Archiv der Kategorie Politik (weltweit)
ISO 26000 - eine Norm für gutes Handeln?
3.10.2011 von Tom T. Köhler.
Zehn Jahre Entwicklungszeit, 99 Mitgliedsländer der ISO, dabei 69 Entwicklungs- und Schwellenländer: Ergebnis ist ein Leitfaden für Unternehmen, Verbände, Organisationen und Behörden, um der sozialen und ökologischen Verantwortung gerecht zu werden.
In Fortsetzung einer Reihe zu Corporate Social Responsibility (CSR) lud die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik am 29.09.11 ein, um mit Experten über eine ISO-Norm zu sprechen, deren Umsetzung die Welt verbessern kann. Ein guter Ansatz steht dem harten Denken vieler Unternehmen entgegen, deren Augenmerk auf günstigem Einkauf, niedrigen Löhnen und sattem Gewinn liegt. Kann es eine Norm für „gutes“ Handeln geben? Braucht es einer Zertifizierung, wenn Standards eingehalten werden sollen, die Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaften sind?
Was ist die ISO 26000 und wo wirkt sie?
Sieben Prinzipien der sozialen Verantwortung gründen die Norm:
+ Rechenschaftspflicht,
+ Transparenz
+ Ethisches Verhalten
+ Die Beachtung der Bedürfnisse der Interessengruppen
+ Respekt für die Rechtsstaatlichkeit
+ Die Achtung der internationalen Normen des Verhaltens
+ Die Achtung der Menschenrechte
Ein glaubhaftes, transparentes Wirtschaften und Handeln gilt in allen Bereichen. In Prinzipien der Unternehmensführung, den Menschenrechten und Arbeitspraktiken, der Umwelt, den fairen Handlungsweisen, in Verbraucherfragen und in der Beteiligung an der Gemeinschaft und ihrer Weiterentwicklung.
Großes Interesse an der Veranstaltung der Stiftung
Westliche Ideen und weltweite Reaktion
Eine Idee aus dem Jahr 2001 fand in einer umfangreichen Norm ihren Platz, nach dem sich unzählige Treffen und Verhandlungen der Beteiligten über Jahre hinzogen. Trotz der hohen Zahl von Entwicklungs- und Schwellenländern waren, so Dr. Andrea Fluthwedel vom Deutschen Institut für Normung e.V., westliche Gruppen in der Überzahl. Nationale Regelungen machen in einer globalisierten Welt keinen Sinn. Verschiedene Sichtweisen mussten in Einklang gebracht werden. Diverse Kulturkreise zogen nach sich, dass ein Schriftstück entstand, in dem sich jeder wiederfindet. Drastischer drückte es Judith Vitt vom Bundesverband der Verbraucherzentralen aus: „Es schwurbelt sehr! Man muss zwischen den Zeilen lesen.“ Verwunderlich ist es nicht, sorgt doch eine weltweit anwendbare Norm für einen Kulturkampf der modernen Art. Probleme, die westliche Wohlstandsnationen haben, liegen weit entfernt von den bedrückenden Umständen, unter denen Tagelöhner für internationale Konzerne in Drittweltstaaten schuften. Inder und Chinesen waren gegen die Norm. Einmal, weil eine Zertifizierbarkeit für Unternehmen nicht gegeben ist. Damit entsteht kein Druck zur Anwendung. Zum Anderen, weil das indische Kastenwesen den (westlich geprägten) Gedanken der Norm nicht aufnehmen will. Die Norm bedingt einen Aufbruch des jahrhundertealten Staats- und Gesellschaftssystems.
Dr. Fluthwedel, Schollmeyer, Vitt und Moderator Ramthun
Es hätte viel schlimmer kommen können!
Das sagt Oliver Schollmeyer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Corporate Social Responsibility wird schon praktiziert. Derzeit ist nichts geplant, da diese Norm nicht zertifizierbar ist“, so Schollmeyer. In einer (über)regulierten Welt sieht er keinen Bedarf, eine freiwillige Normierung umzusetzen. „Nur Zertifizierung baut Druck beim Lieferanten auf.“. In Judith Vitt hat er den Gegenpart des Abends gefunden. „Es geht nicht nur um den Produktbezug. Es geht um Vertrauen der Verbraucher in Produkte, in die Wirtschaft.“ Aus diesem Leitfaden soll etwas entstehen, was der CSR und dem Social Business zur Seite steht. Alle Bereiche der Gesellschaft sind von der ISO 26000 betroffen: Organisationen im öffentlichen oder gemeinnützigen Sektor, Unternehmen, Behörden, Verbände und Vereine. Schollmeyer: „ Es wird immer gesagt, das für den Verbraucher zu tun. Der denkt doch nur: Geiz ist geil! Er ist desinteressiert.“ Doch der Wirkungsradius der Norm ist umfassender. Ein gutes Beispiel ist die vermehrte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs)
Aus erbitterten Gegnern sind teilweise Partner geworden, die gemeinsam für ihre Interessen arbeiten.
Die Aussichten
Und Normer normen nicht für sich selbst, so Dr. Fluthwedel. Inzwischen haben die ISO-Mitarbeiter Kontakt mit Firmen, die auf eine zertifizierbare Norm drängen. Das Interesse ist groß. Neben dem Auf und Ab des Marktes haben auch gesellschaftliche Verwerfungen ihre Spuren in den Köpfen vieler Menschen hinterlassen. Ein „Weiter so!“ funktioniert nicht mehr. Endloses Wachstum ist eine Illusion. Wenn alle Gruppen der Gesellschaft eine Regelung finden, nachhaltiger, transparenter und ethischer miteinander umzugehen, dann ist die ISO 26000 ein Erfolg. Dass zwischen beschriebenem Papier und der Umsetzung oft Zeit vergeht, ist bekannt. Doch allein die weltweite Diskussion zu einem anderen, besseren Miteinander ist ein Zeichen, wie drängend die Probleme und wie groß das Interesse an den Lösungen ist.
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Kooperationen zwischen NGOs und Unternehmen
12.7.2011 von Tom T. Köhler.
Unter dem Titel “Unternehmensverantwortung kontrovers - Spannungsfelder von Corporate Social Responsibility” der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik trafen sich am 28.06.2011 Experten von NGOs und Unternehmen zum zweiten Teil der Reihe in der Handelskammer Hamburg.
Ist es eine neue Harmonie zwischen den Organisationen und Unternehmen oder ein Zweckbündnis mit dem “Feind”? Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie der NABU, der WWF oder OXFAM gehen auf die Unternehmen zu. Sie bilden Partnerschaften, die beiden Seiten dienen. Die NGOs bekommen Mittel in nicht unerheblicher Höhe, die Unternehmen haben ein Marketinginstrument zusätzlich.
Geliebter Feind
E Plus und der Naturschutzbund NABU starten einen grünen Telefontarif. Kraft Foods und Rainforest Alliance arbeitet zusammen, um etwas für die Erhaltung der Regenwälder zu tun. Zwei Beispiele, die auf den ersten Blick eine neue Harmonie signalisieren. In den Köpfen der Menschen sind noch die Bilder von großen Aktionen der NGOs gegen Unternehmen. Brent Spar sei hier genannt - Greenpeace vs. Shell. Hat sich aus dem Gegner ein Partner entwickelt? Dr. Franziska Humbert, OXFAM Deutschland: “Wir geben Know-how in die Kooperation, helfen den Unternehmen, neue Partner für Rohstoffe und Produktion zu finden. Aber wir machen auch konfrontative Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu erzielen.” Wie gefährlich oder sinnstiftend sind diese Kooperationen? Betreiben Unternehmen damit “Greenwashing” und NGOs nur Mittelakquise? Dies macht den Spannungsbogen deutlich, in dem sich die beiden Partner / Gegner befinden.
Handelskammer Hamburg (alle Fotos: Tom Koehler, Hamburg)
Schönen Schein erkauft?
Eine Zusammenarbeit ist sicher auch Fundraising. Für manche NGOs ist das der Treiber. Wird das Gelingen einer Partnerschaft auf die finanzielle Basis reduziert, ist die Unabhängigkeit infrage gestellt. Kooperation ist nicht immer Harmonie. Das sieht auch Nicola Oppermann von Kraft Foods Deutschland so: “Wir müssen das Geschäft sichern. Greenwashing gewährleistet doch nicht, weiterhin verlässlich Produkte herzustellen”. In der Zusammenarbeit entstehen auch Einblicke in die Welt des Anderen. Die Ortskenntnis von NGOs kann Unternehmen helfen, andere Einkaufs- und Produktionslinien zu finden. Und den Organisationen wird deutlich gemacht: Manche Prozesse sind externen Faktoren geschuldet. Der Einkauf bestimmter Waren ist nur durch Kompromisse möglich. Nachhaltigkeit wird auch durch politische oder ökologische Katastrophen zunichtegemacht. Jeder lernt vom Anderen, und das kontinuierlich.
Dr. Franziska Humbert, Nicola Oppermann, Dr. Leonard Novy, Thomas Marschall
Ehrliches Engagement zählt
Wenn Medien Druck machen, weil NGOs in immer größerer Geschwindigkeit Missstände aufdecken, sind Unternehmen in der Pflicht. Es wird dann aber mehr reagiert, als agiert. Wichtiger ist es, ehrliches Engagement mit den vorhandenen Kapazitäten der beiden Seiten zu betreiben. Ressourcen und Wissen zu bündeln, statt gut gemeinten Aktionismus zu leben. Ein Beispiel führt Thomas Marschall an. “Die Konsequenz, Kinderarbeit abzuschaffen, ist auch, die Familien in noch größere Not zu stürzen.” Marschall ist für eine Beratungsagentur tätig, die zwischen den beiden Gruppen vermittelt, Projekte ermöglicht. Es sind sehr unbequeme Veränderungen, die in den Unternehmen Einzug halten, die sich der Corporate Social Responsibility verschreiben. Altes Denken und harte Strukturen müssen überwunden werden. Vertrauen und langfristige Transparenz muss hart erarbeitet werden - von beiden Seiten. Wichtig ist die Transparenz auch, weil transnationale Kooperationen eine übergeordnete Kontrolle erschweren. Eine Verlockung für beide Seiten.
Thomas Marschall: “Ich wünsche mir mehr Disharmonie! Mehr Ambition!” Ihm ist es schon fast Zuviel des netten Beieinanderseins. Eine sensibilisierte Öffentlichkeit mit dem mächtigen Werkzeug Internet in der Hand wird beide im Auge behalten: Unternehmen und NGOs, bei den guten Taten und bei den Missständen, die durch Verquickung entstehen können.
Den ersten Teil der Serie “Transparente Wertschöpfung - Corporate Social Responsibility” finden Sie hier.
Die nächste Veranstaltung findet am 29.09.2011 in der Schnittke Akademie Hamburg-Altona statt.
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Transparente Wertschöpfung - Corporate Social Responsibility
14.4.2011 von Tom T. Köhler.
Hamburg-Altona - Wie verdienen Unternehmen Geld? Mit diesem Problem beschäftigten sich am 29.03.11 Experten bei einer Veranstaltung der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik. Sie richtete das Forum gemeinsam mit der Hamburg School of Business Administration aus. Die Frage zielt auf die unternehmerische Verantwortung zu sozialen und ökologischen Risiken bei der Erzeugung von Produkten und Dienstleistungen.
Soziale T-Shirts und ökologische Wertschöpfung
Eine kontroverse Diskussion war zu erwarten. Berndt Hinzmann (INKOTA-netzwerk e.V.), Mitinitiator von Kampagnen für saubere Kleidung dazu: „Diese von den Verbrauchern günstig zu erwerbenden Waren werden zum Teil unter sozial und ökologisch unhaltbaren Bedingungen produziert.“ Weiter diskutierten Prof. Dr. Ulf Schrader von der TU Berlin (forscht zu nachhaltigem Konsum) und Jochen Weikert von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ GmbH). Moderiert wurde die rege Diskussion durch Sebastian Siegele von Sustainability Agents. Sein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Wertschöpfungsketten und Lieferanten auf Mindeststandards zu untersuchen und Verbesserungen umzusetzen.
Rege Diskussion über CSR (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Thema mit Hindernissen
“Die Reichweite unternehmerischer Verantwortung”, so Dr. Jesko Kreft von der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik, “beginnt damit, sich überhaupt für diese Themen zu interessieren und sie als Teil der Wertschöpfung zu verstehen.” WIE Unternehmen Geld verdienen, ist die spannende Frage. Diese sorgte auch für ein sehr gut gefülltes Auditorium in Hamburg-Altona. Dessen Zusammensetzung war interessant, kamen zur Veranstaltung neben Unternehmern und Wissenschaftlern auch Studenten und Schüler. Ein Thema, dessen Reichweite quer durch die Gesellschaft geht. Sebastian Siegele führte gekonnt die Anwesenden zu einfachen, aber gar nicht so leicht zu beantwortenden Fragen: Wie halten SIE es denn mit CSR? Funktioniert die bei IHNEN?, Kennen SIE die Bestandteile? Kaum einer der Anwesenden konnte ohne zu zögern antworten.
Sich verpflichtet fühlen
Eine Diskussion ist im Gange - über und mit Zulieferern, Produzenten, Konsumenten und Regierungen. Doch wie groß ist die Chance, als Beteiligter überhaupt zu erkennen, welche ökologischen oder sozialen Belastungen auf Produkten liegen? Sicherlich machen Dokumentationen, wie die über den Textilvertrieb KIK, die Verbraucher wach und sorgen für Debatten. Doch hält dieser Effekt nicht lange an. Es muss ein wertevoller Erfolg (Kreft) durch soziale Standards erreicht werden. Die Wertschöpfungsketten sind global. Siegele: „Über Produkte und Dienstleistungen sind wir mit der Mehrheit der Menschen auf der ganzen Welt in Beziehung - auch im Schlechten“. Er bemängelt, dass die Kontrollmechanismen versagen. „Zwar gibt es Audits, Monitoring und Inspektionen, doch was nutzt es, wenn kurzfristig Zustände behoben werden. Oder Social Audits bis zu 80 Prozent manipuliert sind?“
Aller Anfang ist schwer
Skandalisierung ist, so Hinzmann, nur von kurzem Nutzen. In den Köpfen der Verbraucher und Produzenten muss das Wissen über Corporate Social Responsibility verankert werden. Ein Erfolg muss sichtbar werden, etwas zu bedenken reicht nicht mehr. In den Unternehmen gehe es oft um Risikovermeidung, so Prof. Schrader. Strukturelle Änderungen dagegen sind langwierig, eventuell teurer. Die Frage an das Publikum macht den Dissens deutlich. Verständnis schaffen und zu sensibilisieren ist die eine Seite. Oft sind Unternehmen mit den Aufgaben überfordert oder haben Nachholbedarf beim Wissen über CSR. Und Umverteilung birgt Risiken: Selbst wenn sich große Teile der Konsumenten oder Produzenten einig sind, die Zustände zu ändern, erzeugen sie ein weiteres Dilemma. Wem gebe ich mehr - wem nehme ich etwas weg? Wer verdient an Verbesserungen, wer zahlt für die neuen Standards? Trotz der anspruchsvollen Fragen war das Publikum offen und hoch interessiert. Alle - Gäste und Diskutanten - gingen mit mehr Fragen als Antworten nach Hause. Doch ein Anfang ist gemacht und die Fortsetzung folgt.
Um dem Thema gerecht zu werden, organisiert die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik gemeinsam mit der Hamburg School of Business Administration 3 weitere Termine für Gespräche zu CSR: Am 28.6. in der Handelskammer, am 29.09. in der Schnittke Akademie und am 06.12.11 wieder in der Handelskammer.
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Ist ein Frieden in Nahost möglich?
9.4.2010 von Tom T. Köhler.
Hamburg - Seit sechzig Jahren ist der Nahe Osten ein Kriegsgebiet. Israel und die arabische Welt können sich nicht auf einen Frieden einigen - oder doch? Diese Frage stellte am 7.4.2010 die Körber-Stiftung in Hamburg Avi Primor, von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in Deutschland.
Themenplakat (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Machbarer Frieden
“Die Gemüter sind heute so reif für einen Frieden, wie nie zuvor.” und “Die Mehrheit der Israelis wünscht sich eine Trennung vom Westjordanland.” Dazu, so der ehemalige Botschafter, bedarf es der Unterstützung Europas. Unter Führung der Deutschen oder der Franzosen, so Primor, können Friedenstruppen helfen. Sie sorgen nach einem Abzug der israelischen Kräfte in den palästinensischen Gebieten für Sicherheit. Das wären ein Schritt zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes. Derzeit herrsche immer noch ein Gleichgewicht des Terrors. Unter europäischer Führung stellt sich Primor sogar vor, dass muslimische Truppen für die Sicherheit in den geräumten Gebieten sorgen könnten. “Warum nicht türkische, marokkanische oder indonesische Truppen?” Klare Worte und für Einige im Saal eine neue Erkenntnis. Avi Primor kommt zur Sache, redet nicht um das Thema herum.
Neuer Realismus
Das langjährige strategische Denken der arabischen Welt, Israel vernichten zu können, weicht einer neuen Erkenntnis. Die Unmöglichkeit des Planes zwingt zum Umdenken. Es gehe jetzt um die Bedingungen für einen Frieden, die “nur” noch ausgehandelt werden müssen. Es zeigt sich ein neuer Realismus, der akzeptiert, dass ein amerikanisch protegiertes Israel ein Fakt ist. Wichtig dafür sei, einen Frieden mit Syrien zu schließen. Dieser ziehe den Frieden mit den arabischen Nachbarn nach sich. Die Syrier, Unterstützer der Hamas und der Hisbollah, sind ein wichtiger Faktor in den Friedensbemühungen. Das Pulverfass Naher Osten kann seinen Frieden finden, beteiligen sich alle Anrainer an dem Prozess. Ausdrücklich erwähnte Avi Primor auch den Iran, der mit seiner Politik zurzeit nicht gerade ein Garant für eine positive Entwicklung sei.
Avi Primor imGespräch (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Wirtschaftliche Entwicklung
Die Besatzungsgebiete selbst sorgen allerdings auch für Handlungsbedarf. Man bemühe sich, so Primor, die wirtschaftliche Lage der Palästinenser zu verbessern. Doch verhindern gleichzeitig ungezählte Straßensperren, die dem Schutz der jüdischen Siedlungen dienen, eine kontinuierliche Entwicklung. Ohne Räumung der Gebiete gibt es also keine wirtschaftliche Entwicklung - und diese bedingt eine umfassende politische Lösung.
Recht auf Würde
“Man muss den Palästinensern ihre Würde wiedergeben!” so Primor unter Beifall im Saal. Es bedarf einer Normalisierung des Lebens, der Beziehungen der beiden Kontrahenten. Ein Ende der Besatzung bedeute eine Zweistaatenlösung. Eine Annektion ist nicht machbar, der Grund dafür ist ein demografischer: 45% der Bewohner Israels wären dann Palästinenser, die sich durch die normale Geburtenrate schnell zur Mehrheit im Land entwickeln würden.
Körber-Stiftung Hamburg (Foto: Tom Köhler, Hamburg)
Nötige Nachfragen
Deutschland muss Obama stärken, so die Unterzeile des Buches vom Primor. Im selben Atemzug allerdings Primor wörtlich: “Wir sind hundertprozentig abhängig von Amerika!” Trotz der Nachfragen seitens des einfühlsamen Roger de Wecks, der durch den Abend führte, wurde leider keine umfassende Antwort zu diesem Konflikt gegeben. Die gibt hoffentlich das Buch. Im Rahmen der Essay-Reihe STANDPUNKTE der Körber-Stiftung erschien ein Band mit den Gedanken Avi Primors zum Thema.
Souveräner Gast
Die zahlreichen Gäste des Abends waren Ausdruck des immensen Interesses am Thema. Souverän, überlegt, kritisch und humorvoll, so schilderten Gäste nach der Veranstaltung den ehemaligen Botschafter Israels. Es gelingt nicht vielen, dieses Thema so ruhig zu erörtern. Avi Primor stand Rede und Antwort. Auch nach der Veranstaltung war er noch lange am Signiertisch im Gespräch mit Gästen.
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