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Computer für Bedürftige
4.12.2009 von Tom T. Köhler.
Am morgigen Sonnabend findet der Internationale Tag des Ehrenamts statt. Die Vereinten Nationen begehen ihn seit 1986 immer am 5. Dezember. Aus Anlass dieses Tages stellt der Autor eine Initiative aus Rahlstedt vor – die „Hamburger Computer Spende“. Sie gibt komplette Computersysteme kostenlos an Bedürftige weiter. Damit sollen diese Menschen auf dem Stand der Zeit bleiben und sich besser Arbeit suchen können.
Foto: Horst Matzen in seiner Büro-Werkstatt in der heimischen Wohnung. (Thomas Köhler)
Hamburg-Rahlstedt – Es ist ein regnerischer Abend, „bestes Hamburger Schmuddelwetter“, nennen das die Hanseaten von der Elbe. Ein Hochhaus in Rahlstedt steht etwas verloren zwischen mehreren Viergeschossern. Ein junger Mann betritt das Haus, fährt im Fahrstuhl nach oben. Er trägt eine Tasche bei sich, sucht eine Tür, die Wohnungstür der Familie Matzen. Er findet sie schnell, denn sie ist eingerahmt von Computergehäusen mit der Aufschrift Schrott, und ein bemaltes Waschbrett verkündet, wer hier wohnt.
Horst Matzen, der Hausherr öffnet, begrüßt den Mann. Sie beschauen sich gemeinsam den Inhalt der mitgebrachten Tasche: Ein Notebook, diverse Computerprogramme, Kabel, Computermaus, Bedienungsanleitung – schöne Bereicherung für die Sammlung von Horst Matzen. Er betreibt die „Hamburger Computer Spende“, vormals „Hamburger Computer Tafel“. Der gemeinnützige Verein versorgt Menschen, die es sich nicht leisten können, mit einer kompletten Computeranlage, inklusive Drucker und Lautsprechern, zum Nulltarif. Die Geräte stammen aus Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Horst Matzen (57) repariert die Geräte, rüstet sie auf, macht sie WindowsXP-fähig und gibt sie auf Antrag an Bedürftige ab. Seine Ehefrau Angelika (52) verwaltet die Anträge, managt den Papierkram.
Trotz eigener Bedürftigkeit Hilfe für andere Menschen
Der junge Spender wird nach der Übergabe der Geräte mit freundlichen Worten verabschiedet, das Notebook und die anderen Mitbringsel werden von Matzens erst einmal im Flur abgestellt – auf einer Galerie von Computern. Überall in der Wohnung wartet Technik darauf, instand gesetzt zu werden. Trotz der Platznot in ihrer Wohnung haben sich die Matzens ihr sonniges Gemüt erhalten. Sie sind gastfreundlich, bitten Besucher in die Stube. Sie erzählen ihre Geschichte, ihre Geschichte von Hartz-IV. Denn sie leben selbst von dieser staatlichen Transferleistung, dem Schreckgespenst des Bürgertums. „Vor zwei Jahren haben wir uns entschlossen, das zu machen. Wir nehmen gebrauchte PCs aus der Bevölkerung an, machen sie XP-fähig.“ Die Bemühungen der Familie führten zu einem eingetragenen Verein, der betreibt die „Hamburger Computer Spende“. Horst Matzen: „Unsere Arbeit hat sich inzwischen überall herumgesprochen. Inzwischen haben wir 120 Menschen auf unserer Warteliste“. Sogar in der guten Stube stehen neben dem Fernseher Computer. Das Paradies für Technik-Freaks, wird zum Platzproblem. „Die Spendenbereitschaft der Hamburger ist enorm. 90 Geräte müssen noch nachgeschaut werden. Jeden Tag werden es mehr. Eine Hamburger Firma hat uns auf einen Schlag 80 PCs zur Verfügung gestellt und versprochen, dass immer wieder welche nachkommen“.
Foto: Die Computer stapeln sich in der kleinen Wohnung. (Thomas Köhler)
Entsorgung ein Problem
Inzwischen hat der Verein bei einem befreundeten Handwerker einen Kellerraum angemietet, um die vielen Geräte überhaupt unterzubringen. Horst Matzen ist umtriebig, hat sich an eine große Wohnungsgesellschaft gewandt und um Unterstützung gebeten. Denn es sind nicht nur die Räumlichkeiten für die Lagerung, sondern auch für die Schulung nötig. Der Verein bietet seinen Mitgliedern Kurse an, die dazu dienen, sich in der für sie gewöhnungsbedürftigen Materie Computer und Internet besser zurechtzufinden. „Die Bedürftigen müssen nicht Mitglied des Vereines sein, wir Verlangen nur den Nachweis der Bedürftigkeit – also den Hartz-IV-Bescheid zum Beispiel“, so Matzen. „Wer möchte, kann gern für zwei Euro im Monat Mitglied werden. Dann besteht auch die Möglichkeit, unter Anleitung seinen PC selbst zu reparieren“. Der Platzmangel, so Familie Matzen, rührt auch aus einem anderen Grund. Durch die große Anzahl an auseinandergenommenen Geräten ist ihm eine private Entsorgung in Recyclinghöfen problematisch.
Ausweitung nach Kiel geplant
Zwischen den aufgetürmten Gehäusen spazieren Kater und Katze. Das Büro, das auch Werkstatt ist, ist vollgestopft mit Technik und Ordnern. Zwei Arbeitsplätze mit Computern und Regale mit ungezählten ausgebauten Komponenten. Ein mehrtüriger Schrank bewahrt die kostbaren Ersatzteile in Kisten und Schachteln auf. Horst Matzen kann sich genau genommen nicht richtig rühren. Es ist ein Wunder, auf welch geringer Fläche dort gearbeitet wird. Die Matzens wollen diese Art der Hilfe für Bedürftige auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen. Eine Kieler Vertretung ist schon in Planung. Tochter und Schwiegersohn sollen die dortigen Bedürftigen der Stadt und Umgebung mit den aufgerüsteten und reparierten Geräten versorgen.
Wissen selbst angeeignet
Matzen ist in Sachen Computerreparatur ein Quereinsteiger, eigentlich ist er gelernter Sanitärinstallateur von Beruf. Sein erster PC gab prompt nach Ablauf der Garantie den Geist auf. Eine Woche, so Matzen, habe er nach der Ursache gesucht – und sie gefunden. Das war der Anfang seiner Leidenschaft für Bits und Bytes. Damals, in den 1980er Jahren, besaß er noch einen C 64, der erste Mode-PC für daheim. „Wenn ich heute wieder so einen bekäme, wäre ich sehr froh“, sagt er mit etwas Wehmut. Sein heutiges Wissen hat er sich über die Jahre selbst angeeignet – ist „firm bei Hard- und Software“, sagt er. Und all seine Arbeit werde entschädigt, wenn er und seine Frau in die leuchtenden Augen der Empfänger der Computer schauen können. Doch die Wartelisten seien inzwischen lang. Ein Viertel Jahr Wartezeit müssten die Interessenten aufbringen. Deshalb könnte Matzen noch jemanden gebrauchen, der sich um die peripheren Aufgaben kümmert. Doch es gibt bisher niemanden, der sich intensiv für andere einbringen möchte.
Foto: Karen F. hat einen neuwertigen PC von Horst Matzen erhalten. (Thomas Köhler)
Dank Internet mehr Chancen bei der Arbeitssuche
Eine der Beschenkten ist Karen F. aus Norderstedt. In einem kleinen Zimmer ihrer Wohnung steht die Anlage des Vereins aus Rahlstedt. „Ich sah den Aushang beim Amt“, so die Hartz-IV-Empfängerin, „und hab’ da angerufen. Ich konnte gar nicht glauben, dass es die Computer kostenlos gibt.“. Sie trinkt einen Kaffee und freut sich, dass es Menschen wie die Matzens mit ihrem Verein gibt. Ihre Kinder sind fast alle aus dem Haus, nur der Jüngste ist noch bei ihr. Das hat Konsequenzen. Sie muss sich nun eine kleinere Wohnung suchen und Arbeit suchen. „Wo kann man da besser gucken, als im Internet?“, sagt sie. „Deshalb hab’ ich mich so gefreut, als Herr Matzen schon drei Wochen nach meiner Anfrage anrief.“ Dann musste sie eine Transportgelegenheit organisieren, um die Geräte nach Hause zu bringen. Nun steht eine moderne Anlage bei Familie F. – dank der Bemühungen der rührigen Familie Matzen, die trotz eigener Not für andere Menschen da ist – ehrenamtlich.
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Die eigene Geschichte erkunden
11.11.2009 von Frauke Franckenstein.
Dieter Thiele zeigt in der Barmbeker Geschichtswerkstatt Kraniche, Arbeiterkämpfe und das Überleben von jüdischen Mitbürgern des Stadtteils.
Foto: Dieter Thiele zeigt ein SPD-Wahlplakat von 1946. (Frauke Franckenstein)
Hamburg-Barmbek – Manchmal sind es kleine Dinge wie ein Metallkästchen, die ein Schlaglicht auf Dieter Thieles Arbeit werfen. Ein Kästchen, das das Unausgesprochene in einer Familie im Hamburger Stadtteil Barmbek symbolisiert. Dieter Thiele sitzt am Tisch der Geschichtswerkstatt Barmbek, Ecke Wiesendamm/Hufnerstraße. Das Mobiliar ist alt und spartanisch, aber das spielt keine Rolle hier. Viel wichtiger sind die Bücher und Schriftstücke, die Fotos und Bildtafeln. Und, im Nebenzimmer der ehemaligen Konditorei, die Handwerkszeuge, die zur anschaulichen Darstellung von Barmbeker Alltagsexistenzen führen: Tonbandgeräte, Fotokameras, Computer.
Erinnerungen einer Jüdin in einem Kästchen
“Die Geschichte mit dem Kästchen hat mich sehr berührt”, erinnert sich Dieter Thiele. Darin hatte eine alte Barmbeker Jüdin die paar Dinge aufbewahrt, die von ihrer Familie übrig geblieben waren. Ihre Angehörigen waren während des Dritten Reichs fast alle umgebracht worden. “Sie hat das Kästchen in Anwesenheit ihrer Kinder nie geöffnet”, sagt der 74-Jährige. “Und wenn sie außer Haus war, sind die Kinder an das Kästchen gegangen. Aber sie haben niemals miteinander darüber gesprochen.” Das Unsagbare wollte die über 80-Jährige dann aber doch noch mitteilen, Außenstehenden, den Mitarbeitern der Geschichtswerkstatt. “Kurz vor ihrem Tod hat sie uns einbestellt, um zu Protokoll zu geben, was sie in der NS-Zeit erlitten hat”, erzählt Thiele, “ihre Kinder haben aus der Transskription dieses Interviews Dinge erfahren, die ihre Mutter ihnen nie erzählt hat.”
Nicht mal eine halbe Planstelle
Mosaiksteine von Barmbeker Schicksalen. Über den „Skurrilen Garten“ zum Beispiel hat die Geschichtswerkstatt 1997 eine Broschüre gemacht. Und über dessen Gestalter Herrn F. Am ehemaligen Wendebecken der Schiffbauversuchsanstalt hatte er mit überbordender Fantasie, Humor und Schaufensterdekorationsstücken seine Parzelle zu einem Kunstwerk gemacht, das die Mitarbeiter der Barmbeker Werkstatt an die Dschungelbilder von Henri Rousseau erinnerte.
Dieter Thiele und Werkstattkollege Harry, Fotograf und Gestalter, bereiten Barmbeker Geschichte als Angestellte des Trägervereins Heimatmuseum und Geschichtswerkstatt Barmbek “mit jeweils nicht mal ’ner halbe Stelle auf”, so Thiele. Ihnen zur Seite stehen Kollegen wie Christian und Petra mit Zwei-Jahres-Verträgen beim Hamburger Trägerverein Arbeit und Lernen. Petra zum Beispiel transskribiert Interviews – zehn Finger blind. Ansonsten ein Vollzeitjob für den 74-jährigen Dieter Thiele. Er hat auffällig dunkle Schatten unter den Augen. Da er keine Familie hat, ist die Geschichtswerkstatt “ein bisschen wie mein Kind geworden”. Er arbeitet Geschichts-Spaziergänge aus, führt sie zum Teil selbst, bereitet Ausstellungen vor und berät Bürger, die etwas über die Geschichte ihres Hauses oder über größere Zusammenhänge wissen wollen. Die Geschichtswerkstatt hat über die Jahre ein umfangreiches Text- und Bildarchiv aufgebaut – ein Spezialarchiv für Barmbek. “Hier findet man gesammelt, was man sich sonst erst aus allen möglichen Archiven zusammensuchen muss – oder eben gar nicht findet, weil’s aus Privatquellen stammt”, so Thiele.
Videofilm über Niedergang einer Fabrik produziert
Ans Aufhören denkt Dieter Thiele trotz seines Alters nicht: “Menschen dazu zu bewegen, die eigene Geschichte zu erkunden, erscheint mir nach wie vor erstrebenswert.” Ideal sei, dass es mit einer Rückschau auf den Arbeitskampf der Hamburger Metaller um den Untergang der Barmbeker Werkzeugmaschinenfabrik Heidenreich & Harbeck gelungen ist zu zeigen, wie sie 1976 vom Gildemeister-Konzern aus Bielefeld heruntergewirtschaftet wurde. “Wir haben einen alten Film, der darüber gedreht worden war, zur Erinnerung noch mal gezeigt – und zur Aufführung sind erstaunlich viele alte Metaller aus ganz Hamburg gekommen. Die haben daraufhin einen Arbeitskreis gebildet, um ihre Sicht der Vorgänge festzuhalten.” Mit finanzieller Beihilfe der Kulturbehörde entstand daraus ein großer Videofilm: Gewinner waren wir nicht – aber wir haben gekämpft!
Als Berliner in Barmbek heimisch geworden
Auf Umwegen hat sich der gebürtige Berliner Thiele – der noch immer berlinert, obwohl er in Hamburg bereits Abitur gemacht hat – seiner Berufung genähert. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte verließ er seinen unrsprünglich eingeschlagenen Weg ins Lehramt und Universitätskarriere und “geriet auf ganz niedriger Ebene in die Politik”. Streitbar war er. Beim Winterhuder Veranstaltungszentrum Goldbekhaus, das er mit aufgebaut hatte, schied er deshalb aus; ebenso aus der SPD, als unter Kanzler Helmut Schmidt der Nachrüstungsbeschluss gefasst wurde. “Heute sehe ich manches vielleicht anders”, kommentiert er, “aber damals war es für mich ein Grund, auszutreten.”
Über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme half Dieter Thiele beim Aufbau des Barmbeker Museums der Arbeit, und als die Bürgerbewegungen der späten 1970er und frühen 80er Jahre sich in Hamburg der “Geschichte von unten” annahmen und die ersten Geschichtswerkstätten in den Stadtteilen eröffneten, zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Geschichtswerkstatt Barmbek. “In Hamburg hatten wir das Glück”, erinnert sich Thiele, “dass Kultursenator von Münch sich persönlich für unsere Arbeit interessierte und als Zweiter Bürgermeister 1990 die Einrichtung eines eigenen Haushaltstitels für die Geschichtswerkstätten durchsetzte – einzigartig in Deutschland.” Im Laufe der Zeit wurden allerdings die Haushaltsmittel in der Hansestadt knapp, und die Gunst der Regierenden wechselte. Heute muss die Geschichtswerkstatt mit der Hälfte des früheren Etats auskommen. Das bedeutet sorgfältige Planung und vollen Einsatz, um ein qualitatives Programmangebot aufrechtzuerhalten.
Foto: Dieter Thiele an seinem Schreibtisch. (Frauke Franckenstein)
Kanalfahrten und Spaziergänge bringen Publikum
Zum Renner haben sich die Kanalfahrten entwickelt, bei denen jeweils drei Mitarbeiter 26 Fahrgästen auf dem kleinen Schiff “Aue” das heutige Barmbek vom Wasser aus zeigen und frühere Zustände mit Hilfe von Bildtafeln verdeutlichen. “Das Interesse daran ist trotz des hohen Preises von 18 Euro so groß, dass wir glatt doppelt so viele veranstalten könnten – trotzdem setzen wir bei jeder Fahrt mindestens 100 Euro zu.” Regen Zulauf haben auch die literarischen Spaziergänge, die den bundesweit bekannten Lebensgeschichten gebürtiger Barmbeker folgen: “Auf den Spuren der Bertinis” nach dem Roman von Ralph Giordano und “Neger, Neger, Schornsteinfeger” nach der Autobiografie des Deutsch-Liberianers Hans-Jürgen Massaquoi.
Bei den übrigen Touren ist das Interesse der Besucher schwankend, obendrein vom Wetter abhängig. Dieter Thiele ist bei jedem Wetter gründlich vorbereitet zur Stelle. Und erlebt gelegentlich, wie neulich zur Tour “Kunst im Barmbeker Stadtraum”, dass sich nur eine einzige ältere Dame einfindet. Immerhin: Der Rundgang “Barmbek basch – vom Leben des Proletariats” erfreut sich mittlerweile steigender Beliebtheit. “Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass Proletariat wieder ein Thema ist, auch wenn es heute Prekariat genannt wird.“
Ihr Publikum erreicht die Barmbeker Geschichtswerkstatt über ihr Programmheft, Ankündigungen im regionalen Wochenanzeigenblatt und, ganz zeitgemäß, übers Internet. Den meisten Menschen im Stadtteil, glaubt Dieter Thiele, ist die Geschichtswerkstatt allerdings durch den sogenannten Geschichtspfad bekannt geworden: Bildtafeln im Straßenbild machen Passanten auf Orte mit Bedeutung aufmerksam. Zum Beispiel auf die schönen Kranich-Skulpturen des Bildhauers Hans-Martin Ruwoldt in der Genossenschaftssiedlung an der Hufnerstraße. “Es muss erwähnt werden, dass vom historischen Barmbek wenig übrig geblieben ist. In einem einzigen nächtlichen Luftangriff vom 29. auf den 30. Juli 1943 wurde vor allem der Süden so stark verwüstet, dass dort schwer vor Augen zu führen ist, wie’s mal aussah”, so Thiele.
Menschen helfen kontinuierlich beim Ausbau der Geschichtswerkstatt
Gelegentlich kommen auch Bürger mit historischen Funden von Dachböden und aus Kellern zum Wiesendamm. Dieter Thiele präsentiert zwei hölzerne handbemalte Schilder aus dem ersten Hamburger Wahlkampf 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg. Olga Brandt-Knack, einstmals Ballettmeisterin der Hamburger Staatsoper, die seinerzeit darauf für die SPD kandidierte, hatte er noch persönlich kennengelernt, “deswegen fand ich die Schilder besonders interessant”.
Immer wieder sind es die Menschen, die Barmbeks Geschichte anschaulich machen. Über Heinz D., der öfters in der Geschichtswerkstatt auftauchte und die Mitarbeiter mit Zaubertricks verblüffte, hat Dieter Thiele ein anrührendes kleines Buch geschrieben: “Ich fand sein Leben außergewöhnlich. Nach einer Kindheit jenseits aller Normen des proletarischen und kleinbürgerlichen Milieus wurde er wegen seines auffälligen Verhaltens während der NS-Zeit als sogenannter Gemeinschaftsschädling eingestuft. Nur durch Zufall gelang es ihm, aus einem Bewährungsbataillon in Nordafrika zu desertieren. Aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft brachte er dann sein lebenslanges Interesse an Kultur, Film, Theater, Kabarett und eben am Zaubern mit. Heinzi – den mochte ich gern.”
Kulturbehörde fordert Rechenschaft
Dieter Thiele hat nun keine Zeit fürs Interview mehr, muss sich anderen Aufgaben zuwenden. Die Kulturbehörde lässt zum Beispiel derzeit auch die Arbeit der Hamburger Geschichtswerkstätten evaluieren, um sie zeitgemäß aufzustellen, wie es dort heißt. Da gilt es standardisierte Fragebögen auszufüllen, “auch wenn sie mit der lebendigen Wirklichkeit nicht immer was zu tun haben”.
Wenn dann, neben der Lektüre von Fachliteratur, noch etwas Zeit bleibt, liest Dieter Thiele zu Hause Bücher. Zum Beispiel Marie Luise Kaschnitz’ Beschreibung eines Dorfes, “mit all der Melancholie und Trauer über die zerstörerischen Veränderungen”. Oder Dacia Marainis Bagheria – Eine Kindheit auf Sizilien. “Die schildert mit Bitterkeit und Wut, was in den Nachkriegsjahrzehnten durch die hemmungslose, mafiagelenkte Bebauung aus ihrer Heimat geworden ist.” Ein ganz anderes Sizilienbild als bei dem Barmbeker Ralph Giordano, für den Sizilien durch seinen Großvater zur ideellen Heimat geworden sei.
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Alles ordentlich im Quartier
7.10.2009 von Tom T. Köhler.
Der Bürgernahe Reporter (Bünare©) Tom T. Köhler ist unterwegs im Quartier Neuwiedenthal.
Foto: Nebel über Neuwiedenthal. (Tom T. Köhler)
Hamburg-Harburg – Die Wohngebiete im Hamburger Süden werden oft abfällig als soziale Brennpunkte abgetan – doch es gibt Ausnahmen. Das lange Zeit verrufene Neuwiedenthal hat sich gewandelt. Es ist ein grüner Stadtteil, der bei näherer Betrachtung eine gewisse Beschaulichkeit ausstrahlt. Die meisten Menschen leben gerne dort, seit vielen Jahrzehnten. Der zeitweise vorherrschende Vandalismus ist deutlich zurückgegangen. Mit einfachen Mitteln sorgte die Wohnungsbaugenossenschaft Süderelbe für Abhilfe. Die Hausverwalter tun alles, um den Mietern zur Seite zu stehen. Ein Ortstermin an einem nebeligen Vormittag.
Drei Telefone klingeln unaufhörlich
Die Hausverwalter Claus Schweder und Heiko Deml sitzen an einem Montagmorgen in ihrem großzügigen Büro im Keller eines Wohnhauses. Die Eingangstür zur Außentreppe ist weit geöffnet, denn es ist Sprechstunde im Verwalterbüro der Wohnungsbaugenossenschaft Süderelbe in Neuwiedenthal. An der Wand fällt die mannshohe Schlüsselwand auf – dort aufgereiht und wohl sortiert: Hunderte Schlüssel. „Da darf keiner falsch hängen, dann gäbe es Chaos“, sagt der 57 Jahre alte Schweder. Die drei Telefone auf den zwei Schreibtischen klingeln unaufhörlich, fast zwanzig Mal in einer Stunde. Doch das bringt die beiden Hausverwalter nicht aus der Ruhe.
Maler müssen warten
Während Schweder die Anrufe beantwortet, kümmert sich sein Kollege Heiko Deml (43) emsig um die Ablage. Während dieser in den Akten wühlt, stehen plötzlich zwei Maler im Büro. Sie wollen die nächsten Renovierungsarbeiten mit den Hausverwaltern absprechen. Doch sie müssen erst einmal warten. Die Mieterinteressen gehen vor. Deshalb holen sie sich Kaffee und einen Aschenbecher aus der Küche. Sie kennen sich hier aus, denn sie sind nicht zum ersten Mal in diesem Büro.
Hausverwalter sind keine Hausmeister
Die beiden sind für etwa 1.000 Mieter zuständig. Da ist immer viel zu tun. „Meine Arbeit teilt sich in etwa zu je einem Drittel so auf: Verwaltungsarbeiten, Menschen, Technik“, sagt Schweder, ein großer, kräftiger Mann mit zurückgekämmtem Haar und einer feinen Brille auf der Nase. Gelegentlich wird er von Mietern als Hausmeister bezeichnet. Das stört ihn ein wenig, schaut drüber hinweg. Er ist derjenige, der die Hausmeister und Handwerker einsetzt, damit sich die Mieter wohlfühlen.
Hobby: Kaninchenzucht
Neben der Organisation kleiner und großer Reparaturen ist er für die Wohnungsübergaben bei Aus- und Einzug der Mieter zuständig. Er vergibt die begehrten Garagenplätze. Schweder und Deml sind Bindeglied zwischen Mieter und Wohnungsbaugenossenschaft. Sie verstehen sich als Partner beider. Deshalb telefonieren sie täglich mit der Süderelbe. Der gelernte Tischler und Elektriker Schweder geht in seinem Beruf auf – seit 25 Jahren. Doch auch seinem Hobby, der Kaninchenzucht, geht er mit großer Leidenschaft nach. Seit 45 Jahren züchtet er Kaninchen. Sehr erfolgreich sogar. Im vergangenen Jahr wurde er mit seiner Zucht Deutscher Meister.
Silberfischchen sind ungefährlich
Seine Mieter kennt er alle mit Namen. „Als ich hier anfing, dachte ich, das schaffe ich nie.“ Inzwischen ist es 8.30 Uhr. Nach einer Stunde ist die Sprechstunde zu Ende. Die Telefone hören auf zu klingeln. Schweder berichtet vom spannendsten Fall des Tages. Ein aufgeregter Mieter wollte Hilfe bei der Jagd nach Silberfischchen haben. „Da musste ich ihn erst einmal ausreden lassen und ihm sagen, dass er als Mieter selbst zuständig ist. Er müsse sich Fallen im Drogeriemarkt kaufen und sie bei sich aufstellen.“ Dann lacht Schweder: „Vor allem musste ich ihm erklären, dass die Tierchen nicht gefährlich sind.“ Er lacht überhaupt viel, hat Spaß an der Arbeit und immer einen Gag auf Lager. Jetzt kommen die Maler dran. Ein Keller in einem Wohnhaus braucht neue weiße Farbe an den Wänden und eine Wohnung wartet auf die komplette Renovierung. Aufträge werden gewälzt und Rechnungen unterschrieben. Die Männer sind nach vielen Jahren Zusammenarbeit ein eingespieltes Team, frotzeln sich an, wissen, was sie aneinander haben.
Foto: Hausverwalter Claus Schweder beim Telefonieren. (Tom T. Köhler)
Hausverwalter Schweder kennt jeden Mieter
Schließlich geht es nach draußen. Inzwischen ist es 9.30 Uhr. Claus Schweder zeigt sein Revier. Und er kennt tatsächlich alle Mieter mit Namen. Der Hamburger grüßt jeden, ist nie um einen Zuruf verlegen. Auf einem Parkdeck blinken die orangefarbenen Warnleuchten eines abgestellten Autos. Schweder geht zielstrebig auf ein Haus an der Straße Thiemannhof zu, klingelt bei den richtigen Besitzern des Fahrzeugs. „Eure Warnblinker sind an, schaut da mal nach!“, ruft er in die Sprechanlage. Die Mieter bedanken sich freundlich. Er geht weiter. Sein Ziel: das Hochhaus am Rehrstieg, zehn Minuten Fußweg entlang der gepflegten Grünanlagen. Ein Markenzeichen dieser Wohngegend. Hier fühlen sich die Mieter wohl.
Pförtner sorgen für Sicherheit
Im Eingangsbereich des Hochhauses gibt es eine Pförtnerloge, sie ist vom frühen Nachmittag bis zum Abend besetzt. „Süderelbe beschäftigt hier Mitarbeiter. Es sind keine Ein-Euro-Jobs, wie anderswo“, stellt Schweder klar, „seit wir die Pförtner haben, gibt es keine Randale mehr. Es ist Ruhe eingezogen.“ Er freut sich mit den Mietern und weiß die Pförtner zu schätzen. Kleine Reparaturen übernehmen sie, wechseln auch mal die Mülltonnen aus, die unter dem zentralen Müllschlucker stehen, der von jeder Etage aus genutzt werden kann.
Neue Breitbandtechnik hält Einzug
Im Keller des Hochhauses, der voller weißer Kabel liegt, sind Handwerker zugange. Schweder: „Hier kommt das neue Breitbandkabel für Fernsehen, Telefon und Internet hin. Das ist eine Arbeit, oh Mann!“ Schweder öffnet eine Tür. Dahinter befindet sich die sogenannte Druckerhöhung. „Die brauchen wir, wenn alle gleichzeitig Wasser nehmen. Oder wenn die Feuerwehr löschen muss. Da muss auch im zehnten Stock noch Wasser ankommen“, erklärt Claus Schweder.
Schmierereien werden schnell beseitigt
Der Fahrstuhl bringt den Hausverwalter ganz nach oben in den 12. Stock. Nach draußen führt eine Stahltür. Dort liegt ein dicker Morgennebel im Wohngebiet. „Deshalb ist die Aussicht heute nicht so schön wie sonst“, sagt der Hobbykaninchenzüchter. Plötzlich fällt sein Blick auf eine Veranda, die mit Schmierereien bemalt ist. Das gefällt ihm überhaupt nicht. „Warum machen die das? In ihrem Zimmer tun die das doch auch nicht!“, knurrt er böse. Das wird die Maler bald beschäftigen. Solche Verschandelungen werden sofort beseitigt. Das ist Konzept. Wird das nicht getan, motiviert das weitere Schmierfinken mitzumachen. In der Heizungszentrale im 12. Obergeschoss steht die Überwachungstechnik, mit der Schweder den Eingangsbereich des Hauses und den Fahrstuhl im Blick hat. Die Videoaufzeichnungen werden für kurze Zeit gespeichert. „Das schreckt Übeltäter ab“, ist sich Schweder sicher.
Mädchen für alles
Sein täglicher Gang durchs Quartier führt in weitere Häuser. An einer Wohnungstür im Twistering empfängt ihn eine alte Dame mit einem kleinen Hund, der ihn freudig begrüßt. Der Schlauch ihrer Dusche sei nicht mehr dicht, sagt sie. Schweder verspricht Hilfe. In einer anderen Wohnung verunzieren Wasserflecke die Decke. „Das ist beim Einbau von Heizkörpern in der Wohnung oben drüber passiert. Ich kümmere mich drum!“ Schweder merkt sich alles, er muss nichts aufschreiben. Er ist das Mädchen für alles. Sein Motto: „Mensch bleiben, dann läuft das auch alles rund.“
Foto: Schlüsselwand der Hausverwalter mit Hunderten Schlüsseln. (Tom T. Köhler)
Noch sieben Jahre bis zur Rente
Nach knapp einer Stunde ist sein heutiger Rundgang beendet. Morgen wird er wiederkommen und nach dem Rechten sehen. Das Kellerbüro am Thiemannhof ist indes leer. Kollege Heiko Deml ist gerade mit dem Rad auf dem Weg in sein Revier. Der Blick fällt wieder auf die Schlüsselwand. Hier wird Schweder in sieben Jahren seinen Schlüssel hinhängen, wenn er seinen Beruf aufgibt, um in Rente zu gehen. Dann wird sich der Nachfolger die vielen Namen der Mieter merken müssen, und wird wohl auch denken, „dass schaffe ich nie“, bevor es auch für ihn leicht werden wird.
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Informationen über das Bünare-Konzept©: hier.
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Nur ein Direktkandidat bei Jungwählern
18.9.2009 von Detlef Struckhof.
Foto: Danial Ilkhanipour (SPD) bei der Podiumsdiskussion. (dest)
Hamburg-Eimsbüttel – Als einziger von insgesamt sieben Direktkandidaten des Stadtbezirks Eimsbüttel kam am Donnerstagabend Danial Ilkhanipour (SPD) zu einer Podiumsdiskussion ins Corvey-Gymnasium. Alle anderen Bundestagskandidaten ließen sich vor den über 200 Jungwählern von Parteifreunden entschuldigen und vertreten – sie hätten andere Termine. Unter den Mitbewerbern Ilkhanipours sind immerhin die beiden Spitzenpolitiker Krista Sager (Grüne) und Burkhart Müller-Sönksen (FDP). So erfuhren die Gymnasiasten die Wahlversprechen ihrer Bezirkskandidaten nur aus zweiter Hand, konnten ihre möglichen Abgeordneten nicht zu Themen des Bezirks befragen. An der Diskussion nahmen neben Ilkhanipour Vertreter der CDU, FDP, Die Linke, Grüne und der Piratenpartei teil.
Ilkhanipour führt bürgernahen Wahlkampf
Deshalb konnte Ilkhanipour bei den jungen Leuten punkten. „Ich kenne die Probleme Eimsbüttels sehr genau. Ich bin hier aufgewachsen. Ich stehe jeden Tag zwei Stunden mit dem Auto im Stau. Deshalb weiß ich, was geändert werden muss“, sagte der 27-Jährige mit iranischem Migrationshintergrund. Der gebürtige Elmshorner führt in diesen Wochen aus seiner Sicht einen bürgernahen Wahlkampf, denn er wolle jeden Eimsbüttler bis zur Wahl mindestens einmal getroffen haben. „Dazu stehe ich morgens um 6.30 Uhr an den U-Bahn-Stationen.“ Jeder Wähler solle die Möglichkeit zu einem Gespräch erhalten, „damit sie sehen, dass ich viel netter bin, als sie es in der Zeitung über mich gelesen haben“.
SPD-Kandidat benötigt die meisten Erststimmen
Ilkhanipour hatte sich im November 2008 gegen den derzeitigen und bundesweit bekannten SPD-Bundestagsabgeordneten Niels Annen in einer geheimen Wahl mit 45:44 Stimmen durchgesetzt. Dies führte über Monate zu einem Streit in der Eimsbüttler SPD. Sie gilt seitdem bei vielen Parteimitgliedern und in der Öffentlichkeit als zerstritten. In den Bundestag wird Ilkhanipour nur als direkt gewählter Kandidat einziehen können, weil er keinen Platz auf der SPD-Landesliste erhalten hat.
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Geplanter A7-Deckel macht Stellinger wütend
11.9.2009 von Saskia Jauß.
Hamburg-Stellingen – Bei den Stellingern wächst die Sorge um den geplanten Ausbau der Bundesautobahn A7. Das Verkehrsprojekt hat eine Dimension angenommen, die es in Hamburg lange nicht gegeben hat. Vom Elbtunnel bis zum Dreieck Nordwest soll die A7 mit einem riesigen Deckel versehen werden. Er soll dem Lärmschutz dienen, denn die A7 wird auf mindestens acht Spuren ausgebaut. Kosten: rund 400 Millionen Euro. Bauzeit: fünf bis sechs Jahre.
100 Bürger bei Diskussion
Der Startschuss fällt 2011 in Stellingen. Welche Wellen das Mammutprojekt bei den Stellinger A7-Anwohnern schlägt, wurde am Mittwoch bei einer Veranstaltung deutlich. Ein eigens gegründetes Bürgerkomitee unter Führung der GAL-Bezirkspolitikerin Cornelia Mertens hatte Hamburger Spitzenpolitiker aller Parteien zur Diskussion mit betroffenen Bürgern eingeladen. Rund 100 Stellinger nutzten die Chance, und machten ihrem Ärger Luft.
Anwohner fühlen sich im Unklaren gelassen
Kernforderung der A7-Anrainer: Politik und Behörden sollen sie endlich in die Planung einbeziehen. Denn in nicht einmal zwei Jahren ist Baubeginn. Von der zuständigen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) fühlen sich die Stellinger alleingelassen. „Es ist völlig unklar, wie das Verkehrskonzept während der Bauphase aussieht“, beschwert sich Ernst-Günther Josefowsky, Chef der Bürgerinitiative Stellinger Deckel. Während der Bauzeit werden wichtige Durchgangsstraßen gesperrt, womöglich für Jahre. „Müssen wir dann mit dem Hubschrauber fliegen, um aus unserem Stadtteil rauszukommen?“, fragt sich eine Anwohnerin.
Bisher nur Vorentwürfe
Die Bürger fürchten ein Verkehrschaos während der Bauphase. Ohnehin gilt Stellingen als von der Verkehrsplanung benachteiligt: Neben der A7 zerschneidet die sechsspurige Kieler Straße, eine der Hauptein- und -ausfallstraßen, den Stadtteil. BSU-Sprecher Enno Isermann verweist darauf, dass das Planfeststellungsverfahren, das auch die Verkehrsführung regelt, erst Ende 2010 beginnt. Zurzeit gebe es nur Vorentwürfe, keine Entscheidungen.
Politiker werben um Verständnis
Die anwesenden Spitzenkandidaten wollten beruhigen. „Sie sind auf der sicheren Seite“, sagte GAL-Spitzenkandidatin Krista Sager. Sie sieht in dem Projekt eine „Riesenchance, die Wunde Autobahn ein Stück weit zu heilen“. Schließlich sollen auf dem Deckel Grünflächen und Sportanlagen entstehen. Die Politiker waren bemüht, Verständnis für die Sorgen der Bürger zu zeigen. Selbst CDU und Linke waren sich auf einmal einig, begrüßten das Engagement der Wähler. „Wir tragen Ihre Forderungen mit“, versicherte CDU-Bundestagskandidat Rüdiger Kruse.
Jahrelanger Baulärm befürchtet
Neben dem möglichen Verkehrschaos treibt die Anwohner der zu erwartende Baulärm um. „Viele meiner älteren Nachbarn werden den Stress nicht überleben, wenn jahrelang jeden Tag Bagger direkt vor ihrer Terrasse auf und ab fahren“, sorgt sich eine Stellingerin. Ein anderer Anwohner fürchtet gar die Enteignung. Seit drei Jahren wartet er auf ein Signal von der BSU. Ende Oktober soll die Entscheidung endlich fallen.
Erneute Treffen geplant
Wie soll es weitergehen? Cornelia Mertens vom Bürgerkomitee sieht „dringenden Gesprächsbedarf“, will sich möglichst bald mit Umweltsenatorin Anja Hajduk zusammensetzen. Die Mitglieder des Bürgerkomitees werden sich bereits in wenigen Tagen erneut treffen.
Hier PDF ansehen: Bebauungsplan_BAB7_Laermschutz-Deckel_Stellingen
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