Verfasser-Archiv

Kampagnen - Wie Gauck zum Medienliebling wurde

Hamburg - Auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche e.V. am 9. und 10. Juli 2010 in Hamburg stand Johann Legner, Pressesprecher von Joachim Gauck, Rede und Antwort.

Mit den Titelseiten bei Bild am Sonntag (BAMS) „Yes, we Gauck!“ und beim Spiegel „Der bessere Präsident“ startete der Medienhype um den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Legner: „Ich war selbst überrascht. Das wünscht sich natürlich jeder in dieser Position.“ Es entstand eine immense Medienaktivität, ein riesiges Bedürfnis nach Kontakt und Interviews. „Sicher auch, weil jeder auf Gauck das projizieren konnte, was ihm in den Kram passte. Die Springer-Presse zeigte zum Beispiel Gauck als Antikommunisten“ so Wegner. Erstaunlich allerdings, dass keine ausländische Zeitung angefragt hat.

Jahreskonferenz Netzwerk Recherche in Hamburg Jahreskonferenz NR (Foto:Tom Koehler, Hamburg)

Digitale Fans

Auf facebook.de hatte er über 40.000 Freunde. Die dialogische Netzgemeinde hatte allerdings auch ihre Schattenseiten. Legner: „Ich weiß nicht, wie viele Gaucks es jetzt gibt!“ Dazu gaben Trittbrettfahrer Spendenaufrufe heraus, verteilten Kontonummern, deren Kontoinhaber nicht bekannt waren. Doch den technischen Dingen war er abhold. Legner: „Gauck wollte immer ausdrucken und faxen – er ist technisch nicht so versiert.“

Ansporn und Adrenalin

Doch was ist das gespannte Verhältnis zur Technik gegen seine unglaubliche Fähigkeit, mit dem Publikum zu kommunizieren. Legner erlebte den Kandidaten sehr nah, hat ihn noch nie zuvor so intensiv arbeiten sehen. Während in seinem Team alle nach einem langen Tag geschafft waren, stand Gauck noch eine ganze Menge – wie er es nannte – Adrenalin zur Verfügung. „Es war wohl auch die Frage: Was machst Du im Alter?“, so Legner. Gauck hat sich sehr gefreut über die Resonanz, das hat ihn angespornt.

Politik plus Journalismus

Die Befindlichkeiten der Politiker bekam auch Legner zu spüren. „Parteien kommunizieren mit ihren Apparaten.“ Nach dem Motto ´Besser gar nichts sagen, bevor etwas kommt, was stört.´Es gab laut Legner auch Stimmungsmache, das zu belegen fällt nicht leicht. Das politische Berlin und der dort involvierte Journalismus sind eine Welt für sich. Die Medien, so Legner haben kein Bewusstsein mehr für die immer größere Differenz zwischen sich und den Bürgern. Es entsteht eine große Kluft. Der Unterschied zwischen Distanz zum Politikbetrieb und Teil desselben zu sein wird geringer.

Nachtrag: Verwunderlich nur, das in der ganzen Berichterstattung nicht der Umstand diskutiert wurde, wie es damals war mit Gauck und seiner Akte. Der langen Zeit, die er allein und unbeobachtet mit dieser Akte verbrachte. Näheres dazu finden Sie hier.

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Worthülsen und Neusprech - Journalismus oder PR

Hamburg - Auf der Jahrestagung des Netzwerk Recherche e.V. am 9. und 10. Juli 2010 in Hamburg sprachen Wortexperten über den deutschen Neusprech und die Bequemlichkeit des Journalismus.

Man füllt in der Tat eine Zeitschiene mit Inhalten, bündelt, verstetigt Ansätze und tariert Lücken aus. Strukturen der sozialen Sicherheit werden effizienter gemacht. Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie. Bürgergeld gibt es bald, die Umweltprämie gab es schon.

Rede zur Lage der Sprache

Worte, bei denen Frank A. Meyer, Chefpublizist bei RINGIER (Schweiz), die eidgenössischen Haare zu Berge stehen. In einer engagierten Rede zur Lage der Sprache eiferte er für die Lust am Schreiben. “Der Journalismus soll mit seiner Sprachmacht die Sprachmacht der Politik aufdecken!” und weiter “Sprachverachtung ist Verachtung der Demokratie.” Am Beispiel des sogenannten Küchenzurufs versinnbildlichte Meyer die Hohlheit des Politiksprech. Die Erfindung von Henri Nannen konzentriert den Inhalt eines Artikels auf einen einzigen Zuruf. Der Leser informiert seine Gattin in der heimischen Küche mit der Essenz. In diesem Falle, so Meyer: “Du, stell Dir vor, die Merkel will bündeln!”

Gauck als authentische Persönlichkeit

Neben Meyer stritten für das Wort Dr. Tobias Korenke (Publizist) und Dr. Kai Gniffke (leitender Chefredakteur von ARD-aktuell). Als Vertreter der Public Relation war Axel Weber von Ketchum Pleon anwesend. Moderiert wurde die äußerst kurzweilige Runde von Prof. Dr. Thomas Leif vom Netzwerk Recherche. Am Beispiel Joachim Gauck und dem jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulff verglich Korenke die Glaubwürdigkeit durch Authentizität. Gauck hat zum einen etwas zu sagen, zum anderen ist er durch seine Normalität geradezu grandios. Es herrscht eine tiefe Sehnsucht nach Normalsprech, so Korenke. Er empfahl: “Vergleichen Sie die beiden Reden. Gauck seine im Deutschen Theater und die Antrittsrede von Wulff!” Letzterer ist nicht glaubwürdig, während Gauck ein tiefes Empfinden, eine wirkliche Verbundenheit mit dem Begriff “Freiheit” spürbar machte. Sprache IST die Persönlichkeit.

Gruppendruck und  Leichtfertigkeit

Es zeigt sich derzeit eine unglaubliche Bequemlichkeit im Journalismus. Begriffe werden einfach übernommen, die Distanz zur Politik geht oft verloren. Es bedarf der Bereitschaft, so Gniffke, auch einen Schritt zurückzugehen und zu reflektieren. Die Nähe zum Kollegen baut einen Gruppendruck auf, dem sich kaum einer entzieht. Der Politik-Journalismus-Berlin-Betrieb: Alle reden so, also mache ich das auch. Es gibt sogar eine SOKO Sprache bei ARD-aktuell. Kollegen denken über den Gebrauch der Begrifflichkeiten nach und ändern Formulierungen. Leider arbeitet die Soko mit Material, das schon gesendet ist.

Kann sich das Blatt wenden?

Im Journalismus herrscht eine stete Akademisierung. Die universitäre Vorbildung ist wichtiger, als der Lebenshintergrund. „Wir brauchen Knastbrüder, Weltumsegler, junge Leute, die nichts anderes können als schreiben“ so Meyer. “Gauck hat einen Lebenshintergrund, deswegen ist er authentisch.” Die Forderung nach einem wachen, kritischen Journalismus ist sicherlich nicht neu, doch in Zeiten von Plastikworten und ideologisch imprägnierten Begriffen mehr als nötig. Dass dazu eine saubere Recherche gehört, ist selbstverständlich. Und das Gute daran: Leser verstehen es und verlinken dies.

Presseschau - Titelseiten deutscher Zeitungen zur WM

SZ
FAZ
FTD
TAZ
HAN
Handelsblatt
Berliner Zeitung
Bergedorfer Zeitung
Frankfurter Rundschau

BILD  -  Aus der Traum!
Welt  -  54, 74, 90, 2014
Welt Kompakt  -  Aus der Traum!
MOPO Hamburg  -  Der Traum ist aus!
MOPO Berlin  -  Rudelgucken statt Public Viewing
Kicker  -  Aus der Traum! Aber trotzdem Kopf hoch!
Hamburger Abendblatt  -  … aber der große Champion sind sie doch!
Lübecker Nachrichten  -  Aus! Kopf hoch Jungs, ihr habt uns träumen lassen!
Kieler Nachrichten  -  Spanien zerstört Deutschlands Traum vom vierten Stern

Quellen: Titelseiten o.g. Zeitungen am 8.7.2010

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2bAHEAD Zukunftskongress

Gibt es etwas aufregenderes, als einen Blick in die Zukunft zu werfen? Ermöglicht wurde dies, als sich Denker und Lenker aus Europa zum inzwischen neunten Zukunftskongress vom 15. - 16.6. 2010 auf Schloss Oelber bei Salzgitter versammelten.

Brisante Themen

Mediale Heimaten, Kompensation von Krisen und Normenzukunft - eine Arbeitsgruppe befasste sich mit dem gesellschaftlichen Wandel durch technische Entwicklung und Verschiebung der sozialen Strukturen.

Die Schere zwischen Arm und Reich, Onlinern und Nonlinern und die soziale Sprengkraft solcher Prozess - eine völlig neue Struktur wird diese Gesellschaft neu definieren.

Das Aus für die Massenwirtschaft, die Beseitigung von Informations-Asymmetrien und neue Geschäftsmodelle verändern die Wirtschaft, die Produktion, die Arbeit.

Ausführliche Informationen zu diesen Themen finden Sie hier.

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Eil: Twitter gestorben

Twitter ist tot (c) www.abendfarben.de

Unser Mann in Hamburg-Süd

Hamburg-Finkenwerder - “Nehmen Sie Kontakt zu unserem Mann in Hamburg-Süd auf!” Der Redaktionsleiter schob bei dem leise gesagten Satz den Hut tief in die Stirn. Es lag etwas Beschwörendes in seiner Stimme, hier ging es um Wichtiges. Wie den Mann finden, was kann er mir sagen kann - alles mein Problem. Auf die Redaktion war kein Verlass. Da mussten alte Kontakte bemüht werden. Bei der Stackmeisterei Finkenwerder, einem Hafenbetrieb, hatte ich noch ein Eisen im Feuer. Einige Telefonate und Mails später wehte mir der Winterwind an der Pier am Köhlfleet um die Nase.

 Warten in der Halle / Balkenhol (c) www.abendfarben.de Balkenhol-Männer im Winterquartier (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

In einer Halle traf ich meinen Kontakt. Wir waren allein und keiner sprach ein Wort. Er war einer dieser wettergegerbten, rauhen, wortkargen Typen, die man im Norden oft findet. Es ist das Naturell der Norddeutschen und nicht bös gemeint. Seinen Kompagnon hatte er mitgebracht. Der stand genau so still und mit einem Blick gen nirgendwo neben ihm. Wir schwiegen uns an. Beide waren ziemlich heruntergekommen, ihre Kleidung bedurfte eines Tausches. Ihre Haut war spröde. Der Blick und die Haltung sprachen Bände. Was sie wohl schon alles erlebt hatten? Wetter - besser Unwetter, drückende Hitze, die ersten Fröste auf dem Wasser und ungezählte Boote, Schiffe, Kutter und Barkassen. Alle zogen an ihnen vorüber, ohne anzuhalten. Die Passagiere schauten meist erst ungläubig, später staunend zu ihnen. Ganz am Anfang, als sie neu waren, gab es sogar Notrufe bei der Polizei wegen ihnen. Kein Wunder, sie machen ganz schön was her und das noch an so ungewöhnlichen Orten. Große Worte waren mit den beiden nicht zu wechseln. Nach einigen Versuchen gelangen dann ein paar passable Fotoaufnahmen - für´s Archiv. Viel zu holen war hier nicht. Was nur der Redaktionsleiter dazu sagen würde …

 Morgen im Hafen (c) www.abendfarben.deMorgen im Hafen (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Wochen später kam aus Finkenwerder Nachricht. Es ist soweit, die Männer sollen weggebracht werden. Der eine nach Neumühlen, der andere an die Süderelbe-Brücken kurz vor Harburg. Nun musste ich mich sputen. In der Redaktion war das Thema längst in Vergessenheit geraten. Jetzt hieß es, wieder wettzumachen, was vorher misslang. Auf zum Köhlfleet, der Morgendunst will nicht weichen und die Sonne kämpft mühsam um Aufmerksamkeit. Die Kollegen vom Hamburg Journal sind auch schon da und schleppen sich mit ihrer Fernsehtechnik ab. Bei dem Gewimmel entlock ich den Typen kein Wort, so “gesprächig”, wie sie sich bisher angestellt haben.

 Grosses Medieninteresse / Balkenhol (c) www.abendfarben.de Medieninteresse an Balkenhol-Mann (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Die Barkasse RICHARD KRANZ bringt uns stromauf nach Neumühlen. Ein Ponton mit Kran und dem Spezi meines Mannes aus Hamburg-Süd ist an der Barkasse vertäut. Wir fahren in das Morgenlicht, die Elbe spiegelt silberhell. Hinter uns holt ein Riesenpott mit einem Containerberg auf. Wir wechseln auf die Neumühlener Seite der Elbe und tasten uns langsam an den Zielort. Eine weitere Barkasse bringt einen Amtsträger, der höchstselbst und per GPS den genauen Standort festlegt. Ein großer Steinblock rauscht ins kalte Elbwasser, an seiner Kette hängt nun eine Boje. Die, so groß wie ein Kleinwagen, trägt den Neumühlen-Mann. Der steht immer noch so ruhig und bestimmt mit Blick gen nirgendwo. Allerdings hat er sich wohl zwischenzeitlich neue Klamotten besorgt. Jedenfalls ist sein Hemd strahlend weiß und die Hose schön schwarz. Seiner Haut gönnte er ein Make Up. Ohne lange zu warten, kehren wir um. Eine Barkasse nimmt den GPS-Amt-Mann wieder an Bord und entschwindet.

 Balkenhol-Mann vor Neumühlen (c) www.abendfarben.de Balkenhol-Mann vor Neumühlen (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

In Finkenwerder kurze Pause. Die nutze ich, zu unserem Mann aus Hamburg-Süd etwas Vertrauen aufzubauen. Treib mich in seiner Nähe rum, mach ein freundliches Gesicht und schöne Morgensonnenfotos - doch nichts passiert. Wenn das so weitergeht, ist mir der Redaktionsrüffel sicher. Dasselbe Spiel von vorn. Barkasse, Ponton, Mann, Boje und elbaufwärts. Die Fahrt dauert etwas länger. Ich richte mich häuslich in der RICHARD KRANZ ein.

Kleiner Mann auf grosse Fahrt / Balkenhol (c) www.abendfarben.de Balkenhol-Mann unterwegs (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Der brummelige 170 PS-Motor bestimmt die Geräuschkulisse. Zwei junge Burschen sind souverän am Werk. Einer steuert gelassen den Verband, blickt aufmerksam nach vorn und achtern. Der Tiefenmesser zeigt 18 Meter. Sein Kollege macht Inventur. Aus den Lautsprechern tönt es “In deiner Urkraft liegt es, durch den Sturm zu geh´n”. Doch Obacht, wir nähern uns dem DOCKLAND. Hier biegen wir ab Richtung Köhlbrandbrücke. Ohne Anmeldung per Funk geht das nicht. Die Brücke kommt näher, wirkt durch die grauen und niedrigen Wolken sehr bedrohlich. Vorbei am Container-Terminal Altenwerder, unter der Kattwykbrücke durch und am Kraftwerk Moorwerder längs geht es stromaufwärts.

Kurz vor den Süderelbebrücken steigt der GPS-Amt-Mann wieder zu und dirigiert den Verband vorsichtig zur gewünschten Stelle. Dabei erzählt er lachend über das erste Mal, als die Männer verbracht wurden. “Mit Senatsbarkasse und Kapelle, oh man, was für ein Spektakel!” Die Vorbereitungen dauern. Ein letzter Versuch, noch mehr Informationen zu bekommen, lässt mein Mann gelassen abblitzen. Er steht, die Hände verschränkt, auf seiner Boje und blickt gelassen zum Horizont. Dann geht alles schnell. Der Kran versenkt den Steinklotz, die Kette wird an der Boje befestigt, ein kurzer Ruck geht durch den Ponton. Der Mann dreht sich auf seinem Reich weg von uns, ist scheinbar froh, seinen ständigen Begleitern nicht mehr ausgeliefert zu sein. Wir legen ab. Die S-Bahn Richtung Hamburg donnert über die Brücke, zum Greifen nah.

 Balkenhol-Mann vor Harburg (c) www.abendfarben.de Balkenhol-Mann vor Harburg (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Langsam, ganz langsam, dreht sich mein Mann aus Hamburg Süd in unsere Richtung und ich meine, er hat gelächelt. Unsere Rückfahrt stromab gelingt schnell, doch wird es auf der Elbe noch mal kabbelig. So ist es recht. Die Gischt platscht über den Bug, wir schaukeln wild und eines Seemannes Herz geht auf. Was ich der Redaktion erzählen soll, weiß ich noch nicht. Wenn Sie aber mal Interesse haben, meinen Mann aus Hamburg-Süd zu treffen, machen Sie folgendes: Fahren Sie mit der S-Bahn von Harburg Richtung Hamburg. Gleich nach der Abfahrt erreichen Sie die Süderelbe, schauen Sie auf der rechten Seite aus dem Fenster. Dort sehen sie ihn. Sie können auch im Sommer den Badestrand am Finkenrieker Hauptdeich aufsuchen. Dann erblicken Sie den Typen aus nächster Nähe.

 

Die vier Hamburger Bojenmänner: Seit 1993 schwimmen an vier verschiedenen Orten in der Hansestadt Bojen, auf denen Skulpturen aus Holz stehen. Sie sind das Werk des Künstlers Stephan Balkenhol (geb. 1957). Die 4 männlichen, farbigen Figuren aus Eichenholz sind täuschend echt angefertigt. Sie befinden sich auf der Außenalster (östliche Uferpromenade, Höhe Schwanenwyk), der Elbe (Elbstrand / Höhe Schulberg), der Süderelbe, östlich der Brücke des 17. Juni in Harburg sowie auf einem kleinen Flüsschen (Höhe Alte Holstenstraße) in Bergedorf. Der Künstler, der auch in Hamburg Kunst studierte, fertigte weitere Figuren. So steht vor dem Tierpark Hagenbeck eine Giraffe, an deren Hals ein Mann emporklettert. Zwei Skulpturen mit überlangen Beinen stehen vor der Öffentlichen Bücherhalle, Nähe Hauptbahnhof.

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Schlagzeilen eines Tages - Bundespräsident dankt ab

FR: Fahnenflucht
Bild: Horst … weg!
FTD: Fahnenflüchtig
Zeit: Ein Mann sagt Nein
TAZ: Da geht noch mehr!
SZ: Horst Köhler tritt zruück
BZ: Köhler läßt Merkel im Stich
Handelsblatt: Der tragische Präsident
Junge Welt: Horst Köhler will nicht mehr
Welt Kompakt: Köhler vermisst Respekt
MOPO: “Bundes-Horst” macht die Biege!
Hamburger Abendblatt: Horst Köhler wirft hin
Tagesspiegel: Köhler: Kein Respekt vor dem Amt
Bergedorfer Zeitung: Staunen und Bedauern - Köhler schockt Deustchland
Lübecker Nachrichten: Deutschland rätselt über Köhlers bitteren Abschied

Die hölzerne Riesin von Jeetze

Jeetze / Hamburg - Ein Titel, der nicht so leicht verdaut wird. Was für eine Riesin? Wieso hölzern? Was ist Jeetze? Gemach, es handelt sich um ein Kinderbuch von Sina Kongehl. Sie ist Schriftstellerin und Illustratorin aus Bismark. Das Städtchen liegt in der nördlichen Altmark, zwischen Stendal und Salzwedel gelegen.

Die Geschichte handelt von Landwirtschaft, alter Technik, Freundschaft und dem Wesen des Menschen. Bendix Mesedorn, ein kleiner Junge und stolzer Enkel seiner geliebten Großeltern, ist der Titelheld. Er lebt in dem Dörfchen Jeetze. Oma und Opa besitzen eine Windmühle, die in einem Zustand ist, der Handeln erfordert. Gemeinsames Handeln, denn alleine schaffen es die drei nicht. Bendix macht sich auf die Suche nach Verbündeten für dieses Werk. Schwer enttäuscht bekommt er eine Abfuhr nach der Nächsten. Alle, die er anspricht, zeigen ihr wahres Gesicht. Nach vollmundigen Ankündigungen verweisen sie auf wenig Zeit, Krankheiten und andere Verbindlichkeiten.

 Hölzerne Riesin - Mühle zu Jeetze Hölzerne Riesin - Mühle zu Jeetze (Foto: Tom Koehler, Hamburg)

Das Menschenbild von Bendix droht, zu zerbröckeln. Er erinnert sich an den Müllergesellen, der inzwischen ohne Arbeit zu Hause saß. Es braucht in modernen Zeiten keiner eine Windmühle. Das Mehl gibt es im Laden um die Ecke abgepackt und günstig. Die Mühen von Bendix werden belohnt: Eines schönen Tages und nach reichlicher Arbeit drehen sich die Mühlenflügel wieder. Übrigens, den Ort Jeetze gibt es wirklich und die Mühle auch. Kongehl ist rege und hat noch mehr Kinderbücher, Kurzgeschichten und sogar Krimis geschrieben. Sie finden einen Überblick hier.

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Erst Lena - nun Horst!

Eine euphorische Welle und Lena-Fieber schüttelte ganz Deutschland in den letzten Tagen. Für manchen unerträglich, der Rummel um eine sympathische junge Frau, die bei der Ausbildung ihrer Stimme noch Einiges zu tun hat. Es sei ihr gegönnt und ganz Deutschland hatte nach langer Zeit, diversen Krisen und einem Berg Nullen (inkl. Minuszeichen) auf dem Bundeskonto mal wieder etwas Positives. Die Teutonen im Jammertal genossen die Aufmerksamkeit der Welt.

Heute Morgen geisterte durch das Netz die sicherlich spaßig gemeinte Variante: Lena for President! Raab feierte seinen vervielfachten Wetteinsatz und sonst schien es ein normaler Tag zu werden in Deutschland. Früher Nachmittag, durchgezappt an der Röhre, Schreckstarre, Haare raufen. Auf allen Kanälen die Eilmeldung, Bilder, Filmschnipsel und ernst dreinblickende Kommentatoren. Angeblich sei die heftige Kritik an einer Äußerung, deren Inhalt missverstanden worden ist, der Grund für den Rücktritt, so der Bundespräsident in seiner emotionalen Ansprache. Der mangelnde Respekt dem Amt gegenüber, so Köhler.

Köhler: Ich bin dann mal weg … Köhler: Ich bin dann mal weg … (Foto: T.K. Hamburg)

Nun ist es sicherlich bedenklich, wenn Äußerungen missverstanden werden und daraus eine Medienkampagne zu werden droht. Doch darf man fragen: Hätte er - Kraft seines Amtes - nicht auch verbal zurückschlagen können? Ist der Grund nur ein vorgeschobener? Fühlt er sich von Lena hintergangen? Die nächsten Tage sind programmiert: Ernste Gesichter, die mit trauriger Stimme heuchlerisch sein Werk loben, seinen Rücktritt bedauern. Oder diesem sogar Respekt zeugen. (Kann man einem Rücktritt Respekt zollen??) Die Personalschlacht ist eröffnet, natürlich hinter dicken Türen und abseits der Öffentlichkeit. Es geht ja auch nicht um ein öffentliches Amt, sondern einen Posten, für den der Inhaber Mehrheiten haben muss. Das sind aber nicht seine (direkten) Wähler, sondern eben diese ernsten Gesichter mit dem richtigen kleinen Büchlein in der Tasche.

Ich sehe was, was du nicht siehst - Eine Fotoausstellung

Logo der Ausstellung

Im Einkaufszentrum Mercado Altona in Hamburg kann der Besucher bis zum 29.05.10 eine interessante Fotoausstellung besichtigen. Es ist ein visueller Brückenschlag zwischen Europa und Afrika, genauer zwischen Schleswig-Holstein und Burkina Faso.

Die Fotografen Die Fotografen (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Inmitten Menschengewimmel eine Insel

Eine Rolltreppe fährt auf die Ausstellung zu, die den Menschenstrom teilt. Wenige halten inne, verweilen vor den Bilderwänden, sind nachdenklich. Manche amüsieren sich über kleinbürgerliche deutsche Verbotsschilderwälder. Die Farbenpracht mancher Bilderstrecken passt so gar nicht in mitteleuropäische Gefilde. Das ist wohl das Geheimnis der Ausstellung. Die Fotografen sind Jugendliche mit abgebrochener Schullaufbahn oder Förderschulabschluss aus Schleswig-Holstein. Die Fotografen sind auch ehemalige Straßenkinder und Waisen aus Burkina Faso im Herzen Afrikas. Sie hielten sie ihre Welt in Bildern fest. Organisiert und kuratiert hat die Wanderausstellung Natascha-Maria Meyenberg vom Verein Medienbildung Eine Welt e.V. in Kiel.

Motive 1 Motive 1 (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

Wie sehe ich meine Welt?

Diese Frage wurde den jungen Künstlern mit auf den Weg gegeben. Sie haben einen ganz eigenen Blick auf wunderbare Nebensächlichkeiten und nebensächliche Wunder. Einige sammelten einen bunten Strauß an Ereignissen, andere arbeiteten fast streng thematisch. Meyenberg nennt es ein “Esperanto in Bildform”. Jeder kann mit den Situationen oder Motiven etwas anfangen. Jedem bietet sich die Möglichkeit, für einen kurzen Augenblick seinen Alltag beiseitezulegen und einen Blick auf den Alltag andere zu werfen.

Motive 2 Motive 2 (Foto: Tom Köhler, Hamburg)

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