Archive für Dezember 2011

Silvestergruß an die Leser des Jungjournalistenblogs

Einen Dank an die zahlreichen Leser des Blogs, die interessanten Kommentare und Ideen für Themen. Wir laden Sie auch 2012 ein, lesend an unserer Arbeit teilzunehmen. Und wenn Sie mögen, schreiben Sie doch auf unserem Portal. Neue Kollegen und Berufseinsteiger sind gern gesehen. Ihnen allen wünschen wir einen guten Rutsch, ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2012 und natürlich ein gutes Händchen für Themen, die bewegen.
Ihre Jungjournalisten

Gönn mir heute eine Pinkelpause

Strauchburg staunt. Ansichten eines Durchreisenden. Diesmal zur Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten.

An dieser Stelle finden Sie in unregelmäßigen Abständen die Beiträge des Durchreisenden Heiko D. von der Strauchburg. Er glossiert einige seiner Erlebnisse aus ganz Deutschland. Lassen Sie sich von seiner Sicht der Dinge zum Nachdenken oder Diskutieren inspirieren.

Deutschland - Weihnachten ist eine Zeit der Besinnung. Noch gestern in der Weihnachtspredigt habe ich mir anhören dürfen, was der Pastor meines Nebenwohnsitzes sagte: “Fürchtet euch nicht, wenn ihr in den Keller geht, wenn das Licht erlischt. Fürchtet euch nicht in einer dunklen Zeit, wenn ihr nicht versteht, was um euch herum passiert.” Er wolle mal nicht politisch werden, so der evangelische Theologe zu den gefühlten eine Million Menschen in der Kirche, die sonst sonntags ziemlich viele Sitzplätze für mich reserviert hält.

Über die Worte des Geistlichen denke ich nach, während ich bei leichtem Nieselregen und herbstlichen zehn Grad zu meiner Zweitwohnung gehe. Neben mir meine Nachbarin mit ihrem sechsjährigen Sohn. Der Kleine ist ganz aufgeregt. “Ich freue mich auf die Geschenke”, sagt er mit strahlenden Augen. Er verschwindet im eiligen Schritt hinter der nächsten Straßenecke - mit klarem Ziel vor Augen. Die Mutter will hingegen Zeit gewinnen, damit sie noch schnell die Balkontür öffnen kann, wenn sie zuhause ankommt. Sie flüstert mir zu: “Können Sie ihm ihren Weihnachtsbaum zeigen? In der Zeit mache ich schnell bei uns die Weihnachtsbaumkerzen an und öffne die Balkontür. Dann sieht der Junge, dass der Weihnachtsmann wirklich da war.” Ich halte ja nichts von Lügen und Betrug. Schon gar nicht am Heiligabend, dem Fest der Moral und des Friedens. Eigentlich nie. Mir wird nun jedoch gerade klar, dass das Weihnachtsfest letztlich auch nur eine perfekte Illusionsshow ist. Ist Illusion also immer verwerflich? Hilft sie nicht auch über das Dunkle in der Welt hinweg? Darüber will ich in den kommenden Tagen nachdenken, nehme ich mir vor. Dafür habe ich ja Zeit über Weihnachten - so ganz in Ruhe und allein.

Ich will nachdenken über Ereignisse des Jahres. Zum Beispiel über die Lichtgestalt der Politik, die über ihre Plagiate in einer Doktorarbeit gestolpert ist und hoffentlich für immer eine Fußnote der deutschen Geschichte sein wird. War es nicht herrlich, wie sich Freiherr zu Guttenberg wand und nach einigen Tagen der Salamitaktik-Wahrheitsfindung zurücktrat?

Wegen all der plumpen Illusionen schau ich mir auch nur sehr selten Werbesendungen an. Da wird fast immer mehr versprochen, als gehalten werden kann. Deshalb nehme ich gerne das Angebot der Fernsehsender wahr, wenn Werbeblöcke eingespielt werden - als  willkommene Fernsehunterbrechung für eine Pinkelpause oder für einen Bierversorgungsgang in den Keller, wo nur selten das Licht erlischt, wenn ich komme. Ich fürchte mich nicht vor der Manipulation der Werbung, denn ich umgehe sie - zumindest die im Fernsehen.

Deshalb werde ich auch heute an Weihnachten die angebotene Fernsehpause im öffentlich-rechtlichen Rundfunk annehmen. Sie denken, dort gibt es an Weihnachten gar keine Werbesendungen. Da liegen Sie völlig falsch. Heute wird die aufgezeichnete Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten übertragen. Erstmals schau ich sie mir nicht an. Moralische Worte müssen glaubwürdig sein, finde ich, sonst sind sie als Werbesendung oder plumpe Illusion einzustufen und überflüssig.

Beim Pastor am gestrigen Heiligabend war es mir eine Freude, ihm zuzuhören. Eine solche Freude konnte ich bei den Präsidentenansprachen zwar nie empfinden, doch dem  Weizsäcker hörte ich gerne zu, wegen der Tiefe seiner Gedanken. Herzog war ein Langweiler, sagte aber treffend kritische Dinge. Rau war großväterlich, ein netter Typ von nebenan, der mir die Welt erklärte. Köhler wirkte dagegen völlig technokratisch und kühl, fand aber als Fachmann die richtigen Worte in der Finanzkrise.

Von dem Neuen, dem Christian Wulff aus Niedersachsen, erwarte ich nichts. Er ist langweilig wie Herzog, zu jung, um Großvater zu sein, seine Worte waren bisher oberflächlich und nichtssagend. Von den Zusammenhängen der Wirtschaft versteht er nichts - wird sie mir deshalb nicht erklären können. Halt, Gedankenfehler! Er kennt die Wirtschaft doch viel besser, als ich gerade dachte. Er geht bei den Wirtschaftsbossen sprichwörtlich ein und aus.

Mich hat noch niemand zu einem Urlaub oder einem 500.000-Euro-Kredit eingeladen. Werfen Sie mir jetzt ruhig Neid vor. Wahrscheinlich schau ich auch deshalb keine Mercedes-Werbesendungen, weil ich mir diese Autos sowieso nicht leisten kann, werden sie mir, dem Neider, vorwerfen. Da steh ich drüber, denn ich weiß aus der Zeitung, was Bundespräsident Wulff nicht sagen wird. Er wird uns nichts über seine Reisen mit Maschmeyer, Ferres und Co. berichten. Es gibt also kein Boulevard, keine Regenbogenpresse im Gala-Stil - keine Unterhaltung. Es gibt eine Rede, die jeder Prediger der Kirchen besser und glaubwürdiger halten kann. Da mache ich lieber meine Pinkelpause, bevor es gemütlich wird im deutschen Fernsehen.

Joachim, Horst, Christian

Hat Deutschland das verdient? In einem Amt, dessen repräsentative Wirkung oft über der tatsächlichen Einflussnahme auf Richtungen, Diskussionen, Entscheidungen steht, ist der Wurm drin. Neben Wirtschafts-, Euro- und Bildungskrise nun auch noch eine Bundespräsidentenkrise.

In Krisen sind die Teutonen Spitze. Zum einen, weil Sie gern leiden, zum anderen, weil es so schön ablenkt. Von den tatsächlichen Problemen. Das Politikum zum höchsten Amt des Staates wird befeuert von all denen, die damit über ihre eigenen, hausgemachten Probleme hinwegsehen können. Schon bei Joachim Gauck ging es nicht ums Amt, sondern um die Person. Und um das Parteibuch. Der gefühlte Präsident Gauck musste dem installierten Horst Köhler weichen. Der schmiss hin, weil ihm irgendwas nicht passte. Genaues weiß man bis heute nicht. Zu vermuten ist, dass auch da wieder parteipolitischtaktische Spielchen gespielt wurden. Und nun haben wir auch noch den Fall Christian Wulff. Ein Kreditchen da, ein Urlaub dort, eine Reise nach irgendwo. Und die Opposition wetzt die Messer. Muss sie doch eine Diskussion gegen die derzeitige Koalition am Laufen halten. Weil, siehe oben, es so schön vom eigenen Versagen ablenkt. Ehemals an der Macht, hätte ja so manches besser laufen können.

Politische Kleingeistigkeit, mediales Perpetuum Mobile und Profilierungssucht sind wichtiger, als die Entscheidungen zu einer langfristigen Entwicklung von Deutschland in Europa. Sie sind wichtiger, als grundlegende Weichenstellungen zu einer Nation, die in soziale Differenzen und Bildungsmangel abrutscht. Eine Möglichkeit wäre, wenn der Bundespräsident jetzt eine Ruck-Rede hält. Eine, die aufhorchen lässt. In der er klarstellt, dass die Verbindungen als Minister zu Personen nichts mit seiner Arbeit als Präsident zu tun haben. Und die unsägliche Diskussion zu seinem Amt durch eine andere ersetzt. Eine Diskussion über unser Land und seine Zukunft. So wird er dem Amt gerecht und seinem Land.

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Vermögen ist mehr als nur Geld – was motiviert Menschen, zu geben?

Eine Veranstaltung der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik im Business Club Hamburg. Philanthropisches Handeln entsteht nicht von allein. Was bewegt Menschen und Mäzene dazu? Ist Vermögen auch Zeit, Wissen, Engagement? Spannende Fragen und interessante Gäste auf dem Podium.

stiftung wirtschaftsethik hamburg logo

7 Thesen für eine neue Vermögenskultur

Zu Beginn führte Dr. Knut Bergmann in das Thema ein. Als Fellow der Stiftung Neue Verantwortung trug er sieben Thesen für eine neue Vermögenskultur vor. Die haben es in sich. Reich sind nicht nur die anderen. Reich ist jeder Mensch, nicht immer im materiellen Sinne. Wissen, Zeit und Engagement können in der Gesellschaft ebenso wirken und ein lebendiger Beitrag zum Gemeinwohl sein. Die Vermögenskultur braucht Vorbilder. Es ist notwendig, dass sich Menschen mit ihren guten Taten – und dem eingesetzten Geld - in das Licht der Öffentlichkeit stellen. Gerade das Hamburger Understatement gebietet Hilfe abseits der Medienöffentlichkeit. Es gehört zum „guten Ton“. Doch schlägt dieses Verhalten zurück auf die Menschen, die zum „guten Tun“ motiviert werden sollen. Wenn „die da oben“ nichts für „die da unten“ tun, warum soll ich mich dann engagieren? Bergmann: „Sozialstaatslastige Biografien sind keine Antreiber“. Sie fördern auch nicht die Schwarmintelligenz. Schwarm-Verantwortung muss erst wieder erlernt werden. Wozu soll ich geben, wenn Vater Staat alles regelt?

Diskussion Vermögenskultur Stiftung Wirtschaftsethik Hamburg Schmidt, Steinberg Boysen, Krämer, Bergmann

Denn sie wissen, was sie tun

Eine Runde auf dem Podium, die symptomatisch für ein neues Denken in der Gesellschaft ist: Peter Krämer (Reeder und Großspender), Christian Steinberg (Stifter) und Dr. Wolf Schmidt (Anstifter). Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Jacqueline Boysen. Vermögen ist mehr als Geld, wie sehen die guten Werte aus? Krämer: „Ist Staates Kasse leer, privates Engagement muss her.“ Doch so einfach ist es nicht. Die private oder privatwirtschaftliche Hilfe darf kein Ersatz für Staatsaufgaben sein. Er darf sich nicht aus der Verantwortung drücken, sobald sich Mäzene und Großspender einem Problem annehmen. „Der Staat muss elementare Aufgaben wahrnehmen. Dafür sind Steuern da!“ und weiter „Die Spaltung geht so nicht mehr weiter! Die reichste Stadt Deutschlands hat die größte Kinderarmut.“ Krämer ist sauer. Steinberg sekundiert: „Vieles läuft nicht mehr so, wie es soll. Der große Umfang vieler Spenden wird nicht mehr honoriert.“ Doch sind die beiden Herren einer kleinen Gruppe zugehörig. Ihnen ermöglichte die Bundesrepublik einen wirtschaftlichen Aufstieg, der in seiner Größe auch große Spenden zulässt. Die Masse der Spenden sind aber kleine und Kleinstspenden. Und Geld allein macht auch nicht glücklich.

Euro-Schein Grafik: EZB

Wir brauchen eine neue Anerkennungskultur

Laut Krämer sind es in der Bundesrepublik ca. 23 Millionen Ehrenamtliche (über 14 Jahre), die sich in Sportvereinen, Hospizen oder der Feuerwehr engagieren. Eine gewaltige Zahl, gemessen an der Bevölkerungsgröße von etwas über 80 Millionen. Diese Menschen geben viel Lebenszeit, Kraft und auch Geld für gemeinnützige Zwecke. Ihr Wissen und Engagement ist ein geldwerter Teil der Hilfe in der Gesellschaft. Und die bedarf einer grundsätzlichen Anerkennungskultur. „Lasst uns ein rauschendes Fest feiern. Auf dem Rathausmarkt. Mit 30.000 Ehrenamtlichen!“ so Steinberg. Es ist tragisch, so Bergmann, „wie wenig verstanden wird, was es heißt, Gutes zu tun!“ Orden sind da nicht die erste Wahl. Und Treff(ch)en beim Bundespräsidenten einmal im Jahr auch nicht. Nochmals Steinberg: „Orden sind Mist!“ Man spürt, wie ihn der Unverstand der öffentlichen Hand ärgert. Helfen muss normal werden. Solange wir staunend davor stehen, ist es unnormal. Vielleicht kann Deutschland, traditionell mit den USA verbunden, auch auf diesem Gebiet etwas von den Menschen dort lernen. Sozialarbeit, Engagement in Vereinen und Kirchen, öffentliche Spenden von Unternehmen – alles selbstverständlich. Und leider auch dort nötig.

Plangesche Villa, Business Club Hamburg Plangesche Villa, Business Club Hamburg (alle Fotos: Tom Koehler, Hamburg)

Dankeschön und Hilflosigkeit

Das Unvermögen der Vermögenslosen nennt Schmidt die Situation, in der Menschen in ihrer momentanen Situation nicht bereit sind, ihren Teil für die Gesellschaft zu tun. Gern sieht er die Starre gewandelt in ein Vermögen der Unvermögenden. Sie können in kleinen und kleinsten Schritten helfen. Und wenn sie das tun, soll ihnen auch klar sein, dass der Dank dafür auch freiwillig ist. Hilfe ist kein Geschäft, keine Rechnung, die man aufmachen kann. Wenn die Gesellschaft aber erkennt, was ihr an Werten entgegengebracht wird, wird sie sehr freiwillig dafür danken. Und dann weckt dies auch in den Menschen, die noch nicht so aktiv sind, den Wunsch nach Selbstwirksamkeit. Ihre Tat, ihr Engagement bewirkt etwas und sie sehen oder spüren es fast ohne Zeitverzug. Eine sehr direkte Art des Dankes. Ob es ein Händedruck ist, glänzende Kinderaugen oder eine lachende Seniorengruppe – der Dank ist vielfältig. Das Wissen über diesen Mechanismus macht Macht in den Köpfen derer, die über die gute Tat berichten. Und bei denen, die über die über die ökonomischen Mittel verfügen. Dann geht es nicht mehr um ein Foto mit dem Bundespräsidenten, sondern um eine ganze Gesellschaft, die verstanden hat, reagiert und sich in ihrer Gesamtheit für den Nachbarn, den Bedürftigen, den Benachteiligten engagiert. Bis das die Politik endlich verstanden hat, braucht es noch die Krämers und Steinbergs in der Bundesrepublik.

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CSR in Hamburg: Neue Verantwortung, oder schon längst an der Tagesordnung?

In Fortsetzung einer Reihe zu Corporate Social Responsibility (CSR) lud die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik am 06.12.11 in die Handelskammer Hamburg ein. Sind die Hanseaten Vorreiter im werteorientierten Wirtschaften? Können andere Unternehmen vom Hamburger Kaufmann noch etwas lernen?

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Typisch hanseatisch

Hamburgs Handelskultur, das Bild eines ehrbaren Kaufmanns, hanseatisches Understatement – viele Analogien fallen dem Betrachter ein, wenn er Handel und Wandel der Hansestadt meint. Es schimpfte einst Heinrich Heine über die Pfeffersäcke, die Kaufleute, denen Geld durch den Handel mit Gewürzen in Strömen zufloss. In einer globalisierten Welt lässt sich noch mehr Geld verdienen, auch von Hamburg aus. Macht dies die Hanseaten nun zu größeren Pfeffersäcken? Oder nehmen Sie ihre Verantwortung ernst, handeln vorbildlich, verantwortungsvoll und nachhaltig? Diese spannenden Fragen stellte Moderatorin Susanne Kluge-Paustian an Andreas Bartmann (Globetrotter-Ausrüstungen), Inken Hollmann-Peters (Beiersdorf AG) und Cord Wöhlke (Bundikowski GmbH und Co. KG).

Handelskammer Hamburg Handelskammer Hamburg

Werte? Werte!

Schnelle Fragerunde am Anfang ins Publikum. Welche Werte sind ihnen wichtig? Verbindlichkeit, Transparenz, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauen, Ethik, Rechtschaffenheit. Das sind eine Menge harter Fakten, denen sich die drei Gäste stellen mussten. Doch, so Cord Wöhlke, ist es das Wichtigste, dies auch zu leben. „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein!“ Es ist die große Motivation, der Antrieb und die Chance, als Unternehmer etwas bewegen zu wollen. Das Publikum nimmt ihm diese Einstellung ab. Budni, wie die Hamburger sagen, ist eine der ganz großen Marken der Hansestadt. Als Drogeriemarkt in den 50ern gestartet, hat das Unternehmen heute über 140 Filialen. Neben den gängigen Produkten wurde eine eigene Linie aufgebaut, die dem nachhaltigen und ökologischen Wirtschaften gerecht wird. Die Sicht der Dinge wird offenbar, als es um Definitionen geht. Inken Hollmann-Peters spricht in ihren Berichten über die Arbeit von Beiersdorf von Kosten. Wöhlke hält gegen: „Das sind Investitionen!“ Er lebt seine Vision von einem anderen Wirtschaften und dem verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern. Werden diese gefragt, warum sie zu Budni wollen, kommen als Antworten vor allem das Weiterbildungsangebot und das soziale Engagement.

Balanceakt CSR Balaceakt Corporate Social Responsibility (CSR)

Laut oder leise?

Corporate Social Responsibility wirft mehr Fragen auf, wenn die Auswirkung, die Außenwirkung betrachtet wird. Gerade den Hamburger Unternehmern und Stiftern gelingt nach Ansicht von Besuchern der Veranstaltung nicht immer, ihr gutes Tun auch herauszustellen. Doch da ist es wieder, das Hamburger Understatement. Es wird geholfen, unterstützt, finanziert, gebaut. Aber leise und effizient. Tue Gutes, und sprich nicht drüber. Auch Andreas Bartmann von lebt unternehmerisch eine Vision. Einen Teil auch öffentlich. Seine Mitarbeiter werden gefördert, wenn sie sich weltweit in Projekten engagieren. Sie bekommen dafür sogar bezahlten Urlaub. 64 Nationen stellen die Menschen, die bei und für Globetrotter arbeiten. Ein weltweiter Konzern, der auch weltweit Lieferanten hat. Mit der Konsequenz, dass bei den Partnern von Globetrotter ein permanentes Monitoring läuft. Bartmann selbst spricht mit den Geschäftsführern der Lieferfirmen. Er erfährt schnell, ob nur das Interesse besteht, mit den Produkten bei der Outdoor-Ausrüsterfirma gelistet zu werden. Oder „ob die Mitarbeiter in ordentlichen Räumen arbeiten, die Kantine sauber ist, die Bezahlung stimmt.“ Da hakt einer nach, schaut hin und kann damit etwas bewegen. Das ist weit mehr, als nur ein Projekt zu finanzieren oder eine Spende abzuliefern. Nachhaltiges Wirtschaften zieht Kreise, verändert längerfristig die Art des Handels, den Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern. Leitlinien für Lieferanten und die Chance auf Veränderung sorgen für einen neuen Umgang von Unternehmen. Werden Werte transportiert, werden eigene Messlatten auch an andere gelegt, entsteht bei Missständen der Druck, etwas zu ändern. Und die Chance, weiterhin gelistet, weiter Lieferant zu sein.

Podium Stiftung Wirtschaftsethik CSR Hamburg Podium Stiftung für Wirtschaftsethik

Ohne Moos nix los

Um Gutes zu tun, heißt es, gut zu wirtschaften. Ein Unternehmen muss sich um die Produkte, die Strategie und Liquidität sorgen. So werden Arbeitsplätze gesichert, entsteht verwendbares Vermögen für die gute Tat. Dem sind sich die Gäste auf dem Podium wohl bewusst. Nur ein gesundes Unternehmen kann es sich leisten, Geld, Ressourcen, Logistik oder gar Personal für gemeinnützige Zwecke bereitzustellen. Das Wirtschaften haben die Hamburger in Jahrhunderten gelernt. Die CSR in ein paar Jahren. Die Auswirkungen werden unsere Kinder oder Enkel spüren. Und sie können dann gar nicht nachvollziehen, warum ein Mann namens Heine so über die Hamburger herzog.

Um dem Thema CSR gerecht zu werden, organisiert die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik gemeinsam mit der Hamburg School of Business Administration weitere Termine für Gespräche zu CSR: Am 27.03.12 in der Schnittke Akademie, am 21.06.12 in der Handelskammer, am 27.09.12 in der Akademie und am 04.12.12 wieder in der Handelskammer. Anmeldung per Mail erforderlich.

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Schuldenbremse in Deutschland: Staatsfinanzen unter Kontrolle?

In der Hamburger Niederlassung der Deutschen Bundesbank fand am 05.12.11 die letzte Veranstaltung des Jahres statt. Das Thema sorgte für reichlichen Zulauf interessierter Hamburger. Die hielten der Reihe „Forum Bundesbank“ über Monate die Treue. Sehr zufrieden waren damit Organisatoren und Referenten. Der Erfolg: Die Reihe wird 2012 fortgesetzt.

Altes Geld? Eine Frage des Geldes

Deutschland – eine Insel der Seligen?

Dr. Jürgen Hamker, in der Zentrale der Bundesbank im Bereich Volkswirtschaft zuständig für den Bereich „Öffentliche Verschuldung“ benutzte das Sinnbild. Doch mit der Seligkeit wird es bald vorbei sein. „Die Schuldenlast ist für Deutschland auf Dauer nicht mehr tragbar!“, so Hamker. Das weiß inzwischen auch der gepflegte Stammtisch. Doch mit welchen Mitteln soll der ausufernden Verschuldung begegnet werden? Wie viel ist denn noch drin im Staatssäckel für Eurohilfen, Rettungsschirme und Co.? Im Monatsbericht Oktober der Bundesbank wird ausführlich dazu Stellung genommen. Laden Sie ihn hier herunter.
Vorbelastungen sorgen für Verunsicherung. Denn nicht nur das Vertrauen in die Kapitalmärkte sinkt, sondern auch in die Leistungsfähigkeit des Staates. Belastungen der Sozialsysteme ziehen Leistungskürzungen nach sich. Doch ohne den Bürger, so Hamker, sind Maßnahmen zu Konsolidierung des Haushaltes nicht zu machen. Diese müssen Entscheidungen dazu voll unterstützen. Anders geht es aus, wenn dem Staat die Referenz entzogen wird. Bestes Beispiel Griechenland. Dort gingen die mehr als verunsicherten Bürger des Landes zuhauf auf die Straße. Ein Generalstreik jagte den Nächsten.

Was tun?

Die Möglichkeiten der Begrenzung ausufernder Verschuldung wären Zinsaufschläge oder ein Vertrauen auf den Marktmechanismus. Leider greifen diese Maßnahmen mit starker zeitlicher Verzögerung. Besser, so Hamker, ist ein frühzeitiges Erkennen UND Handeln. Diese Kritik richtete sich auch direkt an die griechischen Kollegen. Bisherige Regeln haben stets einen geringen Abschreckungsgrad gehabt. Geplante Verschärfungen wurden unterbunden. Defizite wurden „gestaltet“ (Griechenland). Zahlreiche Ausnahmeregeln sorgten für Schlupflöcher und Hintertüren.
Deutsche Politiker arbeiteten mehrere Jahre an einer Bremse für die weitere Verschuldung. Also die neue Aufnahme weiterer Kredite über die derzeitig schon Laufenden hinaus. In Artikel 109 des Grundgesetzes schrieben sie den Plan zur Konsolidierung fest. Der Einstieg erfolgte mit dem Haushalt 2011. Voll greifen soll die Schuldenbremse mit dem Haushalt 2016. Doch in den fünf Jahren fließt viel Wasser die Elbe hinab. Bei derzeitigen Turbulenzen auf dem Finanzmarkt und dem tiefgreifenden Wandel der Weltwirtschaft ist eine Vorausschau schwer. Allein die Belastungen durch Euro-Rettungsschirm und Bankenrettung führten schon zu einer Schieflage des Haushaltes.
Dr. Hamker, Deutsche Bundesbank Dr. Hamker, Deutsche Bundesbank


Realität bestätigt Planungen

Zeitgleich mit dem Vortrag in Hamburg trafen sich auf dem deutsch-französischen Gipfel Bundeskanzlerin Merkel und Staatschef Sarkozi. Mit ihren Forderungen nach automatischen Sanktionen und einer Schuldenbremse für alle (europäischen Staaten) bestätigten sie die grundsätzlichen Überlegungen der Bundesbank. Die Ratingagentur Standard&Poors kündigte an, nicht nur Deutschland, sondern alle weiteren (noch gut bewerteten) Euroländer eine weniger gute Aussicht zu bescheinigen. Eine Herabstufung in voller Absicht, und nicht aus Versehen (wie mit Frankreich geschehen). Die Aufgaben für alle Staaten sind die gleichen. Ohne einen Stop der weiteren Staatsverschuldung wird der Markt seine Wirkung entfalten. Über Zinsen für Kredite. Und das bekommt auf Dauer auch der deutschen Wirtschaft nicht.

Staatsverschuldung Deutschland Staatsverschuldung Deutschland (Alle Fotos: Tom Köhler, Hamburg)

Bleiben Sie neugierig!

Am 16.01.2012 ist der Auftakt des „Forum Bundesbank“ im zweiten Jahr der Veranstaltungsreihe. Das Thema wird sicherlich wieder für regen Zuspruch durch interessierte Hamburger und Gäste sorgen: Die Rolle Deutschlands in einer sich wandelnden Weltwirtschaft. Spannende Themen, von kundigen Referenten aufbereitet, werden die Besucher in eine sonst verschlossene Welt der Wirtschaft führen.

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Tag des Ehrenamtes 2011

Rund 600.000 Ehrenamtliche sind in Sachsen-Anhalt in ihrer Freizeit in einem Verein, einer Gruppe oder Initiative aktiv. Das mitteldeutsche Bundesland ist das mit den meisten Ehrenamtlichen. Einer davon ist Wilfried Krüger.
Der graue Kombi hat am Morgen eigentlich nur ein kurzes Stück zu fahren. Vom Wohnhaus bis zum Büro ist es nicht mal ein Kilometer. Diese Strecke wird oft noch durch Stopps unterbrochen. Sei es der Gemeindearbeiter, der Fragen hat oder ein Anwohner, der seine Sorgen loswerden will. Der Fahrer ist Wilfried Krüger, ehrenamtlicher Bürgermeister in Jeetze, einem kleinen Dorf in der nördlichen Altmark, Nähe Salzwedel. Der trainierte Mittfünfziger sitzt nun in seinem kleinen Büro, streicht sich mit seinen kräftigen Händen durch sein ergrautes festes Haar, während er am Telefon Anweisungen gibt. „Du besorgst die Musik und verhandele den Preis!“ Wilfried Krüger bereitet den Mühlenball vor. Der Verein zur Erhaltung der Windmühle feiert sein 15jähriges Bestehen. Wilfried Krüger ist Vorsitzender. Auf seinem Schreibtisch häufen sich Papiere. Rechnungen, Warenbestellungen und Protokolle aus den Sitzungen des Gemeinderates. Dort kann er seiner Leidenschaft Politik frönen.

Jeetzer Dorfkirche, Altmark

Ein ganz normales Dorf
Der Ort hat etwa 450 Einwohner und die sind sehr rege: Feuerwehr mit Jugendfeuerwehr, Seniorengruppe, Jägerschaft, Mühlenverein, Männergesangsverein. Ein gut besuchter Kindergarten zieht die Kleinen aus der Umgebung an. Der gelernter Maurer Krüger, vor der Wende Betriebshandwerker in der örtlichen Lederwarenfabrik, machte sich 1990 schnell selbstständig. Erst wurden aus der Garage heraus Getränke verkauft. „Wir sind mit dem LKW in den Westen gefahren und haben Saft, Bier, Wasser von da geholt. Das waren Zeiten“, so Krüger. Danach wird eine kleine Videothek eröffnet. Das Geschäft blüht, jeder will Videos sehen. Leider gibt es ein Feuer. „Ich war froh, als das abgewickelt war. Außerdem war der Laden schon in Planung.“ Die Dorfstraßenerneuerung war sein größter Coup, da ist er stolz drauf. „Die Fördermittel zu bekommen, war nicht ganz einfach. Doch mit dem kaputten Kopfsteinpflaster ging es nicht mehr weiter!“ Krüger grinst über die ganze Breite des Gesichts. Es ist ihm anzusehen, dass er eng mit dem kleinen Dorf verwachsen ist. „Jeetze hättet ihr mal früher sehen sollen“ sagt er jedem, der ungläubig den blitzblanken Ort bestaunt. Ganz selten setzt er sein Bürgermeistergesicht auf, ein ernstes, dienstliches, keinen Widerspruch duldendes Gesicht. Eine wilde Bebauung ohne Genehmigung, ein Hund ohne Leine. Es sind eher die Ausnahmen. Sein Spruch ist. „Leben und leben lassen“.

Jeetzer Bockwindmühle, Altmark

Dorfladen, Friseur, Kneipe
Später kaufte er das Gebäude, in dem auch früher der Einkaufsladen war, baute es aus, schaffte Wege und einen Parkplatz. Eröffnete den Laden neu. Im selben Gebäude untergebracht: eine kleine Kneipe mit Veranstaltungsraum und ein Friseur, der einmal die Woche geöffnet hatte. Ohne Termine geht da gar nichts, so voll war es an diesem einen Tag. Wilfried Krüger ist immer in Aktion, die Ausdauer in Person, aber als Macher auch unduldsam. „Wenn es nicht vorwärtsgeht, jemand schlampert, nicht mitzieht, werde ich schnell grimmig“, sagt er. Und das sei der Preis für unendliche Arbeit, Aufreiben im Alltag, die wenige Freizeit: „Der meuternde Magen beschert mir Schmerzen, lässt mich wenig essen.“ Es ist eine Freizeit, die meist im gesellschaftlichen Engagement aufgeht. Da eine Sitzung, dort ein Bauprojekt, hier Besprechung mit dem Bauunternehmer bei der Erneuerung von Straßen und Wegen, da eine Vereinssitzung, auch ohne Mitglied zu sein. Das Nebenamt Bürgermeister verpflichtet in dem kleinen Dörfchen. Allerdings wünscht er sich, mehr Zeit für seine Familie und das Geschäft zu haben.

Familienleben und Geschäftsmann
Krüger ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Er hat zwei erwachsene Kinder und ist sehr stolzer Großvater eines Enkels. An seinen Kindern hängt der Multijobber Wilfried sehr. Wünsche werden eins zu eins umgesetzt. Er gönnte sich einen neuen Laptop. Lange war er nicht in seinem Besitz. Seine jüngere Tochter brauchte nur mit Kulleraugen und Schmollmund zu drohen, da hatte Krüger mal einen Laptop. Seine Große brachte mit Komplikationen den lang erwarteten Enkel zur Welt. Seine Frau sagte damals: „Es war einer der wenigen Momente, wo mein Wilfried, dieser starke, zupackende Mann, geweint hat“ Der Einkaufsladen ist der zentrale Anlaufpunkt im Dorf. Besonders für Ältere ist es die einzige Möglichkeit, sich zu versorgen. Er nimmt Wäsche mit zur Reinigung, besorgt Präsentkörbe für Ehrungen. Fast jeden Abend brennt noch lange das Licht in seinem Büro. Krüger macht die Abrechnungen und Bestellungen für das Geschäft. Doch die schlechte wirtschaftliche Lage merkt er auch beim Umsatz im Geschäft und in der Kneipe.

Sonnenaufgang Jeetzer Berg, Altmark  Alle Fotos aus Jeetze: Tom Koehler, Hamburg
Vereine leben weiter
Das Dorf entvölkert sich langsam. Es wird gestorben, doch Kinder werden kaum geboren. Die jungen Menschen fliehen aus der dörflichen Stille in die Städte und zu den Arbeitsplätzen im Westen. Eine Hochzeit im Dorf, eine Geburt, das sind echte Höhepunkte im Gemeindeleben. Die Glocken der kleinen Kirche läuten dann aus freudigem Anlass. Wer den noch nicht kennt, ruft dann bei Wilfried Krüger an und fragt danach. Der Wirt Wilfried Krüger ist Betreiber einer Gaststätte mit Saal, in dem Feiern stattfinden. Silvester, Seniorentreff, Feuerwehrball, Jägerfest, Geburtstage, wohl jeder im Dorf ist mindestens einmal im Jahr dort zu Gast. Das Konzept: Wilfried Krüger verkauft die Getränke zum Ladenpreis, macht die Feiern dadurch erschwinglich. „So manches Fest endet erst im Morgengrauen. Und wenn das im Winter ist, weißt Du, was das bedeutet“. Er feiert gern mit, kann mit alten Kumpels auch einen drauf machen. Doch danach muss aufgeräumt und sauber gemacht werden, also ist nichts mit Ausschlafen am Sonntagmorgen nach der großen Sause. Um 10 Uhr öffnet er Türen und Fenster, startet die Stereoanlage und rockt über das Parkett. Rockmusik ist seine Welt, auch die Oldies aus der DDR. Er kennt die Texte, singt mit. Krüger fährt jetzt noch zu Karat, den Puhdys oder zur Stern Combo Meissen, feiert auf dem Konzert bis in die Nacht, schläft im Auto. Er kann es nicht lassen. Dort findet er den Ausgleich zu seinem aktiven, anstrengenden Leben. Kann sich noch mal jung fühlen, wird erinnert an wilde Jugendzeiten.
Seine zweite Leidenschaft, die für Politik, wird durch ihn selbst bald beendet werden. „Wir bekamen eine Großgemeinde und seit dem bin ich kein Bürgermeister mehr. „Meine Amtszeit läuft bald aus. Entschieden wird nun woanders.“ Er, der gern regiert, bestimmt, die Richtung vorgibt, nimmt Abschied von der Macht. Doch als Vorsitzender des Mühlenvereines kann er weiter der Macher sein. Unermüdlich, ideenreich und einer von über einer halben Million Ehrenamtlichen in Sachsen-Anhalt.

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