Meisterstücke der Tischlerinnung in Hamburger Handwerkskammer ausgestellt

Vom 16. - 22.08.2010 bot die Handwerkskammer ganz besonderen Menschen eine Bühne. TISCHLERMEISTERSTÜCKE hieß die hochinteressante Ausstellung. Die Hamburger Meisterschule Tischlerhandwerk ließ Ihre Favoriten auffahren. Die Schule ist eine Abteilung im Harburger Elbcampus, dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg.

Immenser Andrang

Alle Jahre wieder werden die ausgewählten Prüfungsarbeiten für den Tischlermeister der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dem versierten Heimwerker - vulgo Holzwurm - stockt der Atem. Dem Handwerksmeister nebst Gesellen gehen die Augen über. Doch auch Interessenten ohne fachlichen Hintergrund sind Gäste in der Handwerkskammer und bestaunen die Ideen und Materialien. Ehrfurcht verlangen einige Zahlen: Von der Idee bis zum fertigen Objekt vergehen bis zu 8 Monate. Reine Fertigungszeit für ein solches Stück: 180 Stunden. Doch die immense Arbeit, die in den Meisterwerken steckt, ist ein Augenschmaus! Die hohen Besucherzahlen führten zu etwas noch nie dagewesenem. Herwig Kathke, Bildungsmanager im Elbcampus: “So einen Andrang hatten wir noch nicht. Die reichlich gedruckten Begleithefte waren innerhalb von zwei Tagen vergriffen. Wir mussten nachdrucken lassen!”

Kickertisch Stefan Brink Oststeinbeck (c) www.abendfarben.de Kickertisch von Stefan Brink, Oststeinbeck (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Berühren verboten

Leider ist es nicht gestattet, die Stücke zu berühren. Doch danach verlangt es einem unbändig, wenn Maserungen und Rundungen vor einem stehen. Also ist es eine optische Reise, angenehm unterstützt durch den intensiven Duft nach Eiche, Nuss, Kirsche und Zebrano. Der Betrachter braucht erst mal einige Minuten, um die Sinneseindrücke zu verarbeiten. Die scheinbar geringe Zahl der Stücke lässt die Zeit elegant verstreichen. Oft klebt der Blick an Details, umschleicht der Besucher das Objekt immer und immer wieder. Verschiedene Hölzer versprühen ihren Charme und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Kickertisch aus Nussbaum steht geradezu im Weg. Sich ihm zu entziehen ist unmöglich. Die verchromten Stäbe mit schwarzen Griffen kontrastieren wunderbar mit dem edlen Holz. Der Clou: Ein Auszug an jedem Kopfende dient der Aufnahme der für ein Kickerturnier notwendigen Getränke. Der Begriff Lackaffe bekommt eine völlig neue Bedeutung, stellt sich der Besucher die Stunden vor, in denen der Tischler die Oberflächen behandelt. Durch unzählige Schichten entsteht eine Brillianz und Tiefe der Maserung, die ihresgleichen sucht.

Anrichte Per Völkel Hamburg (c) www.abendfarben.de Anrichte von Per Völkel, Hamburg (Foto: Tom Koehler, Hamburg)

Meisterwerke der Tischlerinnung

Die Stars der Besucher sind aber eine Anrichte aus Cocobolo und Ahorn - und ein unglaublicher Waschtisch aus Eiche mit atemberaubender Maserung. Doch eines nach dem anderen.Die Anrichte hat eine schachbrettartige Front mit erhabenen und vertieften Elementen. Ein genialer Mechanismus lässt die Türen durch leichten Druck nach außen schwenken. Das dunkle Holz strahlt eine Wärme und Behaglichkeit aus, die ein ungeübter Betrachter mich dem Schlagwort “Eiche rustikal” versehen würde. Doch die beiden Hölzer kooperieren hervorragend und der rotbraune Ton gewinnt seine Verehrer im Handumdrehen. Der Waschtisch zog jeden Besucher magisch an. Immer wieder die starke Versuchung, mit der Hand das Material zu erkunden - oh Folter, verboten! Es sind zwei Becken in das mehrfach verklebte Material gefräst. Das kleinere Becken dient den Händen und verfügt über eine sensorgesteuerte Wasserzufuhr. Dahinter verbirgt sich ein Fach, welches durch Druck darauf nach oben fährt. Das große Becken könnte einem Taufbecken zur Ehre gereichen. Die Oberflächen sind mit Hartöl behandelt und würden im heimischen Bad einen zauberhaften Duft verbreiten.

Waschtisch Mathias Wendt Norderstedt (c) www.abendfarben.de Waschtisch von Mathias Wendt, Norderstedt (Foto: Tom Koehler, Hamburg)

Alle Jahre wieder

Allen Stücken die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, sprengt leider den Platz. Allen angehenden Tischlermeistern sei beschieden, dass sie ihre Profession mit höchstem Einsatz und gelungener Kreativität ausüben. Die Liebe zum Detail, aber auch zum Material ist spürbar, erfahrbar. Dank gilt der Handwerkskammer, die ihr schönes Treppenhaus für die Ausstellung bereitstellte. Allen, die dem Material Holz mehr als nur den Brennwert abgewinnen können, sei empfohlen, im nächsten Jahr wieder mit staunenden Augen und offenen Mündern zu den Objekten der ganz besonderen Art zu pilgern.

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