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Medienpreis des Reservistenverbandes ausgeschrieben
15.2.2010 von Detlef Struckhof.
Bonn – Unter dem Motto „Demokratie muss wehrhaft sein“ schreibt der Reservistenverband seinen diesjährigen Medienpreis „Goldener Igel“ aus. Bereits zum achten Mal wählt eine Fachjury Beiträge aus Print, Hörfunk und Fernsehen rund um das Themengebiet Bundeswehr oder Reservisten aus, die neben sorgfältiger Deutung von Fakten rund ums Thema auch in Sprache, Stil und Allgemeinverständlichkeit preiswürdig sind.
Der Reservistenverband lobt Preise in Höhe von insgesamt 6.000 Euro aus. Bewerben können sich die Journalisten selbst oder ein Beitrag kann als Empfehlung eingereicht werden. Die Beiträge müssen zwischen September 2008 und dem 30. Juli 2010 in einem Medium veröffentlicht worden sein. Einsendeschluss ist der 31. Juli dieses Jahres.
Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. (VdRBw) – kurz Reservistenverband – hat zurzeit mehr als 123.000 Mitglieder. Er betreut im Auftrag der Bundeswehr alle Reservisten Deutschlands. Der Verband versteht sich als Mittler verteidigungs- und sicherheitspolitischer Themen in der Gesellschaft. Er feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Der Medienpreis wird im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten im Herbst in Berlin verliehen.
Weitere Infos zum Medienpreis: Ausschreibung Goldener Igel 2010 als PDF
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„Internetnutzer wollen auch künftig nicht bezahlen“
30.10.2009 von Detlef Struckhof.
Yahoo-Chef Terry von Bibra will gemeinsam mit Medienkonzernen neue Erlösmodelle entwickeln. Er regt strategische Partnerschaften an. Damit sollen sich journalistische Beiträge auch für Medienkonzerne rechnen, denn Internetnutzer werden nur für exklusive Inhalte zahlen, glaubt von Bibra.
Foto: Terry von Bibra, Yahoo-Chef Deutschland. (Yahoo! Deutschland)
München – Bezahlkonzepte für Inhalte im Internet werden scheitern. Das glaubt Terry von Bibra, Geschäftsführer von Yahoo Deutschland. Er sagt: „Die Nutzer sind es gewohnt, dass sie im Web zu jeder Zeit ein riesiges Angebot an Top-Inhalten vorfinden.“ Verschiedenste Untersuchungen belegten, dass Internetnutzer nicht oder nur kaum bereit sind, für Inhalte im Netz zu bezahlen. Eine Ausnahme sehe er nur für Nischenthemen oder Spezialinhalte, die exklusiv im Internet verfügbar sind. Hier könne er sich vorstellen, dass Nutzer dafür bezahlen.
Online-Nutzer sollen für Berichte zahlen
Zuletzt hatte sich am Montag der Vorsitzende des bayrischen Zeitungsverleger-Verbandes (VBZV), Andreas Scherer, für Bezahlinhalte – Paid Content genannt – im Internet eingesetzt. Er will durchsetzen, dass künftig nur noch die Zeitungsabonnenten kostenfrei im Internet auf Zeitungsartikel zugreifen können. „Es ist nur fair und richtig, Online-User an unseren Aufwendungen zu beteiligen“, sagte Scherer, der auch Geschäftsführer der Augsburger Allgemeinen Zeitung ist.
Verschmelzung von traditionellen Medien und Internet unausweichlich
Yahoo prophezeit der Verlagsbrache, sie stehe vor weiteren Umbrüchen. Von Bibra plädiert für strategische Partnerschaften zwischen Medienkonzernen und Internetanbietern. Er sagt: „Eine noch intensivere Verschmelzung der traditionellen Medien mit dem Internet wird unausweichlich sein.“ In einer Pressemitteilung bietet er den Medienkonzernen an, „gemeinsam neue Erlösmodelle zu entwickeln“.
Verlagshäuser wollen Gemeinschaftsaktion für Paid Content
Die deutschen Verleger sind seit Jahren bemüht, ihre Internetauftritte profitabel zu gestalten. Bisher gelingt das nur wenigen Anbietern. Meist führten die kostenlosen Beiträge im Internet in der Vergangenheit zu einem verstärkten Rückgang bei den Abonnements. Die rückläufigen Anzeigenmärkte und die stagnierenden Verkaufszahlen erschweren den Verlagen immer häufiger positive Bilanzen zu präsentieren. Deshalb wollen immer mehr Verlagshäuser die Einführung von Bezahlkonzepten durchsetzen – möglichst in einer Gemeinschaftsaktion aller Medienkonzerne.
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Enteignung, ein Geschenk
5.10.2009 von Detlef Struckhof.
Symbolfoto: Die HRE hat kein Geld mehr zu verteilen. (Tom Köhler)
Zur Enteigung der HRE-Aktionäre am heutigen Montag, ein Kommentar von Detlef Struckhof:
Die letzten Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) haben ihre Anteile an den Bund verloren. Sie sind heute zwangsenteignet worden. 1,30 Euro zahlt die Bundesrepublik Deutschland für jede Aktie. Die Aktionäre protestieren, wollen sich wehren. Sie hatten vielfach 30 Euro und mehr bezahlt. Das bedeutet für sie einen fast Totalverlust. Ist das gerecht?
Ja. Es ist deshalb gerecht, weil ein Firmeninhaber immer mit einem Totalverlust rechnen muss. Aktionäre sind nichts anderes als Firmeninhaber. Wenn ihre Firma schlecht wirtschaftet, tragen die Aktionäre als Inhaber den Verlust. Das ist Grundwissen der neunten Klasse im Fach Wirtschaftslehre.
Jetzt schimpfen die Firmeninhaber auf den Staat. Sie vergessen, dass das von ihnen gewählte Kontrollgremium, der Aufsichtsrat, versagt hat. Sie vergessen, dass sie als Aktionäre besser gestellt sind, als der selbstständige Bäckermeister an der Straßenecke. Die Aktionäre haften maximal mit ihrer Einlage, ihrer Investition, der Bäckermeister mit seinem gesamten Vermögen für den Rest seines Lebens.
Dass die HRE-Aktionäre überhaupt noch Geld bekommen, sollten sie als Geschenk nehmen. Denn wäre die HRE bankrott gegangen, wären die Papieranteilscheine null Cent wert gewesen. Ein weiterer Trost für die Aktionäre: In den vergangenen Jahren haben sie satte Dividenden auf die Risikogeschäfte der HRE kassiert. Diese eingerechnet, machen den Wertverfall erst recht verschmerzbar. Es gibt keinen Grund zum Jammern.
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Tapfer geschlagen – Piratenpartei kämpft mit wenig Geld
25.9.2009 von Detlef Struckhof.
Foto: Piratenpartei zeigt Flagge am Brandenburger Tor. (Olaf Haensel, Piratenpartei)
Hamburg / Berlin – Im Hamburger Corvey-Gymnasium im Bezirk Eimsbüttel stürmen am Ende einer Podiumsdiskussion rund 200 Jungwähler zu den Werbegeschenken der anwesenden Parteien. Alle haben etwas mitgebracht: die SPD, die CDU, die FDP, die Grünen und Die Linke. Nur der Vertreter der sechsten Partei im Bunde, der sich tapfer der Diskussion in der Aula stellte, entschuldigt sich vorab. Der Bundesschatzmeister der Piratenpartei, Bernd Schlömer, sagt: „Unser Budget ist so eng bemessen, dass wir einfach keine Werbegeschenke verfügbar haben. Wir konzentrieren uns zurzeit mit Buttons, Kugelschreiber und Flyer auf die Infostände.“ Er habe jedoch noch ein paar wenige Flugblätter der Partei aus Berlin dabei. Ihm schallt darauf lautes Gelächter der Oberstufenschüler entgegen.
Jungwähler nehmen Argumente an
Überhaupt macht Schlömer den jungen Leuten viel Spaß an diesem Donnerstagabend vor einer Woche. Immer wenn er zu Wort kommt, feixen, kichern oder lachen die Schüler. Doch je länger der 38-jährige Sozialwissenschaftler von der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr seine Argumente vorträgt, desto interessierter hören ihm die Jungwähler zu, umso ernster nehmen sie ihn. Am Ende gibt es meist einen langen Applaus für seine Ausführungen.
Ein-Themen-Partei
Dabei hat es Schlömer mit seinem stilechten rötlichen Piratenbart und in seinem schwarzen Anzug, unter dessen Jackett ein schwarzes Piraten-Partei-T-Shirt hervorschaut, anfangs nicht leicht. Viele nehmen ihn aufgrund der Optik nicht ernst. Zu einigen Themen sagt er: muss er erst einmal sagen, „dazu haben wir noch nichts im Programm stehen.“ Es geht an diesem Abend, der vom dritten Semester des Gemeinschaftskundeleistungskurses organisiert ist, um die Themen Außen-, Wirtschafts-, Bildungs- und Umweltpolitik. Schlömers Partei setzt sich als sogenannte Ein-Themen-Partei für die informelle Selbstbestimmung ein. „Es geht ihr um den freien Zugang zu Wissen und Kultur übers Internet sowie um die Wahrung der Privatsphäre und den Datenschutz“, so die Bundeszentrale für politische Bildung in ihrer Parteienanalyse im Internet.
Foto: Bordkapelle der Piratenpartei. (Cornelius Bartke, Piratenpartei)
Piratenfloß auf der Spree
In Berlin fährt einige Tage später ein Holzfloß, angetrieben von einem Außenbordverbrennungsmotor über die Spree. Zwei Piratenflaggen hängen achtern an der Holzkonstruktion fast bis ins Wasser – eine ist orangefarben, die andere schwarz. Auf ihnen steht „Piratenpartei“. Immer wieder legt das Floß am Ufer an. Die Besatzungsmitglieder der wackligen Floßkonstruktion gehen an Land und verteilen Flugblätter der Partei an potentielle Wähler.
Kanzlerin Merkel schmunzelt über Piraten-Flashmob
„Wir machen mangels Geld einen kreativen Wahlkampf“, sagt Bundesschatzmeister Bernd Schlömer. Die Partei habe knapp 200000 Euro zur Verfügung. Doch das sei „wirklich sehr wenig“. Und noch profitierten die Piraten nicht von der staatlichen Parteienfinanzierung. Zwar sei bei der Europawahl und der Sachsenwahl die jeweilige Mindesthürde für die Staatszuschüsse von 0,5 beziehungsweise 1,0 Prozent genommen worden, doch Geld fließt deshalb noch nicht. Schlömer: „Wir haben es bisher versäumt, die Rechenschaftsberichte zu erstellen.“ Und weil das Geld knapp bemessen ist, sind die Parteimitglieder überall in der Republik mit ihren unkonventionellen Wahlkampfaktionen unterwegs. „Unsere Mitglieder gehen oft zu den Wahlkampfveranstaltungen der großen Parteien und zeigen dort Flagge“, sagt Anne Alter, Pressesprecherin des Hamburger Parteiablegers. Dort ist dann die meist orangefarbene Fahne mit dem stilisierten schwarzen Piratensegel zu sehen. Bei Angela Merkels Auftritt in Hamburg am vergangenen Freitag zeigten die Piraten Schilder in die Luft. Darauf stand einfach nur: „Yeah!“ Stiller Protest auf eine fast liebenswerte Art, organisiert im Internet als sogenannter Flashmob. Auch die Kanzlerin schmunzelte gelegentlich auf der Übertragungsleinwand über diese Aktion.
Entern von Großbankchefetagen
Eine andere Wahlkampfidee sieht so aus: Das stilisierte Segel wird von den Piraten nachts in Großstädten auf dunkle Hochhausfassaden projiziert. Jedermann sieht das Parteilogo, zum Beispiel auf den Türmen der Großbanken in Frankfurt. Die Aussage dahinter: Piraten erobern die Chefetagen der gierigen Manager. Auch mit Sprüchen, die an Piratenmythen erinnern, versucht die Partei zu punkten. So fordert sie: „Klarmachen zum Ändern“, in Anlehnung ans Entern, oder: „Jeder von Euch hat einen Änderhaken!“
Foto: Das Piratenparteilogo auf dem Raiffeisenbank-Turm in Frankfurt. (Piratenpartei Hessen)
Piraten fordern eigenes Ministerium
Die Piratenpartei Deutschland ist im August drei Jahre alt geworden. Sie wurde 2006 nach dem Vorbild der schwedischen Piratpartiet gegründet. Dort erzielte die junge Partei bei der Europawahl mit sieben Prozent ein Überraschungsergebnis. Ein Pirat aus Schweden ist ins Europaparlament eingezogen. Auch in Deutschland ist die Kleinpartei seitdem auf der Erfolgsspur. Hatte sie im Mai dieses Jahres noch 936 Mitglieder, so waren es am 1. September 7000. Zum Vergleich: Die Grünen haben rund 45000, die FDP 66000 und die Linke 76000 Mitglieder. Doch die Piratenpartei hat inzwischen die rechtsextreme NPD mit 7000 Mitgliedern überholt. Am 21. September konnte die Piratenpartei auf einer Pressekonferenz mitteilen, dass sie inzwischen 8600 Mitglieder habe. Selbstbewusst fordert die Partei nun ein eigenes Ministerium für die Wissens- und Informationsgesellschaft, sollte sie an der Regierung beteiligt werden.
Bei Umfragen bisher keine Chance
Die Demoskopen sehen das zurzeit nicht. In Umfragen liegt die Partei bundesweit sehr deutlich unter fünf Prozent. Immerhin: In Sachsen erzielten die Piraten am 30. August 1,9 Prozent der abgegebenen Stimmen, in Aachen und Münster sind sie jetzt mit je einem Vertreter in die Stadtparlamente eingezogen. Doch noch sind viele Wähler unentschlossen – etwa ein Viertel. Das könnte den Piraten am Sonntag noch einen Überraschungscoup bescheren.
Foto: Bernd Schlömer, Bundesschatzmeister der Piratenpartei, bei Jungwählern in Hamburg. (dest)
Politiker sollen Beschlüsse transparent machen
In der offensichtlich lange nicht renovierten Aula des Corvey-Gymnasiums sitzen die Schülerinnen und Schüler auf alten Holzstühlen oder Tischen. Sie interessieren sich für Wirtschaftskrise und Opelrettung. Auch Schlömer wird befragt. Er sagt frei heraus: „Wir beschränken uns zurzeit darauf, unsere Kernziele zu vertreten und durchzusetzen. Wir werden uns immer nur dann programmatisch anderen Themen zuwenden, wenn die Zeit dafür gekommen ist.“ Wieder hörbares Kichern von den Mädchen und Gelächter von den Jungs. Doch dann kann Schlömer die Jugendlichen in Sachen Opel doch auf seine Seite ziehen. Er sagt mit seiner durchweg ruhigen, tiefen Stimme ins Mikrofon: „Wir haben von den derzeitigen Politikern erlebt, dass sie Steuermittel bereitstellen, ohne dass ersichtlich wird, wie sie die Beschlüsse dazu gefasst haben.“ Er kritisiert, dies geschehe meist hinter verschlossenen Türen. „In den USA sind die Bosse der Automobilkonzerne öffentlich angehört worden. Sie wurden gefragt, wie sie von Detroit nach Washington gekommen seien. Als sie sagten, sie seien mit Privatjets geflogen, gab es kein Geld von den US-Politikern.“ Tosender Applaus von den Gymnasiasten – zustimmendes Kopfnicken.
Freier Zugang zu Wissen und Bildung
Und auch beim Thema Bildungspolitik kann der Pirat mit Blick auf die Ausstattung des Gymnasiums punkten. „Schulen, Berufschulen, Hochschulen brauchen eine bessere Ausstattung. Alle Menschen haben ein Recht auf einen freien Zugang zu Wissen und Bildung. Deshalb sind wir gegen Studiengebühren.“ Wieder ein langer Beifall von Seiten der Jugend. „Wir sind gegen das Zwangsaussortieren von Kindern nach der vierten Schulklasse. Wir müssen ihnen länger eine Chance geben – mindestens sechs Jahre lang im gleichen Klassenverband. Und wir wollen nicht, dass sich junge Studenten verschulden müssen, wenn sie etwas lernen wollen“. Solche klaren Aussagen und Positionierungen sind an diesem Abend von den anderen Parteivertretern nicht zu hören. Sie streiten sich hingegen darüber, wer in den vergangenen Jahren verantwortlicher war, für die jetzige Bildungsmisere. Am Ende der Diskussion ist Schlömer dennoch bescheiden. Ob der Einzug in den Reichstag gelingt, vermag er nicht zu sagen. Doch bei der nächsten Wahl dürfte der Wahlkampf einfacher werden, sei er sich sicher. Dann verfügt die Partei über einen kleinen Piratenschatz: Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung.
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Nur ein Direktkandidat bei Jungwählern
18.9.2009 von Detlef Struckhof.
Foto: Danial Ilkhanipour (SPD) bei der Podiumsdiskussion. (dest)
Hamburg-Eimsbüttel – Als einziger von insgesamt sieben Direktkandidaten des Stadtbezirks Eimsbüttel kam am Donnerstagabend Danial Ilkhanipour (SPD) zu einer Podiumsdiskussion ins Corvey-Gymnasium. Alle anderen Bundestagskandidaten ließen sich vor den über 200 Jungwählern von Parteifreunden entschuldigen und vertreten – sie hätten andere Termine. Unter den Mitbewerbern Ilkhanipours sind immerhin die beiden Spitzenpolitiker Krista Sager (Grüne) und Burkhart Müller-Sönksen (FDP). So erfuhren die Gymnasiasten die Wahlversprechen ihrer Bezirkskandidaten nur aus zweiter Hand, konnten ihre möglichen Abgeordneten nicht zu Themen des Bezirks befragen. An der Diskussion nahmen neben Ilkhanipour Vertreter der CDU, FDP, Die Linke, Grüne und der Piratenpartei teil.
Ilkhanipour führt bürgernahen Wahlkampf
Deshalb konnte Ilkhanipour bei den jungen Leuten punkten. „Ich kenne die Probleme Eimsbüttels sehr genau. Ich bin hier aufgewachsen. Ich stehe jeden Tag zwei Stunden mit dem Auto im Stau. Deshalb weiß ich, was geändert werden muss“, sagte der 27-Jährige mit iranischem Migrationshintergrund. Der gebürtige Elmshorner führt in diesen Wochen aus seiner Sicht einen bürgernahen Wahlkampf, denn er wolle jeden Eimsbüttler bis zur Wahl mindestens einmal getroffen haben. „Dazu stehe ich morgens um 6.30 Uhr an den U-Bahn-Stationen.“ Jeder Wähler solle die Möglichkeit zu einem Gespräch erhalten, „damit sie sehen, dass ich viel netter bin, als sie es in der Zeitung über mich gelesen haben“.
SPD-Kandidat benötigt die meisten Erststimmen
Ilkhanipour hatte sich im November 2008 gegen den derzeitigen und bundesweit bekannten SPD-Bundestagsabgeordneten Niels Annen in einer geheimen Wahl mit 45:44 Stimmen durchgesetzt. Dies führte über Monate zu einem Streit in der Eimsbüttler SPD. Sie gilt seitdem bei vielen Parteimitgliedern und in der Öffentlichkeit als zerstritten. In den Bundestag wird Ilkhanipour nur als direkt gewählter Kandidat einziehen können, weil er keinen Platz auf der SPD-Landesliste erhalten hat.
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Behinderte kritisieren Abgeordnetenwatch
12.9.2009 von Detlef Struckhof.
Hamburg / Jockgrim – Abgeordnetenwatch in der Kritik: Ein Behindertenverband bezichtigt das Internetportal aus Hamburg, Behinderte auszugrenzen und sie zu diskriminieren. Der Verein „Mobil mit Behinderung“ (MMB) wirft Abgeordnetenwatch vor, Fragen seiner Mitglieder nicht an Abgeordnete und Bundestagskandidaten weiterzuleiten. „In den Fragen wollen unsere Mitglieder von ihren örtlichen Abgeordneten lediglich wissen, wie sich diese für die Mobilität von Menschen mit Behinderung einsetzen wollen“, sagt Heinrich Buschmann. Der 55 Jahre alte Vorsitzende des Vereins aus Jockgrim in Rheinland-Pfalz vertritt die Interessen von rund 2.100 Mitgliedern aus ganz Deutschland.
Abgeordnetenwatch sieht keine Diskriminierung
Gregor Hackmack, Vorstandsmitglied von Abgeordnetenwatch, weist die Vorwürfe zurück. Er sagt: „Unser Portal ist nicht dazu gedacht, Kampagnen von Organisationen zu bearbeiten. Das können wir nicht leisten.“ Seit dem 15. Juli moderiert Abgeordnetenwatch die diesjährige Bundestagswahl. Seitdem seien bereits 4.516 Fragen eingegangen und einzeln bearbeitet worden. „Wenn jetzt auf einen Schlag gleichlautende Fragen an alle 2.185 Bundestagskandidaten dazukommen, können wir das nicht mehr bewältigen“, begründet Hackmack die Sperrung der identischen Anfrage der MMB-Mitglieder. Eine Diskriminierung von Behinderten sei das für ihn nicht.
Verband: „Behinderte sind in besonderer Situation“
Heinrich Buschmann vom MMB wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Kampagne gestartet zu haben. Er sagt: „Diesen Vorwurf weise ich entschieden zurück.“ Er wirbt hingegen für die besondere Lebenssituation seiner Mitglieder: „Es gibt Behinderte, die sich nicht in geeigneter Form auszudrücken wissen. Deshalb haben wir einen Text ausgearbeitet, der die Problematik auf den Punkt bringt. Es bleiben also letztlich einzelne Leute, die sich an ihren zuständigen Wahlkreiskandidaten wenden.“ Auf der vereinseigenen Homepage empören sich Behinderte über die aus ihrer Sicht vorgenommene Ausgrenzung von Seiten Abgeordnetenwatch.
Abgeordnetenwatch sperrt Kampagnen seit 2005
Das politische Internetportal aus Hamburg hat sich seit Dezember 2004 das Ziel gesetzt, einzelne Wähler bei der Befragung von Abgeordneten zu unterstützen. „Wir treten für die Transparenz der Arbeit der Abgeordneten ein“, sagt Vorstandsmitglied Gregor Hackmack. Er bezeichnet sein Internetportal als ein „digitales Wählergedächtnis“, weil die Antworten der Kandidaten vor einer Wahl mit deren Abstimmungsverhalten im Parlament nach einer Wahl genau verglichen werden könnten. „Dabei werden von uns alle Wähler gleich behandelt, auch Vereine und Organisationen“, so der 32-Jährige, „bereits im Jahr 2005 haben wir das grundsätzlich entschieden.“ Damals habe es eine Kampagne der Sportpilotenvereinigung zum neuen Luftraumüberwachungsgesetz gegeben. „Die damals gleichlautende Frage an alle Bundestagsabgeordneten haben wir auch nicht bearbeitet.“
Portal nur für Einzelpersonen da
Hackmack rät Organisationen und Vereinen wie dem MMB, die Politiker direkt zu bestimmten Positionen zu befragen. So könnte der MMB seine Mitglieder zum Beispiel anhand von sogenannten Wahlprüfsteinen über die Aussagen der Parteien zu bestimmten Fragen informieren. Genau das könnten Einzelpersonen nicht. Deshalb sei Abgeordnetenwatch für diese geschaffen worden. Der MMB ist enttäuscht, dass seine Mitglieder Abgeordnetenwatch nicht nutzen können. „Wir finden das Internetprojekt großartig und halten es für die ideale Plattform für alle Bürger. Doch wir werden nun darauf verzichten müssen“, so Buschmann enttäuscht.
Zum Internetauftritt Abgeordnetenwatch: hier.
Zum Internetauftritt des Vereins MMB: hier.
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Plakataussagen der Linken nur Ironie?
12.9.2009 von Detlef Struckhof.
Foto: Wahlplakate der Linken. Lafontaine spricht von Ironie. (dest)
Elmshorn – Oskar Lafontaine spricht über die Plakatkampagne seiner Partei Die Linke von Ironie. Nach einem Wahlkampfauftritt in Elmshorn am heutigen Sonnabend sagte er: „Das ist eine Ironie. Reichtum für alle soll heißen: Alle sollen am wachsenden Wohlstand beteiligt werden.“
Interviewfrage, gestellt von Detlef Struckhof: 090912_Lafontaine_mp3_dest
Foto: Oskar Lafontaine spricht zu Elmshornern. (dest)
Können die Wähler jetzt etwa nicht sicher sein, ob die plakativen Wahlaussagen „Reichtum für alle!“ und „Reichtum besteuern!“ überhaupt ernst gemeint sind? Will Die Linke in Wirklichkeit vielleicht das Gegenteil erreichen, wenn Lafontaine meint, was er sagte? Denn Ironie bedeutet laut Fremdwörterlexikon „mit einem hinter Ernst versteckten Spott, das Gegenteil von dem auszudrücken, was man meint.“ Mit seiner knappen Aussage beantwortete Lafontaine die Frage nach dem Widerspruch der beiden Plakataussagen und entschwand.
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