Archive für Juni 2010
2bAHEAD Zukunftskongress
19.6.2010 von Tom T. Köhler.
Gibt es etwas aufregenderes, als einen Blick in die Zukunft zu werfen? Ermöglicht wurde dies, als sich Denker und Lenker aus Europa zum inzwischen neunten Zukunftskongress vom 15. - 16.6. 2010 auf Schloss Oelber bei Salzgitter versammelten.
Brisante Themen
Mediale Heimaten, Kompensation von Krisen und Normenzukunft - eine Arbeitsgruppe befasste sich mit dem gesellschaftlichen Wandel durch technische Entwicklung und Verschiebung der sozialen Strukturen.
Die Schere zwischen Arm und Reich, Onlinern und Nonlinern und die soziale Sprengkraft solcher Prozess - eine völlig neue Struktur wird diese Gesellschaft neu definieren.
Das Aus für die Massenwirtschaft, die Beseitigung von Informations-Asymmetrien und neue Geschäftsmodelle verändern die Wirtschaft, die Produktion, die Arbeit.
Ausführliche Informationen zu diesen Themen finden Sie hier.
Kontakt zum Autor hier
Geschrieben in Wirtschaft (EU), Wirtschaft (D), Technik | Drucken | Keine Kommentare »
Eil: Twitter gestorben
9.6.2010 von Tom T. Köhler.
Geschrieben in Allgemeines Blog | Drucken | Keine Kommentare »
Unser Mann in Hamburg-Süd
7.6.2010 von Tom T. Köhler.
Hamburg-Finkenwerder - “Nehmen Sie Kontakt zu unserem Mann in Hamburg-Süd auf!” Der Redaktionsleiter schob bei dem leise gesagten Satz den Hut tief in die Stirn. Es lag etwas Beschwörendes in seiner Stimme, hier ging es um Wichtiges. Wie den Mann finden, was kann er mir sagen kann - alles mein Problem. Auf die Redaktion war kein Verlass. Da mussten alte Kontakte bemüht werden. Bei der Stackmeisterei Finkenwerder, einem Hafenbetrieb, hatte ich noch ein Eisen im Feuer. Einige Telefonate und Mails später wehte mir der Winterwind an der Pier am Köhlfleet um die Nase.
Balkenhol-Männer im Winterquartier (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
In einer Halle traf ich meinen Kontakt. Wir waren allein und keiner sprach ein Wort. Er war einer dieser wettergegerbten, rauhen, wortkargen Typen, die man im Norden oft findet. Es ist das Naturell der Norddeutschen und nicht bös gemeint. Seinen Kompagnon hatte er mitgebracht. Der stand genau so still und mit einem Blick gen nirgendwo neben ihm. Wir schwiegen uns an. Beide waren ziemlich heruntergekommen, ihre Kleidung bedurfte eines Tausches. Ihre Haut war spröde. Der Blick und die Haltung sprachen Bände. Was sie wohl schon alles erlebt hatten? Wetter - besser Unwetter, drückende Hitze, die ersten Fröste auf dem Wasser und ungezählte Boote, Schiffe, Kutter und Barkassen. Alle zogen an ihnen vorüber, ohne anzuhalten. Die Passagiere schauten meist erst ungläubig, später staunend zu ihnen. Ganz am Anfang, als sie neu waren, gab es sogar Notrufe bei der Polizei wegen ihnen. Kein Wunder, sie machen ganz schön was her und das noch an so ungewöhnlichen Orten. Große Worte waren mit den beiden nicht zu wechseln. Nach einigen Versuchen gelangen dann ein paar passable Fotoaufnahmen - für´s Archiv. Viel zu holen war hier nicht. Was nur der Redaktionsleiter dazu sagen würde …
Morgen im Hafen (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Wochen später kam aus Finkenwerder Nachricht. Es ist soweit, die Männer sollen weggebracht werden. Der eine nach Neumühlen, der andere an die Süderelbe-Brücken kurz vor Harburg. Nun musste ich mich sputen. In der Redaktion war das Thema längst in Vergessenheit geraten. Jetzt hieß es, wieder wettzumachen, was vorher misslang. Auf zum Köhlfleet, der Morgendunst will nicht weichen und die Sonne kämpft mühsam um Aufmerksamkeit. Die Kollegen vom Hamburg Journal sind auch schon da und schleppen sich mit ihrer Fernsehtechnik ab. Bei dem Gewimmel entlock ich den Typen kein Wort, so “gesprächig”, wie sie sich bisher angestellt haben.
Medieninteresse an Balkenhol-Mann (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Die Barkasse RICHARD KRANZ bringt uns stromauf nach Neumühlen. Ein Ponton mit Kran und dem Spezi meines Mannes aus Hamburg-Süd ist an der Barkasse vertäut. Wir fahren in das Morgenlicht, die Elbe spiegelt silberhell. Hinter uns holt ein Riesenpott mit einem Containerberg auf. Wir wechseln auf die Neumühlener Seite der Elbe und tasten uns langsam an den Zielort. Eine weitere Barkasse bringt einen Amtsträger, der höchstselbst und per GPS den genauen Standort festlegt. Ein großer Steinblock rauscht ins kalte Elbwasser, an seiner Kette hängt nun eine Boje. Die, so groß wie ein Kleinwagen, trägt den Neumühlen-Mann. Der steht immer noch so ruhig und bestimmt mit Blick gen nirgendwo. Allerdings hat er sich wohl zwischenzeitlich neue Klamotten besorgt. Jedenfalls ist sein Hemd strahlend weiß und die Hose schön schwarz. Seiner Haut gönnte er ein Make Up. Ohne lange zu warten, kehren wir um. Eine Barkasse nimmt den GPS-Amt-Mann wieder an Bord und entschwindet.
Balkenhol-Mann vor Neumühlen (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
In Finkenwerder kurze Pause. Die nutze ich, zu unserem Mann aus Hamburg-Süd etwas Vertrauen aufzubauen. Treib mich in seiner Nähe rum, mach ein freundliches Gesicht und schöne Morgensonnenfotos - doch nichts passiert. Wenn das so weitergeht, ist mir der Redaktionsrüffel sicher. Dasselbe Spiel von vorn. Barkasse, Ponton, Mann, Boje und elbaufwärts. Die Fahrt dauert etwas länger. Ich richte mich häuslich in der RICHARD KRANZ ein.
Balkenhol-Mann unterwegs (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Der brummelige 170 PS-Motor bestimmt die Geräuschkulisse. Zwei junge Burschen sind souverän am Werk. Einer steuert gelassen den Verband, blickt aufmerksam nach vorn und achtern. Der Tiefenmesser zeigt 18 Meter. Sein Kollege macht Inventur. Aus den Lautsprechern tönt es “In deiner Urkraft liegt es, durch den Sturm zu geh´n”. Doch Obacht, wir nähern uns dem DOCKLAND. Hier biegen wir ab Richtung Köhlbrandbrücke. Ohne Anmeldung per Funk geht das nicht. Die Brücke kommt näher, wirkt durch die grauen und niedrigen Wolken sehr bedrohlich. Vorbei am Container-Terminal Altenwerder, unter der Kattwykbrücke durch und am Kraftwerk Moorwerder längs geht es stromaufwärts.
Kurz vor den Süderelbebrücken steigt der GPS-Amt-Mann wieder zu und dirigiert den Verband vorsichtig zur gewünschten Stelle. Dabei erzählt er lachend über das erste Mal, als die Männer verbracht wurden. “Mit Senatsbarkasse und Kapelle, oh man, was für ein Spektakel!” Die Vorbereitungen dauern. Ein letzter Versuch, noch mehr Informationen zu bekommen, lässt mein Mann gelassen abblitzen. Er steht, die Hände verschränkt, auf seiner Boje und blickt gelassen zum Horizont. Dann geht alles schnell. Der Kran versenkt den Steinklotz, die Kette wird an der Boje befestigt, ein kurzer Ruck geht durch den Ponton. Der Mann dreht sich auf seinem Reich weg von uns, ist scheinbar froh, seinen ständigen Begleitern nicht mehr ausgeliefert zu sein. Wir legen ab. Die S-Bahn Richtung Hamburg donnert über die Brücke, zum Greifen nah.
Balkenhol-Mann vor Harburg (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Langsam, ganz langsam, dreht sich mein Mann aus Hamburg Süd in unsere Richtung und ich meine, er hat gelächelt. Unsere Rückfahrt stromab gelingt schnell, doch wird es auf der Elbe noch mal kabbelig. So ist es recht. Die Gischt platscht über den Bug, wir schaukeln wild und eines Seemannes Herz geht auf. Was ich der Redaktion erzählen soll, weiß ich noch nicht. Wenn Sie aber mal Interesse haben, meinen Mann aus Hamburg-Süd zu treffen, machen Sie folgendes: Fahren Sie mit der S-Bahn von Harburg Richtung Hamburg. Gleich nach der Abfahrt erreichen Sie die Süderelbe, schauen Sie auf der rechten Seite aus dem Fenster. Dort sehen sie ihn. Sie können auch im Sommer den Badestrand am Finkenrieker Hauptdeich aufsuchen. Dann erblicken Sie den Typen aus nächster Nähe.
Die vier Hamburger Bojenmänner: Seit 1993 schwimmen an vier verschiedenen Orten in der Hansestadt Bojen, auf denen Skulpturen aus Holz stehen. Sie sind das Werk des Künstlers Stephan Balkenhol (geb. 1957). Die 4 männlichen, farbigen Figuren aus Eichenholz sind täuschend echt angefertigt. Sie befinden sich auf der Außenalster (östliche Uferpromenade, Höhe Schwanenwyk), der Elbe (Elbstrand / Höhe Schulberg), der Süderelbe, östlich der Brücke des 17. Juni in Harburg sowie auf einem kleinen Flüsschen (Höhe Alte Holstenstraße) in Bergedorf. Der Künstler, der auch in Hamburg Kunst studierte, fertigte weitere Figuren. So steht vor dem Tierpark Hagenbeck eine Giraffe, an deren Hals ein Mann emporklettert. Zwei Skulpturen mit überlangen Beinen stehen vor der Öffentlichen Bücherhalle, Nähe Hauptbahnhof.
Kontakt zum Autor hier
Geschrieben in Kultur (HH) | Drucken | Keine Kommentare »
Schlagzeilen eines Tages - Bundespräsident dankt ab
1.6.2010 von Tom T. Köhler.
FR: Fahnenflucht
Bild: Horst … weg!
FTD: Fahnenflüchtig
Zeit: Ein Mann sagt Nein
TAZ: Da geht noch mehr!
SZ: Horst Köhler tritt zruück
BZ: Köhler läßt Merkel im Stich
Handelsblatt: Der tragische Präsident
Junge Welt: Horst Köhler will nicht mehr
Welt Kompakt: Köhler vermisst Respekt
MOPO: “Bundes-Horst” macht die Biege!
Hamburger Abendblatt: Horst Köhler wirft hin
Tagesspiegel: Köhler: Kein Respekt vor dem Amt
Bergedorfer Zeitung: Staunen und Bedauern - Köhler schockt Deustchland
Lübecker Nachrichten: Deutschland rätselt über Köhlers bitteren Abschied
Geschrieben in Bundespolitik, Deutschland | Drucken | Keine Kommentare »
Die hölzerne Riesin von Jeetze
1.6.2010 von Tom T. Köhler.
Jeetze / Hamburg - Ein Titel, der nicht so leicht verdaut wird. Was für eine Riesin? Wieso hölzern? Was ist Jeetze? Gemach, es handelt sich um ein Kinderbuch von Sina Kongehl. Sie ist Schriftstellerin und Illustratorin aus Bismark. Das Städtchen liegt in der nördlichen Altmark, zwischen Stendal und Salzwedel gelegen.
Die Geschichte handelt von Landwirtschaft, alter Technik, Freundschaft und dem Wesen des Menschen. Bendix Mesedorn, ein kleiner Junge und stolzer Enkel seiner geliebten Großeltern, ist der Titelheld. Er lebt in dem Dörfchen Jeetze. Oma und Opa besitzen eine Windmühle, die in einem Zustand ist, der Handeln erfordert. Gemeinsames Handeln, denn alleine schaffen es die drei nicht. Bendix macht sich auf die Suche nach Verbündeten für dieses Werk. Schwer enttäuscht bekommt er eine Abfuhr nach der Nächsten. Alle, die er anspricht, zeigen ihr wahres Gesicht. Nach vollmundigen Ankündigungen verweisen sie auf wenig Zeit, Krankheiten und andere Verbindlichkeiten.
Hölzerne Riesin - Mühle zu Jeetze (Foto: Tom Koehler, Hamburg)
Das Menschenbild von Bendix droht, zu zerbröckeln. Er erinnert sich an den Müllergesellen, der inzwischen ohne Arbeit zu Hause saß. Es braucht in modernen Zeiten keiner eine Windmühle. Das Mehl gibt es im Laden um die Ecke abgepackt und günstig. Die Mühen von Bendix werden belohnt: Eines schönen Tages und nach reichlicher Arbeit drehen sich die Mühlenflügel wieder. Übrigens, den Ort Jeetze gibt es wirklich und die Mühle auch. Kongehl ist rege und hat noch mehr Kinderbücher, Kurzgeschichten und sogar Krimis geschrieben. Sie finden einen Überblick hier.
Kontakt zum Autor hier:
Geschrieben in Feuilleton | Drucken | Keine Kommentare »