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Erst Lena - nun Horst!
31.5.2010 von Tom T. Köhler.
Eine euphorische Welle und Lena-Fieber schüttelte ganz Deutschland in den letzten Tagen. Für manchen unerträglich, der Rummel um eine sympathische junge Frau, die bei der Ausbildung ihrer Stimme noch Einiges zu tun hat. Es sei ihr gegönnt und ganz Deutschland hatte nach langer Zeit, diversen Krisen und einem Berg Nullen (inkl. Minuszeichen) auf dem Bundeskonto mal wieder etwas Positives. Die Teutonen im Jammertal genossen die Aufmerksamkeit der Welt.
Heute Morgen geisterte durch das Netz die sicherlich spaßig gemeinte Variante: Lena for President! Raab feierte seinen vervielfachten Wetteinsatz und sonst schien es ein normaler Tag zu werden in Deutschland. Früher Nachmittag, durchgezappt an der Röhre, Schreckstarre, Haare raufen. Auf allen Kanälen die Eilmeldung, Bilder, Filmschnipsel und ernst dreinblickende Kommentatoren. Angeblich sei die heftige Kritik an einer Äußerung, deren Inhalt missverstanden worden ist, der Grund für den Rücktritt, so der Bundespräsident in seiner emotionalen Ansprache. Der mangelnde Respekt dem Amt gegenüber, so Köhler.
Köhler: Ich bin dann mal weg … (Foto: T.K. Hamburg)
Nun ist es sicherlich bedenklich, wenn Äußerungen missverstanden werden und daraus eine Medienkampagne zu werden droht. Doch darf man fragen: Hätte er - Kraft seines Amtes - nicht auch verbal zurückschlagen können? Ist der Grund nur ein vorgeschobener? Fühlt er sich von Lena hintergangen? Die nächsten Tage sind programmiert: Ernste Gesichter, die mit trauriger Stimme heuchlerisch sein Werk loben, seinen Rücktritt bedauern. Oder diesem sogar Respekt zeugen. (Kann man einem Rücktritt Respekt zollen??) Die Personalschlacht ist eröffnet, natürlich hinter dicken Türen und abseits der Öffentlichkeit. Es geht ja auch nicht um ein öffentliches Amt, sondern einen Posten, für den der Inhaber Mehrheiten haben muss. Das sind aber nicht seine (direkten) Wähler, sondern eben diese ernsten Gesichter mit dem richtigen kleinen Büchlein in der Tasche.
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In welcher Gesellschaft möchten Sie leben?
24.2.2010 von Tom T. Köhler.
Ein Kommentar von Tom T. Köhler
Schlagzeilen heute: +++ Mit 1,54 Promille Alkohol im Blut wurde Margot Käßmann von der Polizei in Hannover gestoppt +++ Der CDU-Landesvorsitzende (NRW) will von den Angebotsbriefen seiner Partei an potenzielle Sponsoren für den Parteitag nichts gewusst haben +++ Rohe Leber, massenhaft Alkohol und bizarre Aufnahmeriten: Der Verteidigungsausschuss muss sich nun mit den Exzessen bei der Bundeswehr beschäftigen +++ Obdachlosenhilfe mit Maserati +++ Lüsterne Katholiken +++
Wie fragte doch eine besorgte Stimme: Und in welcher Gesellschaft möchten Sie leben?
Eine sehr aktuelle, persönliche Frage.
Glaubwürdigkeit von Institutionen, Verbänden und Berufsständen wird allerorten in Frage gestellt. Steuerzahler und Leistungsempfänger werden drangsaliert, ausgequetscht von einer Kaste habgieriger, verlogener und unmoralischer “Leute”. Den Begriff “Mensch” zu verwenden, fällt zunehmend schwer.
Wundern wir uns noch über Wählermüdigkeit, Radikalisierung, Schwarzarbeit, Rückzug ins Private? Wundern wir uns noch über die Lächerlichkeit der Sonntagsreden und staatstragenden (!) Gesichter?
Alternativen: Glaubwürdigkeit im Tun eines jeden Einzelnen. Ständige Kontrolle selbstherrlicher Politiker. Ehrbares Handeln und Mitmenschlichkeit jeden Tag und an jedem Ort. Aufdecken von Machenschaften - das Internet ist unser Freund, sagen wir es weiter! Damit wir morgens, halb zehn in Deutschland, mit einem Lächeln in den Spiegel schauen können.
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