, diversen Krisen und einem Berg Nullen (inkl. Minuszeichen) auf dem Bundeskonto mal wieder etwas Positives. Die Teutonen im Jammertal genossen die Aufmerksamkeit der Welt.
Heute Morgen geisterte durch das Netz die sicherlich spaßig gemeinte Variante: Lena for President! Raab feierte seinen vervielfachten Wetteinsatz und sonst schien es ein normaler Tag zu werden in Deutschland. Früher Nachmittag, durchgezappt an der Röhre, Schreckstarre, Haare raufen. Auf allen Kanälen die Eilmeldung, Bilder, Filmschnipsel und ernst dreinblickende Kommentatoren. Angeblich sei die heftige Kritik an einer Äußerung, deren Inhalt missverstanden worden ist, der Grund für den Rücktritt, so der Bundespräsident in seiner emotionalen Ansprache. Der mangelnde Respekt dem Amt gegenüber, so Köhler.
Köhler: Ich bin dann mal weg … (Foto: T.K. Hamburg)
Nun ist es sicherlich bedenklich, wenn Äußerungen missverstanden werden und daraus eine Medienkampagne zu werden droht. Doch darf man fragen: Hätte er - Kraft seines Amtes - nicht auch verbal zurückschlagen können? Ist der Grund nur ein vorgeschobener? Fühlt er sich von Lena hintergangen? Die nächsten Tage sind programmiert: Ernste Gesichter, die mit trauriger Stimme heuchlerisch sein Werk loben, seinen Rücktritt bedauern. Oder diesem sogar Respekt zeugen. (Kann man einem Rücktritt Respekt zollen??) Die Personalschlacht ist eröffnet, natürlich hinter dicken Türen und abseits der Öffentlichkeit. Es geht ja auch nicht um ein öffentliches Amt, sondern einen Posten, für den der Inhaber Mehrheiten haben muss. Das sind aber nicht seine (direkten) Wähler, sondern eben diese ernsten Gesichter mit dem richtigen kleinen Büchlein in der Tasche.
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